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Firmen-Giganten - USA: Alle wollen Amazon

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Amazon ist der weltweit größte Onlinehhändler - nun will der Gigant ein zweites Hauptquartier bauen. Fünf Milliarden Dollar sollen investiert werden und 50.000 neue Jobs entstehen. Bürgermeister in den USA und Kanada überschlagen sich mit teilweise absurden Bewerbungsaktionen.

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Der Saguaro-Kaktus ist eine anpassungsfähige Pflanze. Seine Blüte ist die offizielle Staatsblume von Arizona. Bis zu zwölf Meter groß kann der Kaktus werden.

Das Exemplar, das an Amazon-Chef Jeff Bezos adressiert war, war allerdings nur halb so groß. Joe Snell, ein Geschäftsmann aus Tucson, Arizona hatte den stacheligen Riesenkaktus verschickt. "Der Saguaro repräsentiert die Menschen hier. Wie der Kaktus sind wir anpassungsfähig und beständig und wir wachsen.“ Deshalb sei Tucson der ideale Standort für das neue Amazon-Hauptquartier, lautet die Botschaft.

Bewerbungsvideo, Zeitungsanzeige, Kaktus

Der Bürgermeister der Stadt Danbury in Connecticut hat keinen Bewerbungs-Kaktus versandt, sondern ein Bewerbungs-Video produziert. "Ich bin stolzer Amazon Kunde", sagt er und zeigt auf einen Stapel Versandkartons in seinem Büro. Dann fragt er Alexa, Amazons virtuelle Shopping-Assistentin: "Wo soll Amazon sein zweites Hauptquartier bauen?" "In Danbury, Connecticut", antwortet die Computerstimme.

Die gleiche Idee zur gleichen Zeit hatte offenbar auch die Bürgermeisterin der Hauptstadt Washington. "Alexa, wo soll sich die interessanteste Firma der Welt ansiedeln?" "Natürlich in Washington D.C

Die Stadt Gary in Indiana versuchte es mit einer knapp 10.000 Dollar teuren Anzeige in der New York Times. "Es mag etwas weit hergeholt klingen, aber wie wäre es, wenn Amazon hierher nach Gary käme. Amazon hat schließlich auch mal ganz klein in einer Garage angefangen."

Studenten basteln an der besten Bewerbung

In Philadelphia brüten derweil die Studenten an der Wharton School of Business im Rahmen eines Semesterprojekts über das optimale Bewerbungskonzept. Die Stadt hat eine Delegation nach Seattle geschickt, "um sich besser in Mister Bezos´ Geisteshaltung und Firmenethos hineinversetzen zu können", erklärt die Leiterin der Bewerbungskampagne für Philadelphia.

Landesweit überschlagen sich Bürgermeister mit Bewerbungen. Alle wollen Amazon - kein Wunder: Der Online-Versandhändler verspricht am neuen Standort 50.000 Jobs zu schaffen. Bis zum 19. Oktober haben Städte Zeit, sich zu bewerben. Einige wenige Bedingungen muss der neue Standort erfüllen. Er sollte in der Nähe eines internationalen Flughafens liegen und es werden bis 2019 mindestens 47.000 Quadratmeter Gewerbefläche gebraucht.

Wohltätigkeitsbasar für Unternehmen

"Warum machen sie alle bei diesem Affenzirkus mit?", fragt Matthew Gardner, leitender Wissenschaftler am Institute on Taxation and Economic Policy, einem überparteilichen Think Tank. In seinen Augen gewinnt nicht der neue Standort, sondern ausschließlich Amazon. "Amazon erwartet selbstverständlich Gegenleistungen für die Ansiedlung." Für jeden neuen Job zahle am Ende die Stadt - in Form von Steuererleichterungen.

"Wohltätigkeitsbasar für Unternehmen", nennt Art Rolnick, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität von Minnesota, das Finanzierungsmodell. Städte, die sich um die Ansiedlung von Sport-Stadien oder Firmenzentralen bewerben, würden schlicht erpresst. Wer am meisten Subventionen verspricht, bekommt den Zuschlag.

Tatsächlich hat Amazon laut einer Studie des Instituts for Local Self-Reliance zwischen 2005 und 2014 mindestens 613 Millionen Dollar staatliche Zuschüsse für den Bau von Lagerhäusern in verschiedenen US-Bundesstaaten erhalten. Mehr als die Hälfte der 77 Amazon-Standorte seien durch Steuergelder subventioniert worden.

Kanada: Standortvorteil Einwanderungspolitik

Solche kritischen Rechenmodelle halten allerdings bislang keinen Bürgermeister davon ab, Amazon in seine Stadt zu locken. Selbst Kanada bietet mit. "Es ist wie in der Realtity TV Show 'Amazing Race'", meint Jim Watson, der Bürgermeister von Ottawa im Interview mit der New York Times. "Die komplette Besatzung rennt Richtung Heiliger Gral."

Ottawa rechnet sich als kanadische Stadt gute Chancen aus. "Amazon hat derzeit Problem, 9.000 High Tech Jobs zu besetzen", erklärt Watson. Schuld daran ist auch die restriktive Visapolitik Präsident Trumps. "Wir haben in Kanada den entscheidenden Vorteil, dass unsere Einwanderungspolitik viel liberaler ist als die der USA."

Wer macht das Rennen?

Wer am Ende das Rennen macht und Amazon ein neues Zuhause bauen darf, ist noch längst nicht entschieden. Tucson, die Kaktus-Stadt, schätzt ihre Chancen im Bewerbungspoker weiterhin als sehr gut ein. Zwar hat die Amazon-Firmenzentrale in Seattle den Saguaro-Kaktus nach Tucson zurückgeschickt mit dem Hinweis, keine Geschenke annehmen zu dürfen. Via Twitter bedankte sich der Online-Händler aber höflich. "Damit haben wir unser Ziel erreicht, wir sind aufgefallen", jubelt der Tucsoner Geschäftsmann Snell. "Und wenn sich Amazon für uns entscheidet, können sie hier noch Millionen Kakteen sehen."

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