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Verloren in Syrien - Weißhelme hoffen verzweifelt auf Rettung

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Hunderte Weißhelme hat Israel bereits in Sicherheit gebracht. Doch Hunderte zivile Helfer sitzen immer noch in den Kriegsgebieten fest. Sie hoffen nun verzweifelt auf Rettung.

Weißhelme im Einsatz in Syrien
Sie haben Tausende Leben gerettet: die Weißhelme in Syrien. Quelle: ap

Lebensgefahr sind sie gewohnt. Doch eines fürchten die Weißhelme noch mehr als den Tod: eine Festnahme durch Truppen des Feindes. Und die wird immer wahrscheinlicher. Denn das Gebiet, das in Syrien nicht unter Kontrolle der Regierung ist, schrumpft weiter und weiter. Mehr als 400 der zivilen Helfer konnten am vergangenen Wochenende über die von Israel besetzten Golanhöhen außer Landes gebracht werden. Für die verbliebenen Mitglieder der Hilfsorganisation hat sich die Lage gerade dadurch noch zusätzlich verschärft.

An der Evakuierung vor wenigen Tagen waren Israel und auch mehrere westliche Staaten beteiligt. Das Regime in Damaskus, das die Weißhelme mal als Terroristen und mal als ausländische Agenten beschimpft, scheint dies als Rechtfertigung für ein noch härteres Vorgehen gegen die freiwilligen Helfer zu sehen. Einige der Betroffenen im Süden Syriens beschrieben im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ap ihren Alltag in ständiger Angst - und die verzweifelte Suche nach einem Ausweg.

Weißhelm: Assad hat uns den Krieg erklärt

Zwei Weißhelme erklärten, sie seien am Wochenende nicht schnell genug an die Grenze gekommen, weil die Straßen von vorrückenden Regierungstruppen sowie von Kämpfern mit Verbindungen zur Terrormiliz IS blockiert gewesen seien. Seit mehreren Jahren sind die beiden nach eigenen Angaben als zivile Helfer im Einsatz. Wegen der jüngsten, von Russland unterstützten Offensive von Präsident Baschar al-Assad sitzen sie nun in der Falle.

Aktuell halten sich die beiden Männer in einem etwa zehn Quadratkilometer großen Gebiet auf, in dem sie sich nur noch zwischen einigen kleinen Dörfern frei umher bewegen können. Sie leben inkognito, vermeiden die zum Teil mit Kontrollposten versehenen Straßen und müssen ständig nach Anzeichen für neue Truppenverschiebungen Ausschau halten. In den Dörfern, die lange von der Opposition verwaltet wurden, wehen inzwischen wieder die offiziellen syrischen Fahnen.

Einer der beiden, der für ein Team von 30 Freiwilligen zuständig ist, hofft auf eine Chance, auch die verbliebenen Weißhelme einschließlich ihrer Familien in Sicherheit zu bringen. Er selbst habe vier Kinder und werde von der Regierung gesucht, betonte der Mann, der aus Angst vor einer Festnahme anonym bleiben wollte. Sie habe allen, die mit dem Zivilschutz in Verbindung stünden, den Krieg erklärt.

Weißhelme haben Tausende Menschen gerettet

Die in syrischen Rebellen-Gebieten aktive Gruppe, die zwischenzeitlich aus mehr als 3.000 Helfern bestand, hat seit 2013 Tausenden Menschen das Leben gerettet. Darüber hinaus dokumentierte sie während des Bürgerkriegs Regierungsübergriffe auf die Zivilbevölkerung. Deswegen wurde sie immer wieder auch selbst zum Ziel. Mehr als 250 Weißhelme wurden im Einsatz getötet. Mit aufwendigen Kampagnen versucht das Regime zudem seit Jahren, die Helfer zu diskreditieren.

Nach der Rückeroberung großer Gebiete im Süden hoffen viele der dort lebenden Menschen auf eine versöhnliche Haltung Assads. Die Weißhelme sehen angesichts der jüngsten Kampagnen aber keine Möglichkeit, den Soldaten zu trauen. "Der Vorwurf, dass wir Agenten seien, war der schlimmste", sagte der zweite Betroffene. "Damit hat die Regierung einen Vorwand, auf jede beliebige Art gegen uns vorzugehen." Formal befinden sich Israel und Syrien im Kriegszustand. Eine Zusammenarbeit mit Israel gilt daher als Hochverrat.

Die eingekesselten Freiwilligen treffen sich nun oft in der Nacht, um über Fluchtmöglichkeiten zu beraten. Doch im Grunde haben sie kaum Optionen. "Einige zeigen ihre Angst, andere verbergen sie. Einige bemühen sich, ihren Kampfgeist zu bewahren", sagte der zweite Betroffene weiter. "Wir stehen vor einem ungewissen Schicksal", betonte er. "Wenn wir wüssten, dass uns der Tod erwartet, dann könnten wir das akzeptieren. Aber wir wissen nicht, was kommt - Folter, Haft, vielleicht der Tod oder mit etwas Glück vielleicht das Überleben."

Flucht nach Idlib zu riskant

Eine Flucht in die Rebellenhochburg Idlib im Norden Syriens kommt für die zwei Helfer nach eigenen Angaben nicht infrage. Zum einen wäre es mit dem Risiko verbunden, durch ein Gebiet voller Kontrollposten zu reisen, zum anderen sei auch Idlib eine sehr gefährliche Region und im Grunde nur ein etwas größeres Gefängnis.

Mit den über die Golanhöhen nach Jordanien gebrachten Kameraden konnten die beiden Männer bisher offenbar nicht sprechen. Von einem Angehörigen hätten sie erfahren, dass allen Geretteten im Zuge der Operation die Handys weggenommen worden seien. Aus Kreisen der mit der Befreiungsaktion betrauten Personen hieß es, "alles erdenklich Mögliche" werde getan, um auch die noch eingeschlossenen Weißhelme zu retten.

"Wenn man wollte, könnte man uns mit Schutz vor der Regierung zum internationalen Flughafen von Damaskus bringen", sagte der im Süden Syriens ausharrende Teamleiter. Wo ein Wille sei, da sei schließlich auch ein Weg. "Holt uns einfach hier raus. Wenn wir rauskommen, können wir anderen unsere Hilfe anbieten. Wir sind ausgebildet, Leben zu retten."

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