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Die Macht von Social Media - Wie ein Urlaubsvideo einen Boykott auslöste

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Es sieht aus wie ein Urlaubsvideo - bis nach wenigen Sekunden ein rassistisches Schimpfwort fällt: Wie ein Südafrikaner mit einem "Wetterbericht" Protest und Boykott auslöste.

So hat es sich der Chef eines Familienbetriebs sicher nicht vorgestellt. Er teilte ein rassistisches Video, dieses landete im Internet - und die Netzgemeinschaft stellt sich gegen ihn.

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Adam Catzavelos filmt sich selbst am Strand in Griechenland. Er ist ein weißer Südafrikaner und macht Urlaub in Europa. Einen Wetterbericht gebe er, so sagt er, und beschreibt den Himmel, das Meer und plötzlich, fast schon beiläufig, sagt er "und kein Kaffir in Sicht". Das sei der "Himmel auf Erden". "Kaffir" ist in Südafrika das schlimmste rassistische Schimpfwort, das man verwenden kann. Es wurde zu Zeiten der Apartheid benutzt, um Schwarze zu erniedrigen und zu demütigen.

Sturm der Empörung

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte Catzavelos das Video nie publizieren wollen, er verschickte es offenbar an einige Freunde, von denen er glaubte, dass sie genauso denken wie er. Doch mindestens einer davon schickte das Video weiter. Wer es am Ende ins Netz stellte, ist bis heute unklar. Das Video ging innerhalb kürzester Zeit viral und löste einen Sturm der Empörung aus.

Das Video ging am Abend online, als viele bereits schliefen, trotzdem gab es nachts um zwei Uhr bereits 7.000 Tweets. Innerhalb kürzester Zeit recherchierten Twitter-User die Identität von Catzavelos, posteten unter anderem Privatadresse und Geschäftskontakte und riefen zum Boykott auf.

Virtuelle Jagd mit reellen Folgen

Catzavelos ist in der Lebensmittelbranche tätig. Verschiedene Firmen haben bereits ihre Verträge mit ihm aufgekündigt, so wie die Firmengruppe "The Baron". In einer über Twitter durch das Unternehmen verbreiteten Erklärung heißt es, man habe eine Null-Toleranz-Politik bei Rassismus und werde sich einen anderen Zulieferer suchen. Auch die Schule in Johannesburg, auf die seine Kinder gehen, reagierte. Sie erklärte öffentlich, dass Catzavelos das Schulgelände nicht mehr betreten dürfe.

Die Auswirkungen des Videos seien einmalig, sagt Social-Media-Expertin Yavi Madurai: "Es ist das erste Mal, dass die Reaktionen und die Art, wie damit umgegangen wurde, ausschließlich durch die öffentliche Meinung gesteuert wurden - es gab bisher nicht einmal ein juristisches Verfahren. Trotzdem haben sich bereits Firmen von ihm und seinem Familienbetrieb distanziert - einzig durch die Macht der Menschen."

Catzavelos droht in Südafrika Gefängnis

Catzavelos ist offenbar noch nicht aus seinem Urlaub nach Südafrika zurückgekehrt. Ihm drohen auch juristische Konsequenzen - und die können erheblich sein. Das zeigt der Fall von Vicky Momberg. Sie wurde als erste Person in Südafrika zu einer Haftstrafe verurteilt, wegen der Verwendung rassistischer Sprache. 48-mal hatte sie innerhalb kurzer Zeit das K-Wort benutzt und unter anderem Polizisten rassistisch beschimpft. Sie bekam drei Jahre Haft. Momberg hat das Urteil angefochten, Ausgang offen.

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