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Lernerfolge von 3.000 Schülern - Studie: Rechtschreibung am besten mit der Fibel

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Wie lernen Kinder die Rechtschreibung? Die gängigen Methoden sind umstritten. Forscher der Uni Bonn wollen den besten Weg gefunden haben, doch es gibt auch Kritik an der Studie.

Zwei Mädchen helfen sich gegenseitig beim Lernen
Zwei Mädchen helfen sich gegenseitig beim Lernen. (Archivbild)
Quelle: imago

Das Wichtigste im Überblick:

  • Wissenschaftler der Uni Bonn haben die Methoden "Lesen durch Schreiben", "Rechtschreibwerkstatt" und den "systematischen Fibelansatz" verglichen.
  • Die Lernerfolge von gut 3.000 Grundschulkindern in NRW wurden analysiert.
  • Die Fibelmethode schnitt am besten ab.
  • Kritiker bemängeln, dass die Rechtschreibfähigkeit als einzelner Aspekt losgelöst von anderen Lernprozessen untersucht worden sei.

Grundschüler lernen Rechtschreibung am besten nach der klassischen sogenannten Fibelmethode - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bonn, bei der die Lernerfolge von gut 3.000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen analysiert wurden. Andere Ansätze wie "Lesen durch Schreiben" und "Rechtschreibwerkstatt" schnitten weitaus schlechter ab. Die Ergebnisse werden an diesem Montag bei einer Tagung der Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt vorgestellt.

Bei der Fibelmethode werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben eingeführt. Danach lernende Kinder hatten mit Abstand die besten Rechtschreibkenntnisse, wie Una Röhr-Sendlmeier vom Institut für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie der Universität Bonn berichtet. Das Psychologenteam hatte über mehrere Jahre hinweg die Rechtschreibkenntnisse von Grundschulkindern in NRW verglichen, die nach drei verschiedenen Methoden Lesen und Schreiben lernten.

Fibel-Lernen mancherorts durch Alternativen verdrängt

Viele Eltern seien in Sorge, weil ihre Kinder zum Ende der Grundschule die Rechtschreibregeln kaum beherrschten, so Röhr-Sendlmeier. "Sie fragen, ob dies auch mit der eingesetzten freien Lehrmethode zusammenhängen könnte, nach der die Kinder nur nach ihrem Gehöreindruck schreiben sollen."

Blick zurück: Das lange gängige Fibel-Lernen war mancherorts vor allem vom "Lesen durch Schreiben" nahezu verdängt worden, bis sich daran immer mehr Kritik entzündete, wie Bildungsforscherin Nele McElvany von der Universität Dortmund erläutert. "Tatsächlich ist problematisch, dass es praktisch keine empirischen Studien gibt, was die Wirksamkeit dieser Methode angeht." Die Idee: Schüler sollen möglichst viel frei schreiben und das Lesen darüber mitlernen. Korrekturen falsch geschriebener Wörter sind unerwünscht, weil das die Kinder demotiviere.

Dabei könne man Schüler sehr wohl Regeln und Prinzipien einüben lassen und sie zugleich mit positivem Feedback ermutigen, erklärt McElvany. Das Fibel-Lernen sei regelgeleitet, baue strukturiert aufeinander auf und setze auf Übungsphasen. Das Ergebnis der Psychologen mit der Top-Note für den Fibel-Ansatz hält sie für "nicht unplausibel".

Diktate von mehr als 3.000 Kindern ausgewertet

Der beteiligte Bonner Wissenschaftler Tobias Kuhl erläutert zu der Forschungsarbeit: "Wir sind wertfrei rangegangen." Das "Lesen durch Schreiben" und die "Rechtschreibwerkstatt" führten nachweislich zu vielen Fehlern. Ein fest vorgegebener Ablauf vom Einfachen zum Komplexen habe sich als klar überlegen erwiesen. Die Ergebnisse will er bei einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an diesem Montag in Frankfurt vorstellen. Der nordrhein-westfälischen Bildungsministerin seien die Studienergebnisse nach Angaben der Universität Bonn bereits mitgeteilt worden.

Methoden zum Lernen der Rechtschreibung

Die mehr als 3.000 Kinder wurden Kuhl zufolge zunächst nach ihrer Einschulung auf ihre Vorkenntnisse getestet. Danach seien fünfmal jeweils halbjährlich Diktate ausgewertet worden - immer waren Fibelkinder die leistungsstärksten. Schüler, die mit "Lesen durch Schreiben" unterrichtet wurden, machten am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler, "Werkstatt"-Schüler sogar 105 Prozent mehr als Fibelkinder. Auch Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch war, profitierten demnach vom "Fibel"-Ansatz.

Kritik an der Studie

Bildungsforscherin McElany zufolge lässt die Studie allerdings offen, ob es bei der Einschulung schon unterschiedliche Voraussetzungen bei den Kindern gab und inwieweit diese im Schulverlauf erhalten blieben. Angesichts der teils dramatisch schwachen Kompetenzen sei eine Methodendebatte wichtig. Orthografie sei Fleißarbeit und müsse in den ersten Schuljahren geübt werden. "Es ist wie auch das Lesen eine Kernkompetenz, die Grundschüler lernen müssen. Dafür brauchen sie in den Schulen und zuhause den zeitlichen Raum."

Der Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU von Ende 2017 zufolge kann jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland nicht so lesen, dass er den Text auch versteht. Und der bei Viertklässlern erhobene IQB-Bildungstrend 2016 ergab, dass nur 55 Prozent orthografische Regelstandards erreichen oder übertreffen.

Eine einseitig festgelegte Rückkehr zum Unterricht mit der Fibel ist keine Lösung.
Udo Beckmann, Bildungsverband VBE

Der Bildungsverband VBE zeigte sich hinsichtlich der neuen Ergebnisse skeptisch. Grundsätzlich sei es "nicht zielführend", die Rechtschreibfähigkeit als einzelnen Aspekt losgelöst von allen anderen Lernprozessen zu untersuchen. Der Vorsitzende Udo Beckmann meint: "Eine einseitig festgelegte Rückkehr zum Unterricht mit der Fibel ist keine Lösung."

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