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Pilotin gegen Widerstände - Südafrikas Überfliegerin

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Nur knapp sieben Prozent der Berufspiloten sind weiblich. Tumi Carter hat sich dennoch nicht von ihrem Traum abbringen lassen. Die Südafrikanerin kämpfte und ist Pilotin geworden.

Tumi Carter Katisi
Pilotin mit breitem Lächeln: Tumi Carter Katisi.
Quelle: Tumi Carter Katisi

Alle wollen Tumi Carter Katisi. Die erfolgreiche Südafrikanerin, die es trotz bescheidener Verhältnisse geschafft hat: Im September hat die 26-Jährige ihre Fluglizenz als Berufspilotin erhalten. Die junge Frau mit dem breiten Lachen ist in den vergangenen zwei Monaten eine kleine Berühmtheit in Südafrika geworden. Seitdem das Blog "Humans of New York" (HON) mit rund 18 Millionen Facebook-Abonnenten Katisis Geschichte gepostet hat, wird sie im Netz gefeiert. Der Beitrag bekam in sechs Wochen 81.000 Likes und wurde mehr als 3.000 Mal geteilt.

Es ist ein bisschen schwierig geworden, alles unter einen Hut zu bringen
Tumi Carter Katisi, Pilotin

Viele Medien in Südafrika und anderswo auf dem Kontinent haben über sie berichtet. "Es ist ein bisschen schwierig geworden, alles unter einen Hut zu bringen", sagt Katisi. Gerade macht sie ihren Ausbildungsschein als Pilotin an einer privaten Flugschule in Pretoria.

Was sich heute wie ein modernes Märchen über eine hochmotivierte begabte junge Frau liest, war lange harte Arbeit abseits gefeierter Posts in den sozialen Medien. In der zehnten Klasse entdeckte Tumi die Fliegerei bei einem Schulpraktikum am Flughafen. Am Anfang beeindruckten sie vor allem die Piloten. "Ich stellte fest, dass alle Piloten eine unglaubliche Haltung haben. Ihre Mützen waren in einem Regal aufgereiht. Ihre Sakkos hingen in einer Reihe. Da habe ich Feuer gefangen. Ich habe dann alle meine Ferien dort verbracht", erzählt Katisi.

Ausbildung mit Pausen und Spendensammlung

Nach dem Schulabschluss konnte ihre Mutter die Ausbildung zur Pilotin aber nicht voll bezahlen und Katisi musste immer wieder Pausen einlegen. Schließlich schrieb sie mehr als 100 Firmen an, um nach finanzieller Unterstützung zu fragen. Nur zwei antworteten. Ein Schweizer Unternehmen für Luxusuhren sendete ihr eine Uhr zur Verlosung. "Das war ein Durchbruch. Ich verkaufte 600 Lose. Alles lief so gut. Das 'African Pilot Magazine' machte kostenlos Werbung für meine Verlosung. Ein Australier kaufte 100 Lose. Aber dann bekam ich einen Brief von der Lotteriegesellschaft, die mich aufforderte, die Verlosung zu stoppen. Sie sagten, es sei illegal."

Tumi Carter Katisi
Superwoman: Katisi feiert ihre Lizenz als Berufspilotin.
Quelle: Tumi Carter Katisi

Katisis Geschichte hat trotzdem ein Happy End. Sie durfte schließlich das eingesammelte Geld behalten und fand weitere Sponsoren, um die Ausbildung zu beenden. Katisi ist nicht nur eine talentierte Pilotin mit mehreren Auszeichnungen, sondern auch eine gute Unternehmerin. Täglich postet sie Fotos und Videoclips, etwa von ihren Flügen als Charterpilotin oder mit Superwoman-T-Shirt unter der Uniform zum Bestehen ihrer Berufspilotenlizenz. 

Katisi hat sich zur Aufgabe gemacht, in Südafrika mehr Frauen in die Luftfahrt zu bringen und eine eigene Organisation mit zehn Mitstreitern gegründet. Sie informiert Schülerinnen über die Berufswelt und sucht bei Bedarf nach Stipendien für die Ausbildung.

Nur 4,2 Prozent der Verkehrspiloten weiblich

Die Branche wird immer noch von Männern dominiert, weltweit. Nach Informationen des internationalen Pilotenverbandes ALPA waren 2015 nur 6,6 Prozent der Berufspiloten weiblich. 4,2 Prozent waren es bei den Verkehrspiloten. Allerdings gibt sich der Verband vorsichtig optimistisch: In der Pilotenausbildung seien 2017 zwölf Prozent Frauen gewesen. Die deutsche Lufthansa Group gibt nach aktuellen Zahlen an, dass sechs Prozent ihrer Piloten weiblich seien und teilt die zuversichtliche Einschätzung der ALPA.

Die Situation in Südafrika, das sich noch immer mit den Konsequenzen des Apartheid-Regimes auseinandersetzen muss, ist komplex. Insbesondere nicht-weiße Südafrikaner haben es schwer, eine Hochschulausbildung zu bekommen. Oft gehören sie auch zur ärmeren Bevölkerung. Frauen werden laut dem Kinderhilfswerk Unicef darüber hinaus noch immer systematisch benachteiligt. Außerdem kämpfen sie mit dem Vorurteil, dass Frauen weniger geeignet für technisch-mathematische Berufe seien.

Traum von A380 und einer Landung in Frankfurt

"Es kommt darauf an, wie man auf Probleme schaut.
Tumi Carter Katisi

Katisi wirkt trotz ihres Erfolgs bescheiden, aber entschlossen. "Es kommt darauf an, wie man auf Probleme schaut. Ich habe die Herausforderung angenommen und mir Hilfe gesucht." Für ihre eigene Zukunft hat sie große Pläne: Katisi möchte als Kapitänin einen Airbus A380 fliegen, das größte Passagierflugzeug der Welt.

Obwohl Katisi Pilotin ist, hat sie Südafrika noch nie verlassen. Sie träumt davon, eines Tages den geschäftigen Flughafen von Frankfurt am Main anzufliegen.

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