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"Sunset over Hollywood" - Das Altersheim der Traumfabrik

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Wie verbringen einstige Hollywood-Größen ihren Lebensabend? Regisseur Uli Gaulke hat das Altersheim der Filmbranche besucht und eine Dokumentation darüber gedreht.

Bewohner des Altersheims in Hollywood
Bewohner des Altersheims Motion Picture Country Home in Hollywood
Quelle: Konrad Waldmann

heute.de: Wie sind Sie auf das Thema dieses Altersheims der Filmbranche gekommen?

Uli Gaulke: Ich habe 2006 einen Film über Kinobetreiber in Burkina Faso, Indien, USA und Nordkorea gemacht: "Comrades in Dreams". Ich wollte immer noch einen zweiten Teil drehen, der den Filmemachern ein Denkmal setzt. In einem Artikel bei Spiegel Online habe ich dann von dem Haus gelesen. Diesen anderen Blick auf Hollywood zu kriegen, aus dem Altenheim und von Leuten aus der zweiten Reihe, das hat mich interessiert. Und dass diese Menschen bis zum Ende ihres Lebens weiter Filme machen.

heute.de: Waren das Heim und seine Bewohner sofort zu dem Dreh bereit?

Gaulke: Das Ganze ist eine sehr inneramerikanische Geschichte. Hollywood gehört zu ihrem ureigensten Selbstverständnis, das berührt ihr Herz. Und dann kommen wir aus Deutschland und wollen einen solchen Film drehen. Es hat ein bisschen gedauert, Vertrauen aufzubauen.

heute.de: Wie war die Zusammenarbeit?

Gaulke: Wenn Filmemacher aufeinandertreffen, gibt es Wettbewerb. Sie glaubten zu wissen, wie ich es machen soll - und ich hatte meine Vorstellungen. In Hollywood ist Spielfilm das große Ding, wir haben viel über den Sinn von Dokumentarfilmen diskutiert. Aber als ich ihnen am Ende den fertigen Film gezeigt habe, flossen die Tränen. Das hatten sie nicht erwartet.

heute.de: Gab es viele so bewegende Situationen?

Gaulke: Die emotionalsten Momente waren für mich die Reaktionen der Familienmitglieder bei der Premiere. Vielen Kindern war nicht klar, wie sehr sich ihre Mütter und Väter am Ende ihres Lebens Gedanken über ihre Rolle als Eltern gemacht haben. Das ist im Film später Topthema: Waren wir gute Eltern oder haben wir unseren Job zu ernst genommen und unsere Kinder vernachlässigt? Darüber hatten viele Kinder nie mit ihren Eltern gesprochen - und dann ist es Thema auf der Leinwand.

Terrasse am Altersheim in Hollywood
Das Alter könnte schlimmer sein: auf der Terrasse des Altersheims in Hollywood
Quelle: Konrad Waldmann

heute.de: Sind Sie noch in Kontakt mit Bewohnern?

Gaulke: Mit meinen Hauptfiguren Joel und Deborah in regelmäßigen Abständen. "Sunset over Hollywood" ist für sie der Film über ihre große Liebe. Deborah hat das gesamte Material bekommen, das ich mit den beiden gedreht habe. Das ist jetzt ganz wichtig für sie, weil es Joel inzwischen sehr schlecht geht. Die beiden waren meine Smaragde, dafür mache ich Dokumentarfilme: dass man sich so nahekommt.

Joel und Deborah Rogosin
Die Hauptfiguren der Doku Joel und Deborah Rogosin
Quelle: Konrad Waldmann

heute.de: Welchen der Bewohner kennenzulernen war für Sie besonders aufregend?

Gaulke: Daniel Selznick, der Sohn von David O. Selznick, dem Produzenten von "Vom Winde verweht". Der empfahl den Universal Studios damals das Projekt des jungen Regisseurs George Lucas, "American Graffiti" (1973), und verhalf Lucas so zum Durchbruch. Und ich habe Kent Wakeford, den Kameramann von Martin Scorseses "Hexenkessel" (1973), getroffen, der damals als Erster eine Handkamera benutzte, um einen Film authentischer zu machen.

heute.de: Haben Sie auch Spannendes aus alten Zeiten erfahren?

Gaulke: Der Schauspieler Wright King, der 2018 mit 95 Jahren gestorben ist, erzählte mir, dass er als Teenager im Kino "Vom Winde verweht" (1940) sah. Und über Vivien Leigh, die Scarlett O‘Hara spielte, sagte: Die will ich eines Tages küssen. Später bekam er eine kleine Rolle als Zeitungsjunge in "Endstation Sehnsucht" (1951), bringt in einer Szene die Zeitung zu Leigh - und sie küsst ihn.

heute.de: Alle Bewohner wirken so fit und zufrieden. Woran liegt das?

Gaulke: Seit drei Jahren gibt es die Schreibgruppe aus dem Film. Vorher waren diejenigen, die dort mitmachen, nicht so gut drauf. In der Gruppe wurden sie ermuntert, sich über das, was ihnen durch den Kopf geht, auszutauschen und es aufzuschreiben. In der Runde kracht es oft, da brechen viele Sachen auf. Das schweißt die Leute aber auch zusammen, und es geht ihnen seelisch besser. So eine Schreibgruppe lässt sich übrigens in jedem Altersheim der Welt gründen.

Jerry Sedley Kaufmann und Dena Dietrich
Der Regisseur Jerry Sedley Kaufmann und Dena Dietrich im Motion Picture Country Home in Los Angeles
Quelle: Konrad Waldmann

heute.de: Hat der Film Ihren Blick aufs Alter verändert?

Gaulke: Ich bin 50, ich habe mir das Thema nicht zufällig ausgesucht. Ich denke auch darüber nach, wie es weitergeht. Der Regisseur Jerry Sedley Kaufmann aus dem Film ist mein Alter Ego: Für ihn gibt es nur das Filmemachen, er hat immer drei Projekte gleichzeitig. So möchte ich auch alt werden.

heute.de: Sind Sie mit dem Thema Kino und Film nun durch - oder kommt noch Teil drei?

Gaulke: Jetzt befasse ich mich mit Asien. Ich habe ab 2020 eine Professur an der Hongkong University. Es gibt dort kaum Dokumentarfilmer - aber viele Geschichten. Wir wollen im Fachbereich Journalismus ein Master Degree für Dokumentarfilm aufbauen. Es ist wichtig, dass Filmemacher begleiten, was mit Hongkong, China, aber auch Nord- und Südkorea in den nächsten Jahren passiert. Und ich werde das ebenfalls mit der Kamera festhalten.

Das Interview führte Nadine Emmerich.

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