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Vorfälle im Golf von Oman - Mutmaßliche Angriffe: Druck auf Iran wächst

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Die USA und London sehen den Iran hinter den mutmaßlichen Angriffen im Golf von Oman. US-Präsident Trump wolle aber weiter verhandeln, sagt ZDF-Korrespondentin Britta Jäger.

Rauch steigt aus dem Öltanker "Front Altair" am 13.06.2019 auf
Rauch steigt aus dem Öltanker "Front Altair"
Quelle: ap

Nach den mutmaßlichen Attacken auf zwei Tanker im Golf von Oman herrscht weiter Rätselraten über die Hintergründe. Die USA hätten sich bereits festgelegt und sagten, der Beweis sei eindeutig und aussagekräftig, dass der Iran verantwortlich sei, berichtet ZDF-Korrespondentin Britta Jäger. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag in einem Interview mit dem Sender Fox News gesagt: "Der Iran hat es getan."

Druck auf Iran: Trump hat "nicht mehr so viele Möglichkeiten"

Auf der anderen Seite habe Trump wieder Verhandlungen angeboten und gesagt, dass der Iran in den vergangenen Wochen seine Terroraktivitäten zurückgefahren habe. Das stehe in eindeutigem Widerspruch zu dem, was sein Außenminister vorher gesagt habe. "Ich glaube nicht, dass das eine Taktik ist", sagt Jäger. Trump müsse sich jetzt sehr genau überlegen, wie er vorgehe. "Denn er hat gesagt, er möchte auf gar keinen Fall einen Krieg." Aber es gebe auch nicht mehr so viele Möglichkeiten, Iran jetzt wirklich unter Druck zu setzen. "Die USA haben den Iran schwer beschädigt mit Wirtschaftssanktionen. Der Iran leidet. Aber diese Daumenschraube kann man eben auch nicht unendlich weit drehen. Und der Iran ist auch ein Land, das nicht dafür bekannt ist, dass es unter Druck nachgibt," betont Jäger.

London sieht Teheran verantwortlich

Auch Großbritannien machte den Iran für die Angriffe verantwortlich. Teheran stecke nach Einschätzung seiner Regierung mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" hinter den Attacken, erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt. Beweise legte aber auch Hunt nicht vor.

Pentagon will weitere Beweise vorlegen

Unterdessen stellte der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan in Aussicht, die US-Regierung wolle bald weitere Belege für ihre Einschätzung veröffentlichen, um international Konsens in der Frage herzustellen. Mehrere andere Staaten und internationale Organisationen hielten sich dagegen mit Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück und forderten eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Der Iran wies jede Schuld von sich.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Die "Front Altair" geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtet von zwei Detonationen. Die genauen Umstände blieben zunächst aber unklar.

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. An den Märkten herrschte Unsicherheit angesichts der Krise.

Iran weist Vorwürfe zurück

Auch Saudi-Arabien verurteilte die mutmaßlichen Angriffe und sprach von "Terroroperationen". Das sunnitische Königreich betrachtet den schiitischen Iran als Erzfeind und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber der Regierung. Riad wirft Teheran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Der Iran wies die Anschuldigungen scharf zurück. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere, hieß es aus dem Außenministerium in Teheran. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA vor, die Vorfälle als Vorwand zu nehmen. "Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt ... damit ist klar, dass das amerikanische B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat", schrieb Sarif auf Twitter.

Mit dem B-Team meint Sarif die Mannschaft von US-Sicherheitsberater John Bolton, der nach Ansicht Teherans einen Regimewechsel im Iran plant und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. Schon zuvor hatte der Iran angedeutet, dass die USA und ihre Alliierten selber für die Angriffe verantwortlich sein könnten und sie nun Teheran in die Schuhe schieben wollten.

EU bleibt zurückhaltend

Die US-Regierung hatte am Donnerstag zur Untermauerung der Vorwürfe gegen den Iran ein Video präsentiert. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot vom Typ "Gaschti" der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und die Besatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Tankerrumpf entfernt. Eine mögliche Erklärung wäre die Bergung des Sprengstoffes. Das Video soll die US-These einer iranischen Urheberschaft bestätigen, liefert tatsächlich jedoch keine klaren Belege. Von vielen Seiten kamen Warnungen vor voreiligen Schlüssen.

Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein EU-Beamter am Freitag in Brüssel. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich für unabhängige Untersuchungen aus. Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte - wie beispielsweise auch China - vor übereilten Reaktionen und forderte eine ernsthafte Untersuchung. Die UN-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

USA setzen Iran mit Sanktionen unter Druck

Bislang betont die US-Regierung, Ziel sei, den Iran durch diplomatische und wirtschaftliche Bemühungen zum Umsteuern zu bewegen.

Die US-Regierung war vor gut einem Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und versucht, das Land mit wuchtigen Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen, um eine neues, strengeres Abkommen auszuhandeln. Der Iran machte bislang aber keine Anstalten, sich dem Druck zu beugen.

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