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25 Jahre Demokratie in Südafrika - Ex-Präsident de Klerk: "Apartheid war falsch"

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Ex-Präsident Frederik Willem de Klerk hat Südafrika 1994 endgültig aus der Apartheid geführt. Im ZDF-Interview erinnert er sich an den Umbruch und warnt vor neuem Rassismus.

Am 27. April jährt sich das Ende der Apartheid zum 25. Mal. ZDF-Reporterin Sandra Theiß hatte Gelegenheit mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Frederik Willem de Klerk zurückzublicken.

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ZDF: Herr Präsident, existiert der Traum von der Regenbogennation noch?

Frederik Willem de Klerk: Nein, die Regenbogennation, der Traum von einer geeinten Nation, die ihrer Vielfalt standhält, existiert nicht, zumindest nicht in der Gesetzgebung und vor allem nicht in der Regierungspolitik. Auf der Straße, an den Wurzeln, existiert sie. Es gibt viel guten Willen zwischen weißen und schwarzen, farbigen und indischen Südafrikanern, aber der ist nicht auf Regierungsebene manifestiert.

Alles in der Regierungspolitik ist nach Rasse definiert. Arbeitgeber müssen eine bestimmte Anzahl von Schwarzen einstellen, es gibt Quoten für Sportteams, das widerspricht dem Geist des Nicht-Rassismus. Natürlich müssen Dinge getan werden, um das Unrecht der Vergangenheit auszugleichen. Ich bin nicht gegen Konzepte wie Black Economic Empowerment und Affirmative Action, aber es muss ausgewogen sein. Man darf die Werte nicht aus dem Fenster werfen. Es darf keine Art wissenschaftliches System sein, das auf einer Quote nach Rasse basiert. Das ist kein Nicht-Rassismus.

ZDF: Wie groß ist Rassismus heute in Südafrika, nimmt er zu?

De Klerk: Rassismus ist da, überall, es gibt ihn in Amerika, Deutschland, Großbritannien und auch in Südafrika. Es gibt schwarzen und weißen Rassismus in Südafrika, aber in beiden Fällen ist das eine Minderheit. Die überwiegende Mehrheit ist in ihrem Denken nicht rassistisch. Sie hat realisiert, dass wir zusammenarbeiten müssen, dass wir im selben Boot sitzen. Alles was dieses Boot beschädigt, führt dazu, dass wir alle sinken.

1990 wurde das Ende der Rassentrennung vom Präsidenten de Clerk verkündet, 4 Jahre später gab es dann die ersten freien Wahlen für alle Südafrikaner. Doch wie steht es um die Gleichberechtigung heute?

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ZDF: Die Vereinten Nationen haben Apartheid als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt, es folgten Sanktionen und Embargos. Welche Rolle hat das beim Zusammenbruch des Apartheid-Regimes gespielt?

De Klerk: Ich würde sagen, keine große Rolle. Der Wandel wurden von zwei Dingen angetrieben: Das eine war, dass wir in der internationalen Gemeinschaft immer mehr isoliert wurden und wir liefen in eine Situation, in der wir fast vollständig isoliert gewesen wären, aber das war nicht der antreibende Grund.

Es hat lange gedauert, bis ich das vollständig realisiert habe und zugegeben habe, dass es nicht zu rechtfertigen ist.

Der Hauptgrund war, dass unter der Führung der National Party mein Vorgänger und dann ich, weiße Südafrikaner, die alle Macht in den Händen hielten, entschieden haben, dass Apartheid falsch war. Wir mussten das aus Gründen der Gerechtigkeit ändern. Wir mussten mit der Apartheid vollständig brechen. Apartheid war falsch. Es hat lange gedauert, bis ich das vollständig realisiert habe und zugegeben habe, dass es nicht zu rechtfertigen ist - auch moralisch nicht.

ZDF: Wie war Mandela? Wie war es, mit ihm zu verhandeln?

De Klerk: Nelson Mandela war ein außergewöhnlicher Mann. Er war ein guter Zuhörer, wenn er sprach, mochte er es nicht, unterbrochen zu werden. Er war ein Mann für das große Bild, dachte entlang von Prinzipien, er war kein Opportunist. In diesem Sinne war er ein guter Gesprächspartner für die Verhandlungen.

Südafrikas Präsident De Klerk mit Nelson Mandela
Südafrikas Präsident De Klerk mit Nelson Mandela im September 1992. "am meisten bewundert habe ich das bemerkenswerte Fehlen von Bitterkeit nach 27 Jahren Gefängnis", sagt De Klerk heute.
Quelle: dpa

Er und auch ich waren in einer wichtigen Hinsicht erfolgreich: Wir konnten uns in die Lage des anderen hineinversetzen, um die Position des anderen zu verstehen. Ich musste bestimmte Dinge verstehen, wo der ANC keine Kompromisse eingehen konnte, Herr Mandela musste verstehen, bei welchen Dingen meine Partei keinen Kompromiss eingehen konnte. Die Herausforderung war, wie wir die scheinbar unvereinbaren Dinge miteinander verbinden und einen Kompromiss finden können.

ZDF: Was mochten Sie am meisten an Mandela?

De Klerk: Was ich an ihm am meisten mochte, war sein volles Bekenntnis zur Versöhnung, am meisten bewundert habe ich das bemerkenswerte Fehlen von Bitterkeit nach 27 Jahren Gefängnis. Ich mochte seinen Sinn für Humor und seine menschliche Wärme.

ZDF: Manche Weiße haben Sie als Verräter am eigenen Volk betrachtet. Hat sie das je gestört?

De Klerk: Selbst heute nennen mich manche Weiße einen Verräter, und sagen, ich hätte das Land verkauft. Sie gehören zu den 31 Prozent, die beim Referendum 1992 gegen die Reformen gestimmt haben. Ich habe deswegen keine schlaflosen Nächte.

Ich glaube, dass es, wenn wir nicht getan hätten, was wir getan haben, einen verheerenden Bürgerkrieg gegeben hätte.

Ich habe an das geglaubt, was ich tat, auch heute im Rückblick, all die großen Entscheidungen hätte ich mit dem Wissen von heute genauso getroffen. Ich glaube, dass es, wenn wir nicht getan hätten, was wir getan haben, einen verheerenden Bürgerkrieg gegeben hätte. Es hätte uns gehen können wie Syrien.

ZDF: Wenn Sie zurückblicken, gibt es etwas, dass Sie aus heutiger Sicht anders gemacht hätten?

De Klerk: Wenn ich zurückblicke auf all die großen Themen, bereue ich nichts. Ja, ich bedauere, dass wir nicht früher in unserer Geschichte von der Apartheid zu einem gerechteren System gewechselt haben, aber das ist eine eigene Geschichte, über die man ein ganzes Buch schreiben könnte: Darüber, warum es nicht schneller geklappt hat. Aber ich bedauere nichts, wenn ich auf mein Leben zurückblicke. Gott war gut zu mir, ich hatte wunderbare Möglichkeiten und ich mag den Gedanken daran zu glauben, dass ich diese Möglichkeiten grundsätzlich in einer positiven Weise genutzt habe.

Das Interview führte ZDF-Südafrika-Korrespondentin Sandra Theiß.

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