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Vorstoß syrischer Truppen - Hilfskonvoi für Ost-Ghuta verschoben

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Die Lage in Ost-Ghuta wird immer verzweifelter. Laut Berichten haben die syrischen Truppen mehr als die Hälfte des Gebietes eingenommen. Ein neuer Hilfskonvoi kann nicht starten.

Wegen schwerer Gefechte in der syrischen Region Ost-Ghuta hat das Internationale Rote Kreuz eine geplante weitere Hilfslieferung in das Kriegsgebiet gestoppt. Die Organisation fürchtete um die Sicherheit der Helfer.

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Syrische Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen haben offenbar die Hälfte des von Rebellen gehaltenen Gebiets Ost-Ghuta bei Damaskus eingenommen. Die Truppen hätten die belagerte Enklave damit de facto zweigeteilt, berichteten syrische Staatsmedien sowie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

"Taktik wie in Ost-Aleppo 2015"

Die Regierungsverbände seien in die Siedlungen und Gehöfte von Beit Saua und Al Aschari vorgedrungen, sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur. Sie hätten den Nordteil der Region Ost-Ghuta um die Städte Duma und Harasta vom Südteil um Hamurijeh und Arbin getrennt.

Seit Beginn ihres Vormarsches haben die regierungstreuen Truppen den Angaben nach nun rund die Hälfte des Rebellengebietes in der Region Ost-Ghuta erobert. Sie verfolgten dabei "dieselbe Taktik wie in Ost-Aleppo 2015", sagte Abdel Rahman. "Erst spalten sie die Region und dann werden die Zivilisten in ein kleines Gebiet gedrängt." Er erwarte, dass die Regierungstruppen nun den Beschuss dieser Gebiete verstärken würden, in denen die Zivilisten zusammengedrängt seien. "Das geschieht unter den Augen der Weltgemeinschaft und die Zivilbevölkerung von Ost-Ghuta zahlt wieder einen hohen Preis", sagte er. Etwa 400.000 Menschen sind in dem umkämpften Gebiet eingeschlossen.

Hilfswerk verschiebt Hilfskonvoi

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat einen für heute geplanten Hilfskonvoi nach Ost-Ghuta wegen der Gewalt verschoben. Es sei unklar, wann der Transport stattfinden könne, sagte eine Sprecherin. "Die Situation am Boden entwickelt sich schnell, was es uns nicht erlaubt, den Einsatz unter solchen Bedingungen durchzuführen." Vor wenigen Tagen hatte erstmals seit Wochen ein Hilfskonvoi Ost-Ghuta erreicht. Die humanitären Hilfsgüter von 14 der 46 Lastwagen konnten aber wegen der Gewalt nicht vollständig entladen werden.

Ost-Ghuta erlebt seit Mitte Februar die schwersten Angriffe syrischer Regierungstruppen seit Beginn des Konflikts vor rund sieben Jahren. Allein am Mittwoch seien bei Bombardierungen 86 Zivilisten ums Leben gekommen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Damit erhöhte sich die Zahl der getöteten Zivilisten seit Beginn der Angriffe am 18. Februar auf fast 900.

UN-Sicherheitsrat fordert Umsetzung der Waffenruhe

UN-Menschenrechtshochkommissar Said Raad al-Hussein kritisierte in Genf Aussagen der syrischen Regierung, sie tue ihr Bestes für den Schutz von Zivilisten. Die Aussagen seien "ehrlich gesagt lächerlich", sagte er unter Verweis auf "willkürliche, brutale Angriffe" der syrischen Streitkräfte. Vor Ort in Ost-Ghuta können sich Zivilisten offenbar nirgendwo sicher fühlen. Dort eingesetzte Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sagten, einige Bewohner hätten zwei Wochen lang kein Sonnenlicht gesehen, weil sie im unterirdischen Bereich Schutz suchten.

In New York wiederholte der UN-Sicherheitsrat unterdessen seine Forderung, die Resolution für eine landesweite Waffenruhe vom 24. Februar müsse umgesetzt werden. Die bisherigen Anstrengungen für eine Umsetzung der Resolution seien "absolut und vollkommen unzureichend", sagte etwa der schwedische UN-Botschafter Olof Skoog. "Wir sehen minimale Zeichen von den syrischen Behörden, um die Resolution umzusetzen." Die Resolution sieht eine mindestens 30-tägige Feuerpause vor, um Hilfslieferungen und den Abtransport von Kranken und Verletzten zu ermöglichen.

Kommen die Hilfslieferungen?

In Ost-Ghuta sind rund 400.000 Menschen vom Beschuss der Regierungsstreitkräfte betroffen. Seit dem Start der Offensive am 18. Februar sind nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 800 Zivilisten getötet worden. Das russische Militär unterstützt nach eigenen Angaben die syrischen Truppen.

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