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Militärschlag gegen Syrien - Machtdemonstration in engen Grenzen

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"Rechtschaffene Macht gegen Barbarei": So begeistert Trump den Angriff auf Syrien kommentierte, es war ein kalkulierter Militärschlag - eine Eskalation war nicht vorgesehen.

Großbritannien, Frankreich und die USA haben mehr als 100 Geschosse auf drei Ziele in Syrien abgefeuert. Dies gilt als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz.

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Mit dem triumphalen Tweet ("Mission erfüllt") zelebrierte Donald Trump am Morgen danach die Luftangriffe in Syrien. Der gemeinsame Militäreinsatz mit Frankreich und Großbritannien sei "perfekt ausgeführt" worden, frohlockte der US-Präsident.

Am Vorabend hatte Trump die Angriffe vor dem Fernsehpublikum in den USA mit pompöser Rhetorik gerechtfertigt. Die drei Verbündeten hätten ihre "rechtschaffene Macht gegen Barbarei und Brutalität aufgeboten", sagte er in seiner fünfminütigen TV-Ansprache aus dem "Diplomatischen Raum" des Weißen Hauses.

Trump bezeichnet Assad als "Monster"

Trump bezeichnete Syriens Machthaber Baschar al-Assad wegen des mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatzes als "Monster" und richtete eine scharfe Warnung an Russland und Iran, den syrischen Machthaber nicht länger zu unterstützen. Nach Einschätzung von ZDF-Korrespondent Ulf Röller wollten die USA Syrien für das Überschreiten der roten Linie bestrafen, ohne aber einen direkten Konflikt mit Moskau zu riskieren.

Die Angriffe waren bereits nach rund 45 Minuten vorbei. Die Raketen seien auf sorgfältig ausgewählte Ziele abgefeuert worden - drei Anlagen in der Hauptstadt Damaskus und nahe Homs, die als Forschungs-, Produktions- und Lagerstätten für Chemiewaffen gedient haben sollen. US-Verteidigungsminister Jim Mattis teilte mit, weitere Attacken seien "derzeit" nicht geplant.

USA: Risiko russischer Verwicklung abmildern

Die weltweiten Sorgen, Trump könnte eine dramatische militärische Eskalationsspirale in Gang setzen, scheinen sich erst einmal nicht zu bewahrheiten. Der US-Präsident hatte diese Ängste mit finsteren Drohungen geschürt, die sich nicht nur an Assad, sondern auch an Moskau und Teheran richteten. "Bereite dich vor, Russland, denn sie (die Raketen) werden kommen, hübsch und neu und 'smart!'" hatte er am Mittwoch getwittert.

Doch bei ihrem Militäreinsatz achteten die US-Streitkräfte nun darauf, möglichst keine russischen Ziele zu treffen. Bei der Auswahl der Angriffsziele sei es auch darum gegangen, "das Risiko einer Verwicklung russischer Truppen abzumildern", sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford. Die russische Luftabwehr in Syrien wurde denn auch nach Moskauer Angaben nicht eingesetzt.

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Die ersten russischen Reaktionen deuten darauf hin, dass auch Moskau einen direkten bewaffneten Konflikt mit den USA weiterhin vermeiden will. Zwar drohte der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, wütend mit "Konsequenzen". Doch die einzige konkrete Konsequenz ist bislang, dass Russland eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats anberaumen ließ.

"Kalkulierter Militäreinsatz, aber keine Eskalation"

Der begrenzte Umfang des Militäreinsatzes zeigt, dass sich in den tagelangen Beratungen der US-Regierung über die Antwort auf Assads mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz letztlich noch einmal die mäßigenden Kräfte durchsetzen konnten - Mattis und andere Generäle. Die wollten, so ZDF-Korrespondent Röller, "einen kalkulierten, kontrollierten Militärschlag, aber keine Eskalation".

Der Sender CNN berichtet unter Berufung auf hochrangige Regierungsmitarbeiter von "teilweise hitzigen Meinungsverschiedenheiten" zwischen Trump und seinen Militärberatern. Der Präsident hatte demnach eigentlich einen deutlich umfassenderen Einsatz als vor einem Jahr im Sinn, als er auf einen damaligen mutmaßlichen Giftgaseinsatz mit dem Beschuss einer syrischen Luftwaffenbasis geantwortet hatte. Sein neuer Sicherheitsberater John Bolton forderte laut "Wall Street Journal" sogar einen "vernichtenden" Schlag gegen die Assad-Regierung.

Trump im inneren Widerstreit

Mattis aber warnte US-Medienberichten zufolge, dass flächendeckende Luftangriffe militärische Vergeltungsmaßnahmen Russlands und Irans provozieren könnten. Mit dieser Warnung hat er sich zumindest vorerst durchgesetzt. Die Angriffe sind umfassender als vor einem Jahr, aber auch diesmal eng begrenzt.

Doch liegt Trump offenbar auch mit sich selbst im Widerstreit. Erst vor zwei Wochen hatte er den Abzug der rund 2.000 in Syrien eingesetzten US-Soldaten angekündigt, nun hat er sein Land zumindest temporär tiefer in den Konflikt hineingezogen.

Einerseits ist da der Drang zur militärischen Machtdemonstration, dem Trump jetzt nachgegeben hat - und andererseits der Impuls, sein Land aus dem Nahost-Chaos möglichst herauszuhalten. "Keine Menge amerikanischen Bluts" könne einen dauerhaften Frieden herstellen, sagt Trump in seiner Rede. "Das Schicksal der Region liegt in den Händen ihrer eigenen Menschen."

Syrien: Wer welche Interessen hat

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