Was bleibt von Mandelas Vision?

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Südafrika nach der Apartheid - Was bleibt von Mandelas Vision?

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Vor 25 Jahren endet die Apartheid in Südafrika. Wo steht das Land heute? Haben Schwarze und Weiße gleiche Chancen? Welche Fortschritte wurden erzielt? Und: Wo hakt es noch?

Männer sortieren Plastikmüll in Kliptown (Soweto) am 27.02.2019
Laut Gesetz herrschen zwar Freiheit und Gleichheit: Doch in Townships wie Kliptown hat sich auch 25 Jahre nach der Apartheid kaum etwas geändert.
Quelle: reuters

Das Apartheid-Museum in Johannesburg, Südafrika, hat zwei Eingänge. Wer es besucht, wird mit dem Ticket als "Schwarz" oder "Weiß" klassifiziert - und muss den entsprechenden Eingang benutzen. Es ist ein beklemmendes Gefühl, hindurchzugehen, einsortiert in eine Schublade. Ein Hauch von Apartheid wird fühlbar - auch wenn dieser Hauch nichts mit dem unbeschreiblichen Leid zu tun hat, das Schwarze damals in Südafrika erlitten.

Vor 25 Jahren endete die Apartheid. Auf dem Freedom-Charta-Platz in Kliptown, Soweto, nahm der Traum von der Regenbogennation in Südafrika schon 1955 Gestalt an. Tausende Menschen verabschiedeten dort damals die "Freiheits-Charta". Sie beginnt mit den Worten:

Südafrika gehört allen, die darin leben, Schwarz und Weiß. Keine Regierung hat Anspruch auf Autorität, die nicht auf dem Willen des ganzen Volkes ruht.
Freiheits-Charta

Nelson Mandela beschrieb die Freiheits-Charta so: "Die Freiheits-Charta ist ein kompromissloser, vernichtender Angriff auf alle Formen rassischer Unterdrückung. Sie verlangt ausdrücklich die Errichtung einer Demokratie ohne Rassenschranken in diesem Land. Und sie proklamiert Grundrechte, die allen Bürgern zustehen, unabhängig von ihrer Hautfarbe."

Archiv: Nelson Mandela
Nelson Mandela
Quelle: reuters

Kliptown bis heute eines der ärmsten Townships

Damals blieb es ein Traum. Kliptown selbst ist bis heute eines der ärmsten Townships in Soweto. Laut Gesetz herrschen zwar Freiheit und Gleichheit, doch wirtschaftlich hat sich für die Menschen hier auch 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid kaum etwas geändert. Viele fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen.

"Die Regierung hat in Kliptown versagt", sagt etwa Samantha Dube. "Hier hat alles angefangen. Kliptown gab es lange vor der Freiheits-Charta. In der Charta heißt es, die Menschen sollen Häuser haben. Aber hier, wo die Charta verabschiedet wurde, haben wir noch immer keine Häuser."

Vusumuzi Ngcobo beklagt eine "riesige" Arbeitslosigkeit, "es gibt viele Teenager-Schwangerschaften. Wir haben viele Probleme mit der Infrastruktur. Da drüben, auf der anderen Seite der Schienen sind die Wellblechhütten, wenn es regnet, kommt das Wasser in unsere Häuser." Das "neue" Südafrika, das man ihnen vor 25 Jahren versprach, existiert für die Menschen in Kliptown gar nicht.

Manche haben ihre Chance ergriffen - so wie Seponono Kekana

Anders bei Seponono Kekana, sie hat ihre Chance ergriffen. Die 35-Jährige hat Ingenieurswesen studiert und ist Geschäftsführerin von "Sites-Afla“. Ihre Firma ist zuständig für die strukturelle Sicherheit von 80 Kilometern Zugstrecke zwischen Johannesburg und Pretoria. Sie profitierte vom Black Economic Empowerment, einem Regierungsprogramm, das gezielt Schwarze fördert - von der Ausbildung bis hin zum Anteilseigner. Ihre Karriere, als Frau und vor allem als Schwarze, wäre zu Zeiten der Apartheid undenkbar gewesen. Vieles habe sich geändert, sagt Kekana, aber eine echte Gleichberechtigung gebe es noch nicht, schon gar nicht in ihrer Branche. "In einigen Arbeitsbereichen ist es sehr schwierig überhaupt reinzukommen, es gibt immer noch Barrieren, es ist eine Clique, ein Männer-Verein, in diesem Fall von weißen Männern."

Es gibt immer noch Barrieren, es ist eine Clique, ein Männer-Verein, in diesem Fall von weißen Männern.
Seponono Kekana, Geschäftsfrau

Seponono Kekana hat sich durchgekämpft, mit vieler harter Arbeit und Unterstützung durch den Staat. "Mein Erfolg beruht auf der Ausbildung, dich ich bekommen habe", sagt sie. Von ihrem Balkon in Johannesburg blickt sie in der Ferne auf eine Wellblechsiedlung. "Es hätte auch passieren können, dass ich zu den Menschen gehöre, die dort leben."
In kaum einem anderen Land ist die soziale Ungleichheit zwischen Hautfarben und gesellschaftlichen Klassen so groß und ausgeprägt wie in Südafrika. Es ist das Erbe der Apartheid. Der Traum von der Regenbogennation, mit gleichen Chancen für alle, hat sich noch nicht erfüllt.

Sandra Theiß ist leitet das ZDF-Studios in Johannesburg.

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