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Favela-Turnier: Die Chance ihres Lebens

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Rios "Taca das Favelas" - Favela-Turnier: Die Chance ihres Lebens

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Tausende Jungen und Mädchen aus den Favelas ganz Rio de Janeiros kämpfen um die "Taca das Favelas". Heute steigt das Finale - und es wird sogar live im Fernsehen übertragen.

Auf ins Finale: Die Turnierfavoritinnen von Corte Oito.
Auf ins Finale: die Turnierfavoritinnen von "Corte Oito".
Quelle: CUFA

Kein Hybridrasen, keine VIP-Logen, keine Ablösesummen: Bei der "Taca das Favelas Rio", dem Amateurfußballturnier der Armenviertel in Rio de Janeiro, geht es ohnehin nicht ums große Geld. Es geht um Anerkennung und Respekt - die Grundwerte, die der Fußball im Zeitalter der Spielerberater, Korruptionsskandale und Marketingstrategien ein klein wenig verloren hat.

Wir haben die Fähigkeit, verschiedene Favelas zu motivieren und zu integrieren.
Celso Junior, Turnierdirektor

"Die 'Taca das Favelas' zeigt Jahr für Jahr, dass der Wettbewerb mehr ist als nur ein Fußballturnier. Wir haben die Fähigkeit, verschiedene Favelas zu motivieren und zu integrieren", sagt Turnierdirektor Celso Junior. Ein großer Erfolg, denn nicht selten verhindern Feindschaften von rivalisierenden Gangs in den Armenvierteln ein friedliches Zusammenleben. Dort, wo bisweilen das Überschreiten unsichtbarer Grenzen von Gang-Revieren ein Todesurteil bedeuten kann, gibt es plötzlich ein Miteinander: "Es gelingt, dass sich die Bewohner der unterschiedlichen Territorien friedlich zusammenfinden", beschreibt Celso Junior den vielleicht größten Erfolg des inzwischen beeindruckend großen Favela-Turniers.

Zweikampf bei der „Taca das Favelas“.
Zweikampf bei der "Taca das Favelas"
Quelle: CUFA

Turnier findet zum achten Mal statt

In ihrer achten Auflage hat die "Taca das Favelas Rio" mehr als 96.000 Jungen und Mädchen in 240 Favelas während der verschiedenen Turnierphasen zusammengebracht. In der Endrunde waren schließen 84 Jungen- und Mädchenteams dabei, die die Teilnehmer für das Finale am Samstagabend im Stadion Moca Bonita in Bangu ermittelten.

Bei den Jungenteams dürfen die Spieler nur zwischen 14 und 17 Jahre alt sein, bei den weiblichen Mannschaften gibt es keine Altersbeschränkung. Organisiert wurde das ganze Spektakel von der Central Unica das Favelas (CUFA). Die Finalteilnehmer kämpfen schließlich um die Trophäe "Ari Pila". Benannt ist sie nach einem der wichtigsten Initiatoren des Turniers, der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Bringen die meisten Fans mit: Gogo da Ema
Bringen die meisten Fans mit: "Gogo da Ema", ein Finalist bei den Jungenteams
Quelle: CUFA

Spaß und Zusammenhalt sind die Hauptsache

Das Turnier mag zwar sportlich nicht den Stellenwert eines Nachwuchswettbewerbs moderner Leistungszentren haben, doch das steht ohnehin nicht im Vordergrund. Das hat auch der Fernsehsender SportTV erkannt, der die beiden Finalspiele am Wochenende live übertragen wird. Übrigens mit anerkannten Feldreportern wie Grafite, dem ehemaligen Bundesligaspieler, der mit dem VfL Wolfsburg 2009 Deutscher Meister wurde.

Jetzt sind wir so weit gekommen, haben so viele Schwierigkeiten überwunden, jetzt wollen wir auch gewinnen.
"Curral da Éguas"-Trainerin Monique Oliveira

"Wir haben einige Spielerinnen verloren. Aber wir haben ein Trikot und die anderen respektieren uns", sagt Trainer Carlao vom favorisierten Team "Corte Oito", das bereits 2016 und 2017 den Pokal gewinnen konnte. Seine Mannschaft stammt aus der Vorstadt Duque de Caxias, weit weg von den weltberühmten Stränden der Copacabana und Ipanema. "Wir wollen unbedingt den dritten Titel. Wir werden alles in die Waagschale werfen", verspricht Carlao.

Doch das wird nicht einfach werden. Gegner ist "Curral da Éguas", die Mannschaft, die bisher die meisten Tore im Turnier erzielte. "Jetzt sind wir so weit gekommen, haben so viele Schwierigkeiten überwunden, jetzt wollen wir auch gewinnen", sagt Trainerin Monique Oliveira.

Zwei Stunden nach dem Finale der weiblichen Teams stehen sich im Jungenfinale "Gogo da Ema" und "Patativas de Campo Grande" gegenüber. Die Veranstalter erwarten ein volles Stadion. "Es wird sehr schwer sein, jemanden zu finden, der motivierter ist als unsere Leute", sagte Goga-Trainer Vinicius Gilo und meint damit nicht seine eigenen Spieler, sondern auch die mitgereiste Unterstützung aus der Favela in Belford Roxo: "Unsere Leute werden die Tribüne füllen."

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