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Studie zum Medienvertrauen - "Die Lügenpresse-Hysterie ebbt ab"

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Die Deutschen vertrauen den Medien wieder stärker – laut einer Studie der Uni Mainz. Trotzdem sei die "Entfremdung" groß, erklärt Forscher Tanjev Schultz im heute.de-Interview.

Deutsche vertrauen wieder stärker in die Medien. Zu dem Ergebnis kommt eine repräsentative Langzeit-Studie der Uni Mainz. Eine Entfremdung von Medien gebe es trotzdem.

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heute.de: Das Medienvertrauen steigt, die "Lügenpresse-Hysterie" ebbt ab: Zu diesem Befund kommt ein Forscherteam der Uni Mainz, zu dem Sie gehören. Worauf stützen Sie Ihre Ergebnisse?

Tanjev Schultz: Die Ergebnisse basieren auf einer aktuellen, repräsentativen Telefonumfrage unter 1.200 zufällig ausgewählten Erwachsenen im ganzen Bundesgebiet. Dabei kam heraus, dass sich nur noch 13 Prozent der Bürger systematisch von den Medien belogen fühlen. Im Jahr zuvor waren es noch fast 20 Prozent. Da hatten wir aber schon erste Anzeichen dafür, dass die Lügenpresse-Hysterie nach ihrem Höhepunkt 2015 wieder abebbt. Dieser Trend scheint sich jetzt zu verfestigen.  

Grafik zum Vertrauen in die Medien
Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2018

heute.de: Dabei ist der von US-Präsident Donald Trump so gern benutzte Begriff "Fake News" auch in Deutschland zum geflügelten Wort geworden …  

Schultz: Ja, Trump hat den Begriff international bekannt gemacht. In Deutschland stellen wir aber fest, dass viele der besonneneren Menschen sagen: In den Medien ist sicherlich nicht immer alles richtig, aber der Vorwurf des systematischen Lugs und Trugs ist auch falsch. Immerhin 42 Prozent der Menschen vertrauen den etablierten Medien in wichtigen Fragen, 41 Prozent zum Teil und nur 17 Prozent gar nicht. Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir auch da einen positiven Trend.

heute.de: Sie konstatieren in der Studie einerseits ein steigendes Vertrauen in die Medien, andererseits aber eine "Entfremdung" zwischen Medien und Publikum. Wie passt das zusammen?

Schultz: Wir wollen nichts schönfärben. Es ist nicht so, dass alle Menschen hochzufrieden sind mit unserer etablierten Medienlandschaft. Sondern es gibt bei mehr Leuten als nur jenen, die über die Lügenpresse schimpfen, den Eindruck, dass das, was sie persönlich denken und was sie in ihrem Umfeld wahrnehmen, nicht widergespiegelt wird in den Medien.

heute.de: Das führt dann zu Entfremdung?

Schultz: Ja, und deshalb ist es wichtig, was manche Medien jetzt versuchen: Sich stärker allen Milieus und auch den Nöten des Publikums zuzuwenden und nicht als abgehobene Journalistenklasse zu agieren. Die Medien müssen genau darauf achten, dass sie als Institution nicht als weltfremde Elite wahrgenommen werden und es dann bei den Leuten heißt: "Themen, die mir wichtig sind, werden von den Medien gar nicht ernstgenommen."

Grafik zu Entfremdung
Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2018

heute.de: Gleichzeitig machen Sie aber auch lückenhaftes Medienwissen mit dafür verantwortlich, dass vielen Menschen den Medien misstrauen. Wo liegen die Wissenslücken?

Schultz: Ein Beispiel: In Deutschland kann im Prinzip jeder Journalist werden – jedenfalls mischt sich der Staat da nicht ein. Elf Prozent der Befragten glauben das aber nicht. Genauso viele glauben, dass Journalisten ihre Berichte vor der Veröffentlichung von Behörden prüfen lassen müssten, dass es also eine Zensur gäbe. Auch das ist falsch. Wir können feststellen, dass Menschen, die keine Idee haben, wie die Medien funktionieren, sehr viel weniger Vertrauen haben in die Medien als andere Gruppen.

heute.de: Der Studie zufolge haben klassische Medien eine relativ stabile Vertrauensbasis in Deutschland, wohingegen es ein stark wachsendes Misstrauen gegenüber Internetangeboten gibt. Was treibt diesen Trend?

Schultz: Den meisten Menschen ist erstens offenbar bewusst, dass in den klassischen Medien Journalisten arbeiten, die eine Sorgfaltspflicht haben und deshalb darauf achten müssen, dass sie keine Gerüchte verbreiten. Zweitens gibt es inzwischen offensichtlich ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass es im Internet neben seriösen Quellen auch viele zwielichtige gibt.

heute.de: Ihre Studienergebnisse werden nun auch im Internet publik und dort wohl vielfach kommentiert. Sind Sie ein wenig nervös?

Schultz: Nein, wir haben ja keine "Fake News" produziert. Unsere Forschung ist unabhängig. Klar gibt es immer einige Leute, die zu allen möglichen Themen mit sehr scharfen Kommentaren bis hin zu Hasskommentaren reagieren. Ich rechne aber nicht mit einem riesigen Shitstorm, wir betreiben hier ja schlicht Wissenschaft.

Grafik zu Hasskommentaren
Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2018

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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