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Die USA, Syrien und das Öl

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Trumps Kehrtwende - Die USA, Syrien und das Öl

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Die USA lassen Truppen in Syrien - um Ölfelder zu sichern, so die Begründung. International von Belang ist das Öl kaum - es geht darum, den Einfluss der Regierung kleinzuhalten.

Nach dem Abzug ihrer Truppen aus dem Kurdengebiet in Nordsyrien wollen die USA doch wieder mit ihren Soldaten Präsenz zeigen.

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Nach zunächst kryptischen Andeutungen Donald Trumps auf Twitter hat ein Pentagon-Sprecher nun bestätigt: Ein Teil der US-Truppen samt Gerät bleibt in Syrien - um die Ölfelder im Osten des Landes zu bewachen, so das US-Verteidigungsministerium. Sie sollen nicht wieder in die Hände der IS-Miliz fallen.

Die meisten syrischen Ölfelder liegen in einem Gebiet, das die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) von der IS-Terrormiliz zurückerobert haben. Trotz des Krieges haben sie auf diesen Ölfeldern in geringem Umfang immer weiter Öl produziert. Manchmal, um es außer Landes zu schmuggeln und mit dem Geld Kämpfer zu bezahlen, vor allem aber, um die lokale Bevölkerung mit Benzin und Heizöl zu versorgen. In den wirtschaftlich weitgehend abgeschnittenen Oppositionsgebieten Syriens war Benzinknappheit immer ein Problem.

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Improvisierte Raffinerien

Für alle Seiten im Bürgerkrieg ist dabei ein zentrales Problem, dass die meisten Vorkommen im abgelegenen und relativ verarmten Osten des Landes liegen. Die verarbeitenden Industrieanlagen - inklusive der einzigen Raffinerien in den Städten Homs und Baniyas - befinden sich in anderen Landesteilen. Die wechselnden Kräfte, die die Ölfelder kontrollierten, saßen also zunächst auf weitgehend nutzlosem Rohöl. Zugriff auf die einzigen Pipelines, die Öl und Gas zu den Exporthäfen an der Mittelmeerküste exportieren, hatten sie meist nicht.

Ohne Zugriff auf die Raffinerien war die lokale Weiterverarbeitung von Öl etwa zu Benzin extrem mühsam. Seit 2012 haben sich in den Provinzen Al-Hasaka und Deiz ez-Zor, wo die größten Fördergebiete liegen, Hunderte von Anwohnern betriebene improvisierte Raffinerien etabliert. Einfache Erdlöcher oder Metallfässer, in denen sie das Öl aufkochen. Mit massiven Umwelt- und Gesundheitsschäden produzieren sie dort minderwertiges Benzin, um es anschließend auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

Syrien ist keine Öl-Nation

Rund 40 Millionen US-Dollar habe die IS-Miliz 2015 jeden Monat mit Öl-Produkten erwirtschaftet, so der Syrien-Experte Joseph Daher von der Universität Lausanne. "Daten zu Fördermengen der jetzt SDF-kontrollierten Felder sind rar, jüngste Schätzungen von Kontakten vor Ort gehen von täglich 70.000 bis 80.000 Fass aus." Sowohl IS als auch SDF hätten den Großteil der Öl-Einnahmen genutzt, um ihre Verwaltungsapparate zu finanzieren.

Im Vergleich zu Öl-Giganten wie Irak oder Saudi-Arabien, wo der Öl-Export die wichtigste Quelle staatlicher Einnahmen ist, war Syrien nie eine echte Öl-Nation. Die Weltbank gibt die Einkünfte aus Öl-Exporten mit 4,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 an, bevor der Krieg die Fördergebiete erfasste. 2015 hätten die staatlichen Exporte nur noch bei 140 Millionen US-Dollar gelegen. Die Fördermengen gehen aber bereits seit Mitte der 90er Jahre stetig zurück, machten vor Kriegsbeginn noch rund zehn Prozent der staatlichen Einnahmen aus.

Eigenbedarf kann nicht gedeckt werden

Damaskus ist bis heute auf Benzin-Hilfen aus Russland angewiesen, die Raffinerien in Homs und Baniyas haben die Arbeit aber langsam wieder aufgenommen. 136.000 Fass Öl habe Syrien zuletzt gebraucht, um seinen täglichen Bedarf zu decken, so Joseph Daher: "Laut Aussagen in der staatlichen Zeitung Al-Watan könne das Öl-Ministerium lediglich 24 Prozent dieses Bedarfs decken. Der Großteil müsse aus dem Iran importiert werden."

Das US-Magazin "Newsweek" berichtete diese Woche exklusiv von den Plänen des US-Militärs. Rund 30 Kampfpanzer und Soldaten sollen in Syrien verbleiben. Ziel sei es, den Einfluss der syrischen Regierung und des Irans in diesem Gebiet gering zu halten, zitiert das Magazin einen anonymen Regierungsmitarbeiter.

Nahostexperte: "Schutzbehauptung der Amerikaner"

Die Verteidigung gegen wieder erstarkende IS-Milizen aber scheint nur ein vom Pentagon vorgeschobener Grund zu sein. Vielmehr ist das Ziel, der Regierung in Damaskus die direkte Kontrolle über die Ölquellen weiter vorzuenthalten: "Eine erneute Dominanz des Regimes in den Öl-Regionen soll verhindert werden. Auch vom Iran unterstützte syrische Milizen wollen die USA aus diesem Gebiet fernhalten", bestätigt Syrien-Experte Daher den Vorwurf.

Nahostexperte Michael Lüders spricht von einer "Schutzbehauptung" der Amerikaner, die Öl-Felder vor der IS-Terrormiliz schützen zu wollen. Zwar gebe es im Osten Syriens nach wie vor IS-Kämpfer, aber die wären "nicht mehr in der Lage, größere Territorien zu besetzen" - auch nicht die Öl-Felder, erläutert Lüders im ZDF. "In erster Linie geht es darum, Territorium zu besetzen im Wettbewerb mit Russland um die Zukunft Syriens.

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US-Truppen sollen Regierungsmilizen fernhalten

Das könnte wegen informeller Kontakte der SDF zur syrischen Regierung ins Leere laufen. Trotz ihrer Kooperation mit den USA versuchen auch die SDF, die syrische Öl-Industrie wieder in geordnete Bahnen zu lenken. So haben sie schon damit begonnen, die geächtete Regierung in Damaskus mit Rohöl zu versorgen. Das "Wall Street Journal" berichtete im Februar 2019 von Geheimverträgen zwischen den SDF und der Qatirji Gruppe, einer mit internationalen Sanktionen belegten Öl-Firma aus dem Umfeld der syrischen Regierung. Einnahmen aus dem im Nord-Osten gelegenen al-Suwayda-Ölfeld sollen sich demnach SDF und syrische Regierung teilen.

Die Öl-Versorgung in den Regierungsgebieten könnte sich in Zukunft also langsam bessern - ungeachtet der US-Präsenz. Milliardenschwere Investitionen in die zerstörte Infrastruktur seien aber nötig, so Experte Daher. Der jüngste Umschwung Trumps bedeutet aber in jedem Fall einen weiteren Ansehensverlust: Der staatliche russische Auslandssender "RT" hat bereits eine Sammlung von Memes und polemischen Twitter-Kommentaren angelegt. Darin wird den USA vorgeworfen, nur aus Gier nach Öl zu handeln. Dass die USA selbst vom syrischen Öl zwar nichts haben werden, zählt in diese Darstellung nicht. Der Ruf der USA aber hat erneut Schaden erlitten.

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