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Covestro ersetzt ProSiebenSat1 - Stühlerücken im DAX

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ProSiebenSat1 muss den DAX verlassen - den Aktienindex der 30 wichtigsten Börsenkonzerne Deutschlands. Den leeren Platz nimmt ein Unternehmen mit raketenhaftem Aufstieg ein.

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse
Covestro steigt in die erste Liga der Deutschen Börse auf. Quelle: MEV

Während am gestrigen Abend bei ProSieben standesgemäß genau sieben Folgen von "The Big Bang Theory" hintereinander über die Mattscheibe flimmerten, veröffentlichte in Eschborn bei Frankfurt ein kleiner Arbeitskreis der Deutschen Börse das Ergebnis seiner Beratungen. Thema war nicht der Urknall, sondern die Geschichte eines Falls. Der Fall des Aktienkurses nämlich von ProSiebenSat1.

Die Entscheidung fiel dann gegen 22 Uhr - gegen ProSiebenSat1. Es geht um die Zugehörigkeit des Medienkonzerns zum DAX - dem Börsenbarometer für die 30 wichtigsten Börsenkonzerne Deutschlands. Dem wird ProSiebenSat1 also ab 19. März nicht mehr angehören - dann nämlich treten die Änderungen in Kraft. "Ich finde das gut", sagt Robert Halver, Börsenhändler und Chefstratege von der Baader Bank. "Ich mag es, wenn der Index zyklisch geprägt ist. Und wenn Medienunternehmen hierzulande ein Schattendasein führen, ist es richtig, dass das an der Börse auch so abgebildet wird."

Covestro neu in der ersten Liga

Zyklisch meint in diesem Fall die Industrie, deren Auftragslage und wirtschaftliches Wohlergehen vom Konjunkturzyklus abhängt. Und in diesem Fall trägt der zyklische Aufsteiger in den DAX den Namen Covestro. Nie gehört? Das mag sein. Angefasst, berührt oder verwendet hat die Produkte aus dem Hause Covestro aber jeder schon. Denn das Unternehmen produziert Kunststoffe - wie etwa Schaumstoffe für Matratzen, Polstermöbel und Autositze; feste Kunststoffe, aus denen beispielsweise CDs hergestellt werden und andere Teile für die Elektronindustrie; oder auch Vorprodukte für die Lack- und Farbenindustrie. Kurz: Covestro produziert Stoffe, denen wir im Alltag überall und unausweichlich begegnen. Und die Nachfrage nach den Kunststoffen ist groß. "Wir haben eindrucksvolle Ergebnisse erreicht - und das in alle Regionen der Welt und in allen Industriezweigen", konnte kürzlich Covestro-Chef Patrick Thomas verkünden.

Die Zahlen sprechen für sich: Das Unternehmen aus Leverkusen hat das Jahr 2017 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen: Unter dem Strich hat der Kunststoffproduzent seine Gewinne auf zwei Milliarden Euro verdoppeln können. Covestro ist bislang eine Erfolgsstory - und das gilt auch für den Aufstieg an der Börse: 2015 hatte Bayer seine Kunststoffspatel in die Selbstständigkeit entlassen und an die Börse gebracht. Seither hat sich der Börsenwert verdreifacht. Dabei spielt Glück bei einem solch kometenhaften Aufstieg auch eine Rolle. "Covestro hat eine unvergleichliche Hausse miterlebt", meint Börsenhändler Oliver Roth von der Oddo Seydler Bank. "Das heißt: Richtig negativ war die Stimmung an der Börse nach dem Börsengang von Covestro nie." In diesem Fall ist das Glück aber offenbar mit den Tüchtigen, denn die Unternehmenszahlen stimmen.

"Dieser Aufstieg ist für jedes Management eines Unternehmens eine hohe Weihe", sagt Börsenhändler Robert Halver. Denn dem DAX-Club anzugehören bringt unbestreitbar Vorteile mit sich. Das Dasein im DAX steigert die öffentliche Wahrnehmung eines Unternehmens. Das kommt einem quasi kostenlosen Werbeeffekt gleich und kann den Geschäften einen Schub verleihen. Zum anderen wirkt sich ein Aufstieg gewöhnlich auch positiv auf den Aktienkurs aus. Denn Fonds, die Indizes abbilden, sind dann verpflichtet, Aktien des Aufsteigers nachzukaufen und die des Absteigers abzustoßen. Schlechte Nachrichten also für ProSiebenSat1 und deren Anleger.

Glauben an Fernsehwerbung als Knackpunkt

Im vergangenen Jahr war der Kurs von ProSiebenSat1 unter Druck geraten. Analysten bekamen zunehmend Zweifel, ob der Medienkonzern seine Werbe-Ziele erreichen kann. Fernsehwerbung leidet grundsätzlich unter der Tatsache, dass mehr und mehr Nutzer Serien und Filme auf Internetplattformen streamen, statt das reguläre Fernsehprogramm zu schauen. Zuletzt am Montag hat ein Analyst wieder in diese Kerbe gehauen und damit den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt.

Änderungen an der Börse

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