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Vor türkischer Offensive - Kurden in Nordsyrien bereiten sich auf Angriff vor

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Ein Angriff der Türkei gegen die Kurden in Nordsyrien wird seit Tagen erwartet. Die Kurden rufen ihre Kämpfer zu einer Generalmobilmachung auf - und die Bevölkerung zum Widerstand.

Türkische Truppen an syrischer Grenze  am 04.10.2019
Türkische Truppen an syrischer Grenze
Quelle: picture alliance / AA

Die kurdisch geführte zivile Verwaltung in Nordsyrien hat angesichts eines erwarteten Einmarsches der Türkei zu einer Generalmobilmachung im Grenzgebiet aufgerufen. "Wir rufen unser Volk aus allen ethnischen Gruppen auf, sich in die Gebiete an der Grenze zur Türkei zu bewegen, um Widerstand während dieser sensiblen historischen Zeit zu leisten", teilte die autonome Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien mit. Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, Verantwortung zu übernehmen, da "eine humanitäre Katastrophe über unser Volk hereinbrechen könnte".

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag überraschend verkündet, dass amerikanische Soldaten aus der Grenzregion abgezogen werden sollten. Dadurch wird ein türkischer Einmarsch in Syrien ermöglicht. Kritiker und die Kurden selbst werfen Trump vor, Verbündete im Stich zu lassen. Trump drohte der Türkei mit dem Zerstören ihrer Wirtschaft, sollte sie in Syrien zu weit gehen.

Türkei: Einmarsch "in Kürze"

Der Einmarsch in Syrien wird "in Kürze" stattfinden, wie der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun in einem Meinungsbeitrag in der "Washington Post" vom Dienstag schrieb. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits am Samstag erklärt, türkische Truppen stünden bereit, "heute oder morgen" gegen die kurdische Miliz YPG vorzugehen. Diese hatte entscheidenden Anteil am von den USA unterstützten Kampf und Sieg gegen die Terrormiliz IS.

US-Präsident Donald Trump will die amerikanischen Truppen aus Nordsyrien abziehen. Mit den US-Soldaten verschwindet aber auch der Schutz für die dort lebenden Kurden vor der Türkei.

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Erdogan betrachtet die YPG als Verbündeten von kurdischen Untergrundkämpfern in der Türkei und deswegen als terroristische Organisation, die von der türkischen Grenze ferngehalten werden müsse. Altun schrieb, die Türkei wolle syrisch-kurdische Kämpfer im Nordosten Syriens "neutralisieren" und die lokale Bevölkerung "vom Joch der bewaffneten Schläger befreien".

IS-Terroristen greifen kurdische Kämpfer in Al-Rakka an

Die Türkei zieht seit Tagen Soldaten an der Grenze zusammen. Gemeinsam mit verbündeten syrischen Rebellengruppen wolle sie gegen Kurden sowie den IS kämpfen, hieß es. Die internationale Gemeinschaft solle sich hinter Ankara stellen, forderte Altun.

Die Kurden machten sich derweil nicht nur für einen Angriff der Türkei bereit: IS-Terroristen griffen am Mittwochmorgen Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte im Norden Syriens an. Sie hätten in der Stadt Al-Rakka einen Posten attackiert und dafür drei Selbstmordattentäter eingesetzt, teilten die SDF mit. Al-Rakka war einst die De-facto-Hauptstadt des IS, der dort sein sogenanntes Kalifat ausgerufen hatte.

Ankara: Erdogan und Putin im Telefon-Kontakt

Unterdessen haben Erdogan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin telefoniert. Erdogan sagte in dem Gespräch am Mittwoch nach Angaben des Präsidialamts in Ankara, dass der geplante Einsatz im Osten des Flusses Euphrats zu Frieden und Stabilität in Syrien beitragen werde. Zudem werde er den Weg für den politischen Prozess freimachen. Das Amt teilte weiter mit, Erdogan habe versichert, dass die Rechte und Interessen des syrischen Volkes Priorität für die Türkei hätten. Ankara schätze dazu die konstruktive Haltung Russlands.

Aus Moskau gab es zunächst keine offizielle Bestätigung für das Gespräch. Moskau unterstützt im syrischen Bürgerkrieg den Präsidenten Baschar al-Assad, Ankara dagegen die Rebellen.

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