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Erste Messe seit Brand - Symbolischer Neubeginn in Notre-Dame

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Erstmals seit dem verheerenden Brand feiern Katholiken heute Abend eine Messe in der Kathedrale Notre Dame. Es ist mehr ein symbolischer Neubeginn - der Wiederaufbau ist schwierig.

In Notre Dame hat die erste Messe seit dem Brand der Kathedrale stattgefunden. Möglich war dies nur in einem kleinen Bereich hinter dem Altar.

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In hellem Sonnenlicht erstrahlt derzeit das Kirchenschiff von Notre-Dame. Ein mächtiges Loch klafft noch immer im Dach, dort wo vor zwei Monaten der brennende Spitzturm eingestürzt ist. Im Kirchenschiff ist ein engmaschiges Netz gespannt, das herunterfallenden Schutt auffangen soll. 

An diesem Wochenende feiert Notre-Dame traditionell das Kirchweihfest, und in diesem Jahr wird es ein ganz besonderer Moment werden: Erstmals seit dem Brand kann heute Abend eine kleine Gruppe von etwa 30 Katholiken wieder eine Messe in der Kathedrale feiern, und zwar in einer der relativ unbeschädigten Kapellen im Chorraum. Ein symbolischer Neubeginn - trotz der bröckelnden Gemäuer, weswegen die Gottesdiensteilnehmer wohl alle Bauhelme tragen werden.

Laschet erschüttert vom Ausmaß der Zerstörungen

Am Freitag konnte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet - in seiner Eigenschaft als deutsch-französischer Kulturbevollmächtigter - ein Bild von der Lage der Kathedrale machen. Er ist einer der wenigen ausländischen Besucher, die seit dem Brand den Innenraum von Notre-Dame betreten durften.

"Es war ein bewegender Augenblick", sagte Laschet nach dem Besuch. Er zeigte sich erschüttert vom Ausmaß der Zerstörungen. Aber er war auch fasziniert von einzelnen Gegenständen, die den Brand unbeschadet überstanden hatten, etwa eine Madonnenstatue aus dem 14. Jahrhundert, die als Symbol der Kathedrale galt. 

Deutsche Hilfe für Wiederaufbau

Derzeit arbeiten französische Experten daran, die Einsturzgefahr zu bannen. Seit Wochen transportieren riesige Kräne Holzbalken in die Höhe, mit denen die Mauern gestützt werden. "Die Statik ist das größte Problem", sagte die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die sich ebenfalls ein Bild von der Lage machte. 

Es sei noch immer nicht klar, ob die Gewölbe halten werden. "Da liegt tonnenweise verbranntes Holz drauf, und erhitzte Steine verlieren ihre Tragkraft", erklärt sie. Es bestehe außerdem die Gefahr, dass die gotischen Strebepfeiler, die die Mauer ursprünglich von außen stützen, sie nun nach innen eindrücken könnten. 

Schock-Werner soll die deutsche Hilfe für den Wiederaufbau von Notre-Dame koordinieren, doch bislang ist nicht klar, wie die Hilfe überhaupt aussehen kann. Die deutschen Spendengelder sollen nicht in einen großen Topf fließen, sondern konkrete Projekte finanzieren, betont die Dombaumeisterin. Denkbar sei etwa, einzelne Fenster zu renovieren oder deutsche Steinmetze zu entsenden. 

Begrünte Terrasse, Schwimmbad oder Parkhaus?

Da die während der Revolution enteigneten Kirchengebäude in Frankreich dem Staat gehören, ist der Wiederaufbau von Notre-Dame auch ein Politikum. Präsident Emmanuel Macron hatte schon am Tag nach dem Brand angekündigt, dass die gotische Kathedrale innerhalb von fünf Jahren - also pünktlich zu den Olympischen Spielen in Paris - wieder aufgebaut werden sollte, und zwar "schöner als bisher". 

Im Mai hat dann die Nationalversammlung den Weg frei gemacht, bislang geltende Regeln zum Denkmal- und Umweltschutz zu brechen, um den Wiederaufbau zu beschleunigen - ein Affront für viele Kunsthistoriker und Katholiken, die auf die fast zwei Jahrhunderte dauernde Baugeschichte verweisen und zu etwas mehr Demut mahnen.

Da der Präsident zudem eine "moderne architektonische Geste" angeregt hat, schwirren seitdem die wildesten Architekturkonzepte durch die sozialen Netze - das Dach könnte sich demnach in eine begrünte Terrasse, ein Schwimmbad oder ein Parkhaus wandeln, oder auch von phantasievollen Dachreitern aus Glas, Stahl oder Laserstrahlen geschmückt werden. 

Messe als symbolischer Neubeginn

Laschet sieht diese Vorschläge mit Skepsis: "Es geht beim Wiederaufbau von Notre-Dame ja nicht darum, sich architektonisch zu verwirklichen, man sollte auch den sakralen Charakter des Gebäudes wahren."

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