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Studie - Was der Verkehr die Gesellschaft kostet

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Unfälle, Schadstoffe, Lärm: Der Verkehr in Deutschland verursacht laut einer Studie der Schienenlobby fast 150 Milliarden Euro Folgekosten jährlich - vor allem der auf der Straße.

Die Folgekosten, die unsere Verkehrsmittel verursachen, sind kompliziert zu berechnen. Eine Studie im Auftrag der Lobbyorganisation Allianz pro Schiene hat Auto, Bahn und Flugzeug daraufhin untersucht.

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Der Verkehr insgesamt in Deutschland produziert externe Folgekosten von rund 149 Milliarden Euro pro Jahr. Das geht aus einer Studie hervor, die das Züricher Infras-Institut im Auftrag von Allianz pro Schiene veröffentlicht hat. Bei Berechnung der "externen" Kosten haben die Forscher darauf geschaut, welche Kosten Mobilität verursacht, die nicht von den Verursachern selbst bezahlt wird. Dazu zählen etwa die Belastung des Klimas durch CO2-Emissionen, nachgelagerte Kosten durch Verkehrsunfälle, aber auch Verkehrslärm und Luftverschmutzung.

Straßenverkehr mit höchsten Folgekosten

Der Großteil dieser Folgekosten geht der Studie zu Folge auf den Straßenverkehr durch Autos, Busse und Lastwagen zurück: 95 Prozent der externen Kosten produziert demnach der Straßenverkehr. "Die Studie demonstriert gerade dem Klimakabinett den dringenden Handlungsbedarf im Verkehr", sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, am Montag bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die Studie im Auftrag des Schienenlobby-Verbandes kommt nicht von ungefähr gerade jetzt heraus. Das Papier soll den Druck auf die Bundesregierung vor den Sitzungen des sogenannten Klimakabinetts am 20. September erhöhen. Laut Studie verursacht die Schiene rund vier Prozent der externen Verkehrskosten, vom inländischen Flugverkehr und der Binnenschifffahrt stammen jeweils knapp ein Prozent.

Aufgrund der schwierigen Vergleichbarkeit haben die Studienautoren den grenzüberschreitenden Flugverkehr außen vor gelassen. "Eine verschleppte Verkehrswende ist viel teurer als ein mutiges Umsteuern. Die Gesellschaft zahlt einen gigantischen Preis für die Dominanz der Straße. Mit einer Verkehrsverlagerung können wir den Klimaschutz und die Luftqualität verbessern und die Zahl der Unfallopfer drastisch senken", sagte Flege.

Hoher Energieverbrauch, Luft- und Lärmbelastung

Bei den Berechnungen haben sich die Forscher auf die vom Umweltbundesamt angewandten Methoden gestützt - etwa bei den Folgekosten für Natur und Landschaft. Bei Lärm und Unfallopfern wandte Infras Vorgaben der Europäischen Kommission an, da das Umweltbundesamt hier keine Vorgaben erstellt hat. Den Ergebnissen zufolge bilden die Folgekosten von Verkehrsunfällen mit 41 Prozent den größten Block an Folgekosten des Verkehrs. 21 Prozent der Kosten verursachen vor- und nachgelagerte Prozesse in der Automobilproduktion, was auch die Stromproduktion umfasst. Es folgen Klimakosten (18 Prozent) und Folgen für Natur und Landschaft (9 Prozent).

Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland

Gerade diese Klimakosten sind es, die sich auch auf nachfolgende Generationen auswirken können. Denn hier geht es darum, die Kosten in Folge der Emission von Treibhausgasen und die daraus resultierenden Klimaveränderungen zu berechnen. In punkto Luftverschmutzung gehen auch etwaige Verluste der Biodiversität ein - auch diese Folgen werden an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Auch das Umweltbundesamt hat die Umweltbelastungen durch den Verkehr im Auge. So stellten die dortigen Forscher fest, dass über 38 Prozent der Emissionen von Stickstoffoxiden auf den Verkehr zurückgehen - insbesondere den motorisierten Straßenverkehr. Das belaste die Luft vor allem in Ballungsräumen. Ein Viertel des primären Stromverbrauchs geht laut Umweltbundesamt auf den Verkehrssektor zurück, der Personenverkehr verschlinge rund 70 Prozent dieser Energie. Auch die hohe Lärmbelastung listet das Amt unter den Belastungen durch den Verkehr auf.

VCD: Umweltschädliche Subventionen abschaffen

"Die Studie zeigt, wo die Schieflage herrscht", sagte auch der verkehrspolitische Sprecher, Michael Müller-Görnert vom Umweltverband Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Fast alle Kosten und Belastungen entstehen auf der Straße." Der VCD fordert ein deutliches Umsteuern: Mehr Investitionen in die Bahn-Infrastruktur und den Ausbau von Fahrrad- und Fußwegen in den Städten. Zudem müsse man das Steuer- und Abgabesystem umstellen. "Die Hälfte aller umweltschädlichen Subventionen entsteht im Straßen- und Flugverkehr", sagte Müller-Görnert.

Er verwies darauf, dass Flugbenzin von der Mineralösteuer befreit sei, Diesel-Kraftstoffe von einem vergünstigten Steuertarif profitierten und das sogenannte Dienstwagenprivileg es Unternehmen ermögliche, die Anschaffung eines Autos steuerlich abzusetzen.

Kosten pro Kilometer auf Straße ebenfalls hoch

Die neue Studie des auf nachhaltige Entwicklung spezialisierten Beratungs- und Forschungsunternehmen Infras zeigt auch, dass nicht nur die Masse an motorisierten Fahrzeugen hohe Zusatzkosten erzeugt. Auch bei den Kosten pro Kilometer verursachten Pkw-Nutzer mit elf Cent pro Kilometer rund dreimal so hohe Kosten wie Bahnfahrer. "Die Studie ist eine Mahnung an die Politik, jetzt endlich beherzt die Verkehrswende anzupacken. Solange Straße nur Straße finanzieren darf, fließen etwa die Milliarden aus der Lkw-Maut nur in Straßenprojekte. So kann Deutschland den Neuanfang im Verkehr nicht schaffen", sagte Dirk Flege von der Allianz pro Schiene.

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