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Flüchtling auf der Schwäbischen Alb - Syrer löst Farbrätsel aus der Steinzeit

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Schwäbische Alb statt Aleppo: Ein geflüchteter Forscher aus Syrien hat dabei geholfen, ein Farbrätsel aus der Steinzeit zu lösen.

Fund des Jahres aus dem Hohle Fels
Fund des Jahres aus dem Hohle Fels: Farbauftrag aus der Steinzeit entschlüsselt
Quelle: urmu

Der Hohle Fels ist etwa eine halbe Stunde mit dem Auto von Ulm entfernt. Er gehört zu den Prachtexemplaren der Schwäbischen Alb: Die Höhle besteht aus einem etwa 15 Meter langen Gang, der zu einer rund 500 Quadratmeter großen Fläche führt. Es ist eine der größten Höhlen der Schwäbischen Alb.

Farbkleckse auf Steinen

In Spanien und Frankreich gibt es Höhlen mit Wandmalereien, die zum Beispiel einen Stier zeigen. Auf der Alb geht es da etwas bescheidener, eben schwäbischer zu: Bislang wusste man nur von kleinen roten Punkten auf faustgroßen Steinen. Die etwa fünf Millimeter breiten Farbkleckse sind rund 15.000 Jahre alt. Warum sich unsere Vorfahren die Mühe machten, die Steine zu verzieren, ist unklar.

Unklar war lange Zeit auch, wie die Farbe aufgetragen wurde. Doch nun sind Forscher der Universität Tübingen einen Schritt weiter: Ein geflüchteter Forscher aus Syrien hat ein Werkzeug gefunden, mit dem wohl die Farbpigmente zerrieben wurden. Eigentlich forscht Firas Dabbour in Aleppo zu den berühmten Tempelanlagen. Doch aufgrund des Bürgerkrieges musste er fliehen. Mittlerweile haben die IS-Terroristen viele Kulturgüter zerstört.

Fund des Jahres aus dem Hohle Fels: Geröll mit Farbspuren
Fund des Jahres aus dem Hohle Fels: Geröll mit Farbspuren
Quelle: Universität Tübingen

Hämatit sorgt für tiefrote Farbe

Vor gut einem Jahr, am 28. Juni 2018, fand Dabbour einen Stein, der nach einem Werkzeug aussah. Der Stein hat einerseits viele polierte Stellen, andererseits viele Farbreste. Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass es sich um einen Mahlstein handelt, der wohl vor 30.000 Jahre dazu benutzt wurde Farben herzustellen. "Die Farbreste wurden nicht aus ästhetischen Gründen aufgetragen, sondern sind Reste, die am Werkzeug hängengeblieben sind", berichtet Nicholas Conard. Der Archäologie-Professor leitet die Forschungsarbeiten auf der Alb.

Bislang war nur "wenig darüber bekannt, wie die ersten modernen Menschen in Europa die mineralischen Farbbrocken aufbereitet und genutzt haben", sagt Conard. Nun wisse man, "wie Farbe in die Altsteinzeit kam". Die rote Farbe besteht aus Erdpigmenten aus Ocker oder Rötel. Das Material sei teilweise sehr weich, könne sogar mit den Fingern zerbröselt werden, berichtet Conard. Die rote Farbe gehe wohl auf das Mineral Hämatit zurück, das im Rötelstein enthalten ist: Der Hämatit sorgt für eine tiefrote Farbe. "Wir haben die Substanz chemisch analysiert. Alles spricht dafür, dass es sich um einen lokalen Farbstoff handelt", sagt Conard.

Schwäbische Alb als Steinzeit-Bilderbuch

Wir haben es nicht mit primitiven Menschen zu tun. Sie waren so intelligent und kreativ wie wir.
Archäologie-Professor Nicholas Conard

Die Schwäbische Alb sah vor 30.000 Jahren wie ein Steinzeit-Bilderbuch aus: Wo heute Rinder oder Schafe weiden, lebten früher Löwen, Rentiere und Mammuts, die von Männern gejagt wurden. Die Frauen kümmerten sich um das Sammeln von Beeren und Pflanzen; vom Ackerbau waren die Menschen noch weit entfernt.

Auch wenn der Farb-Mahlstein für eine Steinzeit-Technologie steht, sei der Steinzeit-Mensch dem modernen Menschen sehr ähnlich, sagt Conard. "Wir haben es nicht mit primitiven Menschen zu tun. Sie waren so intelligent und kreativ wie wir heute", betont der Archäologe. Schon in der Steinzeit hätten die Menschen über ein komplexes Sprachvermögen verfügt.

Rote Punkte mit "alltäglichem Zusammenhang"

Warum die Menschen auf der Schwäbischen Alb manche Steine mit roten Punkten versehen haben, ist nach wie vor ein Rätsel. Da es sich nur um kleine Punkte handelt, gibt es keine Hinweise auf figürliche Darstellungen. Anders als etwa in Höhlen in Südafrika sind die Steine auf der Schwäbischen Alb auch nicht mit Bestattungen oder sakralen Handlungen in Verbindungen zu bringen. "Wir gehen davon aus, dass die Farben einen alltäglichen Zusammenhang haben", berichtet Conard. Es gibt also noch viel zu tun für die Forscher auf der Schwäbischen Alb, wenn es darum geht, eine Zeitreise zu machen - und zwar ganze 30.000 Jahre zurück.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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