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Projekt für Suizidgefährdete - "Ein Gespräch kann Leben retten"

Datum:

Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland fast 600 Menschen unter 25 Jahren das Leben. Noch viel mehr versuchen es. Ein Online-Projekt der Caritas hilft Jugendlichen in Krisen.

Eine Frau sitzt traurig und zusammen gekauert in der Ecke.
Hunderte Jugendliche fühlen sich so allein gelassen, dass sie oft nur noch Suizid als Ausweg sehen. Das Caritas-Projekt U25 will helfen.
Quelle: colourbox

"Ich fühle mich furchtbar allein, keiner ist da mit dem ich reden kann." Diese Sätze liest Lukas oft. Der 20-Jährige ist ehrenamtlicher Helfer bei U25 in Berlin, einem Projekt der Caritas. Sie chatten online mit suizidgefährdeten Jugendlichen. Die sogenannten Peer-Berater sind zwischen 16 und 25 Jahren alt und damit im gleichen Alter wie die Betroffenen. Ganz wichtig: Alles bleibt anonym. So sind die Namen der Betroffenen und Berater in diesem Artikel nicht echt. Ihre Geschichten schon.

"Will ich so noch weiterleben?"

Illustration: Suizid
Wichtig bei Suizidgedanken ist es, die Sorgen auszusprechen.

"2012 ging das los, dass es mir immer schlechter ging, das hing viel mit der Schule zusammen: Mobbing, Ausgrenzung, ich war schon immer irgendwie anders als die anderen. Ich habe nie wirklich dazu gehört", erzählt die 20-jährige Monja. Sie verletzt sich selbst, hungert oder übergibt sich nach dem Essen. Zu Hause verheimlicht sie lange, wie schlecht es ihr geht.

Im Internet wird sie auf U25 aufmerksam. Durch den regelmäßigen E-Mail-Austausch mit einer Peer-Beraterin schafft sie es, sich zu öffnen und über ihre dunklen Gedanken zu sprechen. Bis dahin habe sie täglich überlegt, ob sie so noch weiterleben will, erinnert sich Monja. Schon morgens auf dem Weg zur Schule habe sie darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn ein Auto sie überfahren würde. "Dann muss ich es nicht mehr übernehmen", sagt sie.

Sie sprechen die selbe Sprache

Symbolbild: Depression - Traurigkeit - Leere
U25 will Wege raus aus der Einsamkeit bieten.
Quelle: dpa

Die jungen Peer-Berater antworten per Mail auf solche Nachrichten. "Oft sind wir der erste Kontakt, bei dem sich die Leute zum ersten Mal komplett öffnen können", erzählt Lukas. Die Peers nehmen jede Zeile ernst und sie nehmen sich viel Zeit für ihre Antworten. Sie urteilen nicht, fragen aber konkret nach Suizidgedanken und -plänen. Bei U25 ist man sich sicher, der Mythos "Wenn man Menschen auf Suizidgedanken anspricht, bringt man sie erst auf die Idee" ist falsch. Sie raten im Laufe des Austauschs vor allem auch dazu, professionelle Hilfe aufzusuchen und mit noch mehr Menschen direkt über ihre Gefühle, Sorgen und Ängste zu sprechen.

Anna Gleiniger ist die Projektleiterin der U25-Gruppe in Berlin. Sie ist der Überzeugung: "Ein Gespräch kann Leben retten." Das sei nicht nur ein einfacher Spruch, sagt sie. Sobald Menschen anfingen, über ihre Suizidgedanken zu sprechen, dann werde es leichter. Gleininger betreut und coacht die jungen Freiwilligen. Regelmäßig sprechen sie in Gruppentreffen über ihren Austausch mit den Hilfesuchenden, natürlich ohne die richtigen Namen der Betroffenen zu nennen. Die Berater bekommen aber auch selbst Coachings und sprechen über ihre eigenen Gefühle und Probleme. Manche von ihnen haben selbst schon schwierige Phasen durchlebt.

"Du bist mir wichtig"

Die 25-jährige Peer-Beraterin Amelie hatte sich damals in einem solchen Krisenmoment Hilfe gesucht und sich anderen anvertraut. Sie wolle diese positiven Erfahrungen gerne weitergeben und anderen Jugendlichen in dieser Zeit beistehen, sagt sie. Amelie wurde durch ihre Arbeit bei U25 sogar inspiriert Psychologie zu studieren. Der E-Mail-Austausch miteinander sei vergleichbar mit einer intensiven Briefreundschaft, erklärt sie.

Der erste Kontakt zu den Helfern geht ganz einfach online über eine kurze Nachricht. Diese wird innerhalb von 48 Stunden beantwortet und kann der Anfang einer längeren Mail-Begleitung sein. Eben genauso lange, wie die Hilfesuchenden es möchten. "Ich brauche dich nicht mehr", bedeutet hier keine negative Zurückweisung, sondern ein positives Feedback und Zeichen dafür, dass die Beratung geholfen hat. Die wichtigste Message, die die Helfer von U25 vermitteln möchten ist: Du bist (mir) wichtig.

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