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Studie - Vorurteile gegenüber Migranten lassen nach

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Die Bevölkerung in Deutschland blickt skeptisch auf Zuwanderung. Eine Studie sieht aber unter dem Strich eine robuste Willkommenskultur. Im Osten sind die Vorbehalte größer.

Archiv: Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer am 24.09.2015 in Flensburg
Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer
Quelle: dpa

Unter der Bevölkerung in Deutschland halten sich ausgeprägte Vorbehalte gegen Migration, allerdings hat die Skepsis in den vergangenen Jahren leicht abgenommen. 52 Prozent der Befragten äußerten in einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Umfrage die Ansicht, dass es zu viel Einwanderung gebe.

Ungleichmäßige Verteilung - Junge Menschen offener

Die Vorbehalte waren aber nicht gleichmäßig verteilt: Junge Menschen zeigten sich offener. Die Skepsis war zudem im Osten höher als im Westen. Die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, stieg im Vergleich zu einer ähnlichen Umfrage vor zwei Jahren leicht an. 49 Prozent gaben nun an, Deutschland könne keine weiteren Flüchtlingen mehr aufnehmen, weil die Belastungsgrenzen erreicht seien. Im Jahr 2017 lag dieser Anteil noch bei 54 Prozent - im Jahr 2015 aber mit 40 Prozent auch deutlich niedriger.

Dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen könne, meinen aktuell 37 Prozent. Viele Menschen sehen der Studie zufolge auch positive Seiten der Migration: 67 Prozent stimmten der Aussage zu, das Leben werde durch Migration interessanter. Zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten gaben an, Zuwanderung habe einen positiven Effekt auf die Wirtschaft. Ebenfalls rund zwei Drittel (64 Prozent) sehen darin ein Mittel gegen die Überalterung der Gesellschaft.

Zuwanderung gegen Fachkräftemangel

Zudem meinen 41 Prozent der Befragten, Einwanderung sei nötig, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil nur bei 33 Prozent. Zugleich bewegt die Furcht vor negativen Folgen die Menschen. Belastungen für den Sozialstaat durch Migration sehen 71 Prozent der Befragten, Konflikte zwischen Einwanderern und Einheimischen 69 Prozent, Probleme in Schulen 64 Prozent.

Die Studie zeigt zudem klare Unterschiede zwischen Jung und Alt beziehungsweise Ost und West, was die Haltung zur Migration betrifft. Jüngere Menschen bewerten sie deutlich positiver. "Die Willkommenskultur in Deutschland ist jung", heißt es in der Studie. Die Gruppe der unter 30-Jährigen unterscheide sich in ihren Einschätzungen und Wahrnehmungen deutlich von älteren Jahrgängen. Die Untersuchung beleuchtet auch deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. So meinten beispielsweise 83 Prozent der Befragten im Osten, Migration belaste den Sozialstaat. Im Westen lag der Anteil bei lediglich 68 Prozent.

"Chancen für alternde Gesellschaft"

Der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, wertete die Umfrageergebnisse als Zeichen dafür, dass Deutschland "den Stresstest der Fluchtzuwanderung" ab 2015 gut gemeistert habe und sich als "pragmatisches Einwanderungsland" stabilisiere. "Die Bevölkerung hat die Herausforderungen von Migration klar vor Augen, sieht aber auch die Chancen für eine alternde Gesellschaft", erklärte Dräger. Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Kantar-Emnid 2024 Menschen ab 14 Jahren.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sieht die Politik der Regierung durch die Studie bestätigt: "Die Richtung stimmt und macht Mut", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Einwanderung werde "immer stärker als Chance gesehen - vor allem bei jungen Menschen".

Erinnerung an gefühlten Kontrollverlust

Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) wies darauf hin, dass der Blick auf die Themen Flucht und Asyl maßgeblich von den Ereignissen der Jahre 2015 und 2016 geprägt sei, als besonders viele Migranten nach Deutschland kamen. "Die Ohnmacht und die Überforderung, mit denen der Bund, die Länder und viele Kommunen in dieser Zeit agierten, hat sich bei vielen Menschen als Kontrollverlust eingeprägt", sagte Köpping dem RND. Sie kandidiert gemeinsam mit dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius für den SPD-Vorsitz.

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