Sie sind hier:

Bildungsstudie - Stolz und Vorurteil: Marktwirtschaft in der Schule

Datum:

Deutschland rühmt und erfreut sich einer hervorragenden Wirtschaftslage - vermutlich zu Recht. Ist die Gesellschaft aber gut vorbereitet auf die zukünftigen Anforderungen im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft? Nein, sagen zwei Verbände.

Schüler im Teststress: Sie schreiben Klassenarbeiten, "VERA-, PISA-, TIMSS- und IGLU"-Tests. Mit den Ergebnissen der Vergleichsstudien sollen Bildungssysteme verbessert werden.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Es scheint ein Paradox zu sein, ein Widerspruch in sich: Deutschland feiert immer neue wirtschaftliche Erfolge, es scheint im Moment fast die beste aller Welten zu sein - kaum Inflation, ein leergefegter Arbeitsmarkt (was bedeutet: Vollbeschäftigung), eine innovative Wirtschaft, die offensichtlich eine Speerspitze Europas zu sein scheint. Gleichzeitig aber scheuen die Deutschen zurück vor dem Thema "Wirtschaft und Finanzen".

Uralte Stereotype in der Schule

Reinhard Schlieker
Reinhard Schlieker in der Frankfurter Börse Quelle: ZDF

Man fasst es nicht, man begreift es nicht: Woran liegt diese Scheu, wo doch der wirtschaftliche Erfolg des Landes seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine so wichtige Rolle in den Geschichtsbüchern spielt? Das Wohlergehen der Nation, das Ausbleiben von harten Konflikten beim Arbeitsmarkt, etwa verglichen mit Frankreich - all das sind doch wahrscheinlich Errungenschaften, die das Land voranbringen.

Eine neue Studie aber lässt Schlimmes befürchten. Als gäbe es zwei getrennte Welten, kommen in aktuellen Schulbüchern uralte Stereotype vor, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Es gibt zwar kein eigenes Schulfach "Wirtschaft", aber das Thema ist natürlich überall gegenwärtig - sei es in der Geschichte, der Geographie, oder der Sozialkunde.

Wir könnten schlauer sein

Die beiden Verbände "Familienunternehmer" und "Junge Familienunternehmer" haben die Sache unter die Lupe nehmen lassen. Die beauftragten Wissenschaftler fanden heraus, dass in den Schulbüchern die Persönlichkeit des Unternehmers eher vernachlässigt wird. Was die Autoren der Studie für nachteilig halten, denn in Deutschland sei die Dynamik des Unternehmers immerhin ein Wachstumsfaktor. Kaum zu glauben, aber noch immer kommt die Karikatur eines Unternehmers mit Melone und dicker Zigarre vor, dabei alt und männlich - dieses Zerrbild dürfte sich eigentlich erledigt haben, zumal in einer deutschen Verfassung der Sozialpartnerschaft.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis: Wir könnten schlauer sein, wir müssten es nur wollen. Merkwürdigerweise wird Globalisierung, von der wir gerade leben, vorwiegend als bedrohlich dargestellt. Die Soziale Marktwirtschaft erscheint eher als theoretisches Konstrukt. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis: Wenn es denn schon kein Fach "Wirtschaft“ in der Schule gibt, dann vielleicht etwas mehr Sorgfalt und Ausgewogenheit. In der Tat sprechen alle, insbesondere die Politik, vom mündigen Bürger und Verbraucher. Wo soll der junge Mensch, der eigene wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen hat, aber herkommen? Vom ersten eigenen Girokonto bis hin zur Mietwohnung scheinen jüngere Leute weitgehend allein gelassen zu werden. Warum das so ist - eines der ungelösten Rätsel der Menschheit.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.