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"Religionsmonitor 2017" - Studie: Muslime in Deutschland besser integriert

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Muslime sind einer Studie zufolge immer besser in Deutschland integriert, vor allem am Arbeitsmarkt. Fast alle Muslime fühlen sich den Ergebnissen zufolge mit Deutschland verbunden. Zugleich müssen sie nach wie vor mit Vorbehalten kämpfen. Jeder fünfte Bürger möchte Muslime nicht als Nachbarn haben.

"Nicht mit uns - Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror". So lautet das Motto des Friedensmarschs durch Köln. Allerdings hat es wesentlich weniger Menschen angelockt als erwartet. Für Diskussionen sorgte die Absage des Islamverbands Ditib.

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Der am Donnerstag vorgestellte Religionsmonitor 2017 der Bertelsmann Stiftung räumt mit dem Vorurteil auf, dass muslimische Einwanderer nicht kompatibel seien mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Das Gegenteil ist der Fall: Die Integration der Muslime aus den verschiedensten Ländern ist "auf einem guten Weg" - trotz nach wie vor vorhandener Probleme. Spätestens die zweite Generation sei mehrheitlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Umfrage in fünf Ländern

Die Studie der Gütersloher Stiftung basiert auf Ende 2016 durchgeführten repräsentativen Umfragen in fünf europäischen Ländern: Neben Deutschland sind das Österreich, die Schweiz, Großbritannien und Frankreich. Allerdings wurden Flüchtlinge, die nach 2010 nach Europa gekommen sind, nicht einbezogen. Die Politikwissenschaftler Dirk Halm und Martina Sauer vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) werteten die Ergebnisse aus und verglichen die variierenden Länderresultate. Die Fragen bezogen sich auf vier Aspekte: die Erwerbsbeteiligung der Zuwanderer, ihr Bildungsniveau samt sprachlicher Kompetenz, ihre sozialen Beziehungen in die Mehrheitsgesellschaft und ihre emotionale Verbundenheit mit dem Aufnahmeland.

Deutschland punktet vor allem bei der Integration auf dem Arbeitsmarkt der bundesweit rund 4,7 Millionen Muslime, die 5,7 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Ihre Teilhabe am Erwerbsleben unterscheide sich nicht vom Bundesschnitt: Rund 60 Prozent arbeiteten in Voll- und 20 Prozent in Teilzeit. Die Arbeitslosenquote gleiche sich ebenfalls an - dank Arbeitskräftebedarf, kommunaler Job-Vermittlung und Sprachkursen. Ganz anders in Frankreich: Obwohl Muslime dort besser gebildet sind, ist dort ihr Anteil an den Arbeitslosen mit 14 Prozent fast doppelt so hoch wie der von Nichtmuslimen.

Schulbildung: Frankreich vor Deutschland

Mit Blick auf die Schulbildung sehen die Autoren Frankreich vor Deutschland. Das liege vor allem daran, dass Schüler im Nachbarland länger zusammen lernen und so Bildungsdefizite leichter ausgeglichen werden. Jedenfalls beenden in Deutschland 36 Prozent der muslimischen Zuwanderer ihre Schulkarriere vor Vollendung des 17. Lebensjahres. In Frankreich sind es nur 11 Prozent, weil dort länger gelernt wird.

Mit Blick auf die Sprache hält der Religionsmonitor fest, dass rund drei Viertel der in Deutschland geborenen Muslime mit Deutsch als erster Sprache aufwachsen - zum Teil gemeinsam mit der Sprache ihres Herkunftslandes. Rund ein Fünftel aller eingewanderten Muslime bezeichnen inzwischen Deutsch als ihre erste Sprache. Für ein Vorurteil halten es die Wissenschaftler, dass Muslime sich abschotten und Kontakte zu Nichtmuslimen meiden.

Die überwiegende Mehrheit der Muslime in den untersuchten Ländern gab an, in ihrer Freizeit (sehr) häufig Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu haben. Auch bekundeten die Befragten durchweg eine große Verbundenheit zur neuen Heimat - allerdings auch mit den Ländern, aus denen sie selbst, ihre Eltern oder Großeltern stammen.

"Fromme Muslime" haben es schwerer

Dennoch gilt es nach wie vor, Probleme zu bewältigen. Besonders schwer haben es nach der Befragung "fromme Muslime", die ihre Religion im Alltag leben wollen. Wer ein Kopftuch tragen oder seine Gebetspflicht fünfmal am Tag erfüllen will, hat es schwer in der Berufswelt - gerade auch in Deutschland. Praktizierende Muslime seien hier oft unter ihrer Qualifikation beschäftigt. Dass es auch anders gehen kann, zeige Großbritannien, wo Muslime wie Christen als Religionsgemeinschaft anerkannt seien und selbst Polizistinnen ihr Kopftuch zur Uniform tragen dürfen. Mit Blick auf Deutschland bekunden die Autoren, dass bei der rechtlichen Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften Nachholbedarf bestehe.

Obwohl die Integration insgesamt Fortschritte macht, haben große Teile der Bevölkerung Vorbehalte gegenüber den muslimischen Einwanderern. Besonders in Österreich. Hier gibt mehr als jeder vierte Bürger an, er wünsche sich keine Muslime als Nachbarn. In Deutschland sind es "nur" 19 Prozent.

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