Sie sind hier:

Sturmtief "Friederike" - Orkan: Tote und Bahn-Chaos

Datum:

Wintersturm "Friederike" ist mit Wucht über Deutschland gefegt. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Die Bahn stellte den Fernverkehr ein - am Freitag soll er wieder anrollen.

Mehrere Tote in Deutschland, ein kompletter Stopp des Fernverkehrs auf allen Bahnstrecken und zahlreiche Schäden - das sind nur einige Folgen von Winterstum "Friederike".

Beitragslänge:
4 min
Datum:


Im Sturm "Friederike" kamen bis zum Abend bundesweit mindestens fünf Menschen ums Leben. In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus. Mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge. Im Norden machte zudem regional Schneeglätte Autofahrern zu schaffen.

Das Tief, das von Westen her über Deutschland fegte, war dem Deutschen Wetterdienst zufolge der schwerste Sturm seit dem Jahr 2007. Auf dem Brocken seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometer gemessen worden. "Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse", sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich. Im Tiefland wurden ebenfalls hohe Spitzen-Windgeschwindigkeiten erreichte. So stellte der DWD fast 138 km/h im thüringischen Gera fest, 134 Kilometer pro Stunde wurden im nordhessischen Frankenberg erreicht. Im Westen Deutschlands wurde am Nachmittag jedoch die Orkanwarnung wieder aufgehoben, nachdem der Sturm durchgezogen war.

Mehrere Tote

Im nordrhein-westfälischen Sundern starb ein Feuerwehrmann während eines Einsatzes wegen des Sturms, wie der Regierungsbezirk Arnsberg bestätigte. Auch in Bad Salzungen in Thüringen kam ein Feuerwehrmann ums Leben. Er wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen. Sein Kollege wurde schwer verletzt. Auf einem Campingplatz am Niederrhein bei Emmerich wurde ein 59-Jähriger ebenfalls von einem Baum erschlagen. In einer Sturmböe verlor im westfälischen Lippstadt ein 68-Jähriger bei einem Verkehrsunfall sein Leben. Der Transporterfahrer hatte im Orkan die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in den Gegenverkehr geraten. Im Süden Brandenburgs kam bei einem Unfall wegen einer Sturmböe ein Lastwagenfahrer ums Leben. Das Fahrzeug war auf der Autobahn 13 bei Ortrand in die Mittelleitplanke geprallt und umgestürzt. Es gab zudem zahlreiche Verletzte.

In vielen Städten riefen die Behörden die Menschen dazu auf, in Gebäuden zu bleiben. Wochenmärkte wurden abgesagt, Parks und Zoos geschlossen. In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus oder wurde früher beendet. Allein die Stadt Köln meldete bis zum Nachmittag mehr als 600 Sturmeinsätze.

Bahn: Kommen schlichtweg nicht mehr durch

Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr am Nachmittag bundesweit ein. Züge blieben in den Abfahrtsbahnhöfen stehen oder wurden in Bahnhöfen auf ihrem Weg gestoppt. Vielerorts saßen gestrandete Passagiere an den Bahnhöfen fest. Teilweise wurden Hotelzüge bereitgestellt.

"Das ist eine notwendige Sicherheitsmaßnahmen, weil die Störungen durch den Sturm doch so gravierend sind, dass wir Fernzüge schlichtweg nicht mehr durchbekommen", verteidigte Bahnsprecher Achim Stauß den Stopp der Verbindungen. Er fügte hinzu: "Es wäre fahrlässig, die Züge irgendwo, wo man noch fahren kann, noch fahren zu lassen und dann bleiben Hunderte Fahrgäste auf irgendeinem Bahnhof oder schlimmstenfalls auf freier Strecke hängen. Diese Situation müssen wir vermeiden und deshalb diese harte Entscheidung, den Fernverkehr komplett in Deutschland einzustellen."

Kritik vom Fahrgastverband

In zehn Fernbahnhöfen richtete die Bahn sogenannte Aufenthaltszüge ein, in denen gestrandete Reisende zur Not auch übernachten können.Der Fahrgastverband Pro Bahn reagierte mit Kritik. Der Aufenthalt in Hotelzügen sei zwar besser, als unterwegs zu stranden, sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. "Aber wenn ich weiß, dass die Strecke noch frei ist, sollte ich versuchen, die Leute noch nach Hause zu bringen. Das kann man mit reduzierter Geschwindigkeit machen."

Etwa 250 Reisende saßen längere Zeit in einem ICE in Südniedersachsen fest, der in einen umgestürzten Baum gefahren war. Die Passagiere sollten auf freier Strecke über Stege in einen anderen Zug umsteigen, der auf dem benachbarten Gleis halten soll. Der ICE war auf dem Weg von Hamburg nach Stuttgart gewesen.

Am Freitagmorgen soll der Fernverkehr wieder anrollen. Jedoch sind in einigen Regionen weiter Einschränkungen zu erwarten. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, so die Bahn am Donnerstagabend. "Im Süden Deutschlands verkehren bereits ab dem Morgen die Züge weitgehend normal", hieß es in der Mitteilung weiter. "Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden. Wir erwarten, dass bereits im Laufe des Vormittags alle Metropolen Deutschlands - mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein werden. Für das Wochenende erwarten wir einen weitgehend normalen Verkehr."

Überall Chaos

Der Flughafen Köln/Bonn unterbrach am Mittag für etwa anderthalb Stunden den Betrieb, es gab keine Starts und Landungen mehr. Am Flughafen Düsseldorf wurden nach Angaben des Betreibers etliche Flüge gestrichen. Auch an anderen deutschen Flughäfen gab es Streichungen, etwa weil Ankünfte aus den Niederlanden wegen des Unwetters ausfielen. Auf vielen Straßen kam es zu Verkehrsbehinderungen. In Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Hessen mussten wegen umgestürzter Lastwagen mehrere Brücken und Autobahnabschnitte gesperrt werden.

In Pößneck in Thüringen wurde das Dach einer Schule abgerissen, in der sich noch Kinder befanden. Nach Angaben des Landratsamtes Saale-Orla-Kreis blieben bei dem Vorfall am Nachmittag alle Schüler unverletzt. Das Dach des Grundschulgebäudes landete auf dem Schulhof. Vielerorts wurden Schulen ebenso geschlossen wie Zoos und einige Museen. Allein in Nordrhein-Westfalen mussten Feuerwehr- und Rettungsdienste laut Innenministerium bis zum Nachmittag zu mindestens 7.000 Einsätzen ausrücken, Straßen freiräumen, Bäume beseitigen und Gebäude sowie demolierte Oberleitungen sichern. In Ostdeutschland waren zeitweise bis zu 140.000 Kunden ohne Strom, berichtete die Mitteldeutsche Energie AG in Chemnitz.

Viel Schnee im Norden

Probleme bereiteten vor allem die zahllosen entwurzelten Bäume. Behörden warnten auch vor herabstürzenden Dachziegeln. In Gladbeck im Ruhrgebiet wurde ein Kindergarten geräumt, weil eine Dachkuppel abzustürzen drohte. Der Möbelmarkt Ikea in Kaarst bei Düsseldorf wurde wegen Schäden an der Fassade geräumt. Donnerstag war exakt der elfte Jahrestag von "Kyrill". "Friederike" schlage "Kyrill", was die heftigste Böe angehe, hieß es. "Vor exakt elf Jahren gab es 202 km/h auf dem Wendelstein", erinnerte der DWD auf Twitter.

Vor allem im Norden brachten die Ausläufer des Sturmtiefs auch viel Schnee. In Hamburg erlitt ein 17-Jähriger lebensgefährliche Verletzungen, als ein dicker Ast laut Polizei unter der Schneelast brach und ihn am Kopf traf. In Lübeck kam der Verkehr in der Innenstadt wegen des Schneefalls teilweise zum Erliegen.

Auch in Deutschlands Nachbarländern wütete der heftige Sturm. In Belgien wurde eine Frau von einem Baum erschlagen. Zwei Menschen starben auch in den Niederlanden wegen umstürzender Bäume. Dort wurden auf Autobahnen und Fernstraßen durch den Sturm mehr als 60 Lastwagen umgeweht.


Schwere Stürme in Deutschland

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.