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Regierung vertreibt Rebellen - Duma offenbar unter Assads Kontrolle

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Es war die letzte Rebellenhochburg: Syrische Regierungstruppen haben laut Russland die Stadt Duma in Ost-Ghuta unter ihre Kontrolle gebracht.

Archiv: Syrische Rebellen und ihre Familien verlassen Duma in Reisebussen, Syrien, aufgenommen am 09.04.2018
Syrische Rebellen und ihre Familien verlassen Duma in Reisebussen (Archivbild). Quelle: reuters

Am Donnerstag hissten syrische Soldaten die Flagge des Landes in Duma. Russische Nachrichtenagenturen zitierten den Chef des russischen Zentrums für Frieden und Versöhnung in Syrien, Generalmajor Juri Jewtuschenko, mit den Worten, die Staatsflagge auf einem Gebäude von Duma dokumentiere die Herrschaft über diesen Ort und damit über ganz Ost-Ghuta. Die Situation "normalisiere" sich, teilte das Moskauer Verteidigungsministerium mit.

Aktivisten widersprechen Russland

Entsprechend der Vereinbarung mit den Rebellen würden Soldaten der russischen Militärpolizei in Duma stationiert, berichteten die Agenturen. Die in Duma zuletzt herrschende Salafistengruppe Dschaisch al-Islam hatte am Sonntag einem Abzug in Rebellengebiete im Norden Syriens zugestimmt. Für Syriens Präsident Baschar al-Assad ist die Einnahme Ost-Ghutas ein entscheidender Erfolg im Kampf gegen seine Gegner. Damit kontrolliert er auch den Schauplatz des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs vom vergangenen Wochenende.

Entgegen den russischen Angaben melden Aktivisten, Assads Truppen hätten noch nicht die Kontrolle über Duma übernommen. Es seien noch keine syrischen Soldaten in Duma eingerückt, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Vielmehr hielten sich dort noch Kämpfer der islamistischen Miliz Dschaisch al-Islam auf. Diese hätten ihre schweren Waffen russischen Kräften übergeben, teilten die Menschenrechtler weiter mit. Auf Regierungsgebäuden sei die syrische Flagge gehisst worden.

Tausende Zivilisten fliehen

Duma war die letzte von Rebellen kontrollierte Stadt im Gebiet Ost-Ghuta. Die syrische Armee und ihre Verbündeten hatten die Enklave seit Wochen bombardiert. Bereits Ende März verkündete ein Brigadegeneral den Sieg, der Sicherheit und Stabilität in Damaskus und Umgebung wiederherstelle. In der vergangenen Woche kam es jedoch erneut zu Gefechten. Seit Ostern haben mehr als 13.500 Rebellenkämpfer und deren Familien die Stadt verlassen, 1.500 davon seit Mittwoch, wie Russland mitteilte.

Ersthelfer der Opposition, die sogenannten Weißhelme, warfen den Regierungstruppen vor, am Samstagabend Dutzende Menschen mit Giftgas getötet zu haben. Die USA drohten deswegen mit Militärschlägen. Die Regierung bestritt einen Chemiewaffeneinsatz.

May beruft Kabinett ein

Großbritanniens Premierministerin Theresa May berief eine Dringlichkeitssitzung ihres Kabinetts zu Syrien ein. Laut der Zeitung "The Telegraph" hat die Regierungschefin bereits britische U-Boote in Raketenreichweite zum Bürgerkriegsland beordert. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bisher nicht.

Am Mittwoch hatte May erklärt, dass "alle Hinweise" auf eine Täterschaft der syrischen Regierungskräfte bei dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff von Duma hindeuteten. Die "andauernde Verwendung von Chemiewaffen kann nicht unangefochten bleiben", erklärte sie.

Guterres warnt vor Eskalation

In New York warnte UN-Generalsekretär António Guterres davor, die Lage in Syrien "außer Kontrolle geraten" zu lassen. Bolivien beantragte für Donnerstagmorgen eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats zu "Bedrohungen durch unilaterale Militäraktionen" gegen Syrien.

Hintergrund seien nicht nur die jüngsten Tweets von US-Präsident Trump über mögliche Raketenangriffe auf syrische Ziele, sondern auch eine eskalierende Rhetorik und eine "Beständigkeit in dessen Drohungen", sagte der bolivianische UN-Botschafter Sacha Llorentty Soliz vor Reportern in New York. Sein Land sei besorgt, weil ein unilateraler Militärschlag gegen Regeln und Prinzipien der UN-Charta verstoßen würde.

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