Wenn Eltern gewalttätig werden

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Kindesmisshandlung - Wenn Eltern gewalttätig werden

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Am "Tag der gewaltfreien Erziehung" geht es um das Recht von Kindern, nicht geschlagen zu werden. Gewalt gibt es in Familien quer durch die Gesellschaft, unabhängig vom Einkommen.

Schatten eines Kindes, dass versucht, sich vor einem Erwachsenen zu schützen (Symbolbild)
Eltern, die Kinder schlagen, schütteln oder anders misshandeln - das passiert in Deutschland rund 70 Mal pro Woche. Die Dunkelziffer ist noch höher.
Quelle: dpa

Jede Woche werden rund 70 Kinder so massiv misshandelt, dass sie ärztliche Hilfe brauchen. Etwa drei Kinder sterben jede Woche an den Folgen ihrer Misshandlung. Das ermittelte die Bundesärztekammer für das Jahr 2017. Die Dunkelziffer ist weit höher. Experten gehen von 200.000 Kindesmisshandlungen pro Jahr in Deutschland aus.

Die Ärzte im Universitätsklinikums Heidelberg stellten während der vergangenen sieben Jahre bei etwa 800 Kindern Fremdeinwirkung durch Erwachsene fest. Bei rund 150 Fällen waren die Verletzungen sogar so schwer, dass die Kinder gleich den Familien weggenommen wurden.

Kurzschlussreaktion überforderter Eltern

Was geht in einer Mutter oder einem Vater vor, die ihr Kind schlagen oder anderweitig misshandelt? Kathrin Yen ist ärztliche Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg und plant eine Ambulanz für Gewaltopfer. Sie sagt, dass Gewalt gegen Kinder oftmals unabhängig von Einkommen oder sozialem Status auftritt, sondern häufig mit Überforderung zu tun habe. Eine Kurzschlussreaktion führe dann zu Gewalt. Die verletzten Kinder kämen allerdings oft aus einem familiären Umfeld, in dem Gewalt bereits vorherrscht.

Gerade Schütteltraumata bei Säuglingen sind keine Seltenheit. "Schüttelkinder kommen oft als akute Notfälle in die Klinik. Sie atmen nicht mehr, laufen blau an, sind nicht mehr ansprechbar", sagt Yen. "Das sind dramatische Symptome, die man feststellen kann, wenn ein Kind kräftig geschüttelt worden ist." Das führe meistens dazu, dass die Kinder von den Eltern ins Krankenhaus gebracht werden - auch wenn die selbst die Schuld daran tragen.

Schüttelkinder kommen oft als akute Notfälle in die Klinik. Sie atmen nicht mehr, laufen blau an, sind nicht mehr ansprechbar.
Kathrin Yen, ärztliche Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg

Was können Eltern und Familienangehörige tun?

Bevor es zur einer solchen Kurzschlussreaktion kommt, rät Yen: "Wenn man überfordert ist und merkt, es geht nicht mehr, ist es immer das Beste, erstmal den Raum zu verlassen, bevor man dem Kind etwas antut." Sie empfiehlt etwa, das Kind ins Bett oder den Laufstall zu legen, wo es sicher ist, und kurz das Haus zu verlassen. Im Notfall müsse man sich Hilfe holen - entweder bei Freunden, Familie oder aber professionell. So könne man sich etwa an Polizei oder Opferberatungsstellen wenden.

Auch wer innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis Gewalt an Kindern vermutet, sollte schnellstmöglich Handeln.

Das vollständige Interview mit Kathrin Yen gibt's hier:

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