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Neue Studie - DDR-Doping auf der Spur: Opfer liefern Daten

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28 Jahre nach dem Mauerfall ist das Staatsdoping in der DDR noch nicht umfassend erforscht. Eine Studie soll nun wissenschaftliche Daten über gesundheitliche Spätfolgen liefern.

Einmarsch der DDR-Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 1980
Einmarsch der DDR-Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen 1980 Quelle: dpa

"Schwimmer, Erstvergabe von Oral-Turinabol mit acht Jahren, Herzmuskelentzündung, lungenkrank, schwere COPD. Turnerin, Bronze bei Weltmeisterschaften, Depressionen, Bulimie, eine Fehlgeburt, Suizidversuch. Eiskunstläuferin, Teilnahme an DDR-Meisterschaften, Verlust beider Eierstöcke, Tumor, Depression, Bulimie."  Schicksale von ehemaligen Spitzensportlern der DDR. Als Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende wurden ihnen - staatlich organisiert - sogenannte "unterstützende Mittel" verabreicht. Meist hatten die Sportler nichts davon gewusst. Heute leiden viele unter schweren körperlichen sowie psychischen Erkrankungen und haben es oft schwer, als Dopingopfer offiziell anerkannt und entschädigt zu werden.

1.350 Ex-Kaderathleten machen mit

Insgesamt 1.350 ehemalige DDR-Kaderathleten haben sich bis heute als Geschädigte bei der Doping-Opfer-Hilfe gemeldet und füllten Fragebögen aus. Ihre Angaben werden nun von Wissenschaftlern, Ärzten und Psychologen der Universität Greifswald und der Helios-Kliniken Schwerin anonymisiert erfasst und analysiert. "Eine solche Datenmenge hat es in dieser Dimension noch nicht gegeben. Bislang waren nur Einzelschicksale bekannt", sagt Jochen-Friedrich Buhrmann dem ZDF. Der Chefarzt der Schweriner Helios-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist einer der Initiatoren der Studie. Sie soll konkrete Rückschlüsse auf gesundheitliche Folgen des flächendeckenden DDR-Dopings zulassen.

Schwere Folgen auch für die Psyche

Deutlich häufiger Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine bis zu 15 Jahre verkürzte  Lebenserwartung - die statistischen Erkenntnisse der Wissenschaftler klingen dramatisch. "Neben den schweren körperlichen Erkrankungen haben vor allem die massiven Auswirkungen auf die Psyche von Doping-Opfern überrascht", verweist Buhrmann auf erste Ergebnisse der Studie.

Das Ausmaß der Traumatisierungen wurde erst durch die ausgewerteten Fragebögen der Doping-Opfer-Hilfe deutlich. Darin berichten viele ehemalige Spitzenathletinnen und -athleten von Entwertung, Herabsetzung, von Beschimpfungen, Restriktionen oder Essensentzug. Auch sexualisierte  Gewalt und Missbrauch zählten zu den dunklen Kapiteln des DDR-Sports. Depressionen, Psychosen oder Suizidalität seien schwerwiegende Folgen.

Schwierige Aufarbeitung des Zwangsdopings

1974 beschloss die DDR-Führung, sportliche Welterfolge und damit verbundene politische Anerkennung künftig zu "organisieren".  Daraufhin wurden geschätzte 15.000 minderjährige Leistungssportler unter dem Deckmantel der Staatssicherheit in das Dopingsystem gezogen.

Betroffenen Sportlern fällt es heute schwer, sich zu öffnen. Manche würden  im Familien- oder Kollegenkreis auf  Vorbehalte stoßen und Unverständnis erfahren, sogar als "Nestbeschmutzer" beschimpft werden, beschreibt die Doping-Opfer-Hilfe gegenüber dem ZDF die Hemmnisse. Die Aufarbeitung des hochsensiblen Themas sei ein langer, harter Prozess. Hinzu käme, dass auch die Täter von damals, Sportmediziner und Trainer, bis heute schweigen würden.  

Studie soll Doping-Opfern helfen

Nicht nur im privaten oder beruflichen Umfeld erleben Doping-Opfer Vorbehalte, sondern auch bei Medizinern oder Gutachtern, die das Thema abwehren. Ohne jedoch offiziell als Doping-Opfer anerkannt zu sein, haben die Betroffenen keinen Anspruch auf Entschädigung nach dem Dopingopfer-Hilfegesetz. "Die Studie soll Schwerstbetroffenen zu ihrem Recht verhelfen, damit sie aus der Ecke der Verschwiegenheit kommen", beschreibt Psychotherapeut und Internist Jochen-Friedrich Buhrmann das Ziel. In künftigen Begutachtungs- oder Erkrankungsfällen könnten Ärzte auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückgreifen. Das Forschungsprojekt soll zunächst bis Mitte 2018 laufen.

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