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Kunstprojekt und Provokation - Ein schwimmender Gemüsegarten in New York

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In der Südbronx, der ärmsten Ecke New Yorks, gibt es neuerdings Obst und Gemüse gratis. An Bord eines Frachtkahns hat die Künstlerin Mary Mattingly einen Garten angelegt. Auf 500 Quadratmetern wachsen dort Basilikum und Blaubeeren, Trauben und Salat. Jeder kann kommen, ernten und essen.

Rooftopbar oder doch lieber Kino vor atemberaubender Kulisse? Auf jeden Fall hoch über den Dächern New Yorks: Während einem Hitze und Lärm in den Straßen den letzten Nerv rauben, lässt es sich hier entspannt den Sommer genießen.

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"Das hier ist Minze, riech mal", sagt die ältere Dame, zupft ein paar Blättchen ab und hält sie ihrer Tochter unter die Nase. "Und hier: Äpfel. Wir müssen unbedingt wiederkommen, wenn die reif sind." Die beiden Damen wohnen ein paar U-Bahn Stationen entfernt in der Bronx. Von der schwimmenden Obst- und Gemüsefarm haben sie im Radio gehört. "Schon irgendwie verrückt, ein Gemüsegarten auf einem Frachter", lacht die Tochter. "Satt wird hier jedenfalls niemand", meint sie und zeigt auf die winzigen Blaubeerbüsche.

Anbau im "Big Apple" verboten

Tatsächlich ist der Kahn, auf dem die schwimmende Farm untergebracht ist, gerade einmal 500 Quadratmeter groß. "200 Kilo Obst, Gemüse und Kräuter ernten wir hier pro Saison", schätzt Lindsey Grothkopp, die zum Team der Freiwilligen gehört, die sich um das Projekt kümmert. "Das reicht noch nicht einmal, um einen Menschen ein Jahr lang satt zu machen. Aber das ist auch gar nicht das Ziel."

"Swale" heißt der Frachter mit acht Apfelbäumen, Kräuter- und Gemüsebeeten. Angefangen hat das Ganze als Kunstprojekt und als Provokation, sagt die Künstlerin Mary Mattingly. New York City hat zwar 120 Quadratkilometer Grünflächen und öffentliche Parks. Anbau und Ernte von Nutzpflanzen ist dort allerdings strikt verboten. "Das ist doch verrückt." Denn Obst und Gemüse wird für viel Geld nach New York gebracht und in Supermärkten verkauft. "Die New Yorker, die hierherkommen, haben noch nie selbst Obst und Gemüse geerntet. Sie haben keine Ahnung, was essbar ist und wann es reif ist", sagt Brittany, eine Studentin aus Virginia, die gerade als Praktikantin auf der Swale arbeitet.

Biofarm mit Bildungsauftrag

"Auf der 'Swale' gibt es nicht nur Gemüse gratis, wir versuchen, den Jugendlichen hier aus der Nachbarschaft auch etwas über gesunde Ernährung beizubringen", sagt Grothkopp. Aus dem Kunstprojekt ist eine Biofarm mit Bildungsauftrag geworden. Die Südbronx ist das ärmste Viertel der Stadt. 65 Prozent der Einwohner sind Latinos, 30 Prozent Schwarze. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Einkommen sind niedrig. Mangelernährung und Fettsucht sind weit verbreitet.

Angetrieben von Solarenergie und gezogen von einem Schlepper, tuckert die Swale zwischen Mai und Oktober über East River und Hudson und dockt alle paar Wochen an einer anderen Ecke New Yorks an. An Bord gibt es Regenwassertanks und Filter, die das brackige Flusswasser entsalzen und reinigen. Alles kein High-Tech, sondern selbst zusammen gebastelt.

Mehr schwimmende Gärten gefordert

Am Bug blättert der Rost. Mit dicken Metallketten ist der ehemalige Frachtkahn am Ufer des Bronx River vertäut. Am Ufer stehen die Reste einer alten Betonfabrik, ein Spielplatz, ein neu angelegter Fahrradweg und ein paar Parkbänke. Ein paar Meter weiter wächst im kommenden Jahr hoffentlich auch Essbares. Mary Mattinglys neuestes Projekt ist ein öffentlicher Nutzgarten, diesmal an Land. Gemeinsam mit dem für Grünflächen der Stadt zuständigen Parks Department der Stadt New York, legen freiwillige Helfer hier gerade die ersten Beete an.

Mission erfüllt? Nein, meint Mattingly entschieden. Ähnliche Projekte könnten auch in anderen amerikanischen Städten, beispielsweise in Chicago, Boston oder Detroit florieren. Allerdings braucht sie dringend Sponsoren, um weitere schwimmende Gärten zu pflanzen. Miete, Versicherung und Helfer allein für die "Swale" kosten monatlich fast 10.000 Dollar. Bis zum Ende der Ernte-Saison im Oktober reicht das Geld noch. "Dann werden wir weitersehen." Der schwimmende Lebensmittelversorger kommt auf jeden Fall gut an: "Wir kommen auf jeden Fall wieder", sagen die beiden Damen aus der Nordbronx und klettern die Reling herunter. "Zur Apfelernte."

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