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Nach blutigen Zusammenstößen - Gaza trauert - Sorge vor Eskalation wächst

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Viele Tote, Hunderte Verletzte - am Tag nach den Unruhen herrscht Trauer im Gazastreifen. Zugleich setzen Palästinenser ihre Proteste fort. Die Sorge vor einer Eskalation wächst.

Palästinensische Demonstranten setzen ihren Protest an der Grenze zu Israel fort. Bei blutigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften waren zuvor mindestens 16 Menschen getötet worden.

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Nach den blutigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften haben palästinensische Demonstranten im Gazastreifen ihre Protestaktionen an der Grenze zu Israel fortgesetzt. Bei Massenprotesten waren am Freitag nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen von israelischen Soldaten getötet und mehr als 1.400 weitere verletzt worden. Die Demonstranten versammelten sich am Samstag in einem Zeltcamp an der Grenze, um ihre Proteste für ein "Recht auf Rückkehr" nach Israel weiterzuführen.

Guterres will unabhängige Ermittlungen

Die Unruhen im Gazastreifen schüren international Sorgen vor einer neuen Eskalation der Gewalt in Nahost. UN-Generalsekretär António Guterres forderte "unabhängige und transparente Ermittlungen" zu den Vorfällen vom Freitag. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief einen Tag der Trauer aus. Tausende Menschen nahmen an der Bestattung der Getöteten teil.

Nach palästinensischen Medienberichten waren am Freitag mehr als 20.000 Menschen zu dem "Marsch der Rückkehr" an der Grenze zu Israel gekommen. Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein "Recht auf Rückkehr" für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

UN dringen auf Friedensprozess

Der UN-Sicherheitsrat trat wegen der Gewalteskalation in der Nacht zum Karsamstag zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammen, konnte sich aber nicht zu einer gemeinsamen Entschließung durchringen. Die Vereinten Nationen fürchten, dass sich die Situation in Gaza in den kommenden Tagen weiter zuspitzen könnte. UN-Chef Guterres rief die Beteiligten auf, auf jegliche Handlungen zu verzichten, die zu weiteren Todesfällen führen oder die Zivilbevölkerung gefährden könnten. Die Tragödie vom Freitag zeige die Dringlichkeit, mit der der Friedensprozess im Nahen Osten wiederbelebt werden müsse, um es Palästinensern und Israelis zu ermöglichen, in Frieden und Sicherheit als Nachbarn zu leben.

Der palästinensische UN-Botschafter Rijad Mansur sagte, sein Land betrachte das Vorgehen Israels als "ein riesiges Massaker gegen unser Volk". Ägypten verurteilte "den übermäßigen Einsatz von Gewalt" gegen "friedliche Märsche" der Palästinenser scharf. In einer Erklärung betonte das ägyptische Außenministerium in Kairo zugleich das Recht der Palästinenser, einen eigenen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt zu gründen. Auch Iran kritisierte die Gewalteskalation. "Zionistische (israelische) Tyrannen haben friedlich demonstrierende Palästinenser, deren Land sie gestohlen haben, ermordet", twitterte Außenminister Mohamed Dschawad Sarif. Iran unterstützt die radikal-islamische Hamas in Gaza und betrachtet Israel als seinen Erzfeind.

Israel spricht von Terrorakt

Israel warf der im Gazastreifen herrschenden Hamas dagegen eine gezielte Provokation vor. "Was wir gestern gesehen haben, war ein organisierter Terrorakt", sagte der israelische Armeesprecher Ronen Manelis. Nach seinen Angaben waren alle Todesopfer Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren. "Die große Mehrheit von ihnen kennen wir als Terroraktivisten", sagte Manelis. Insgesamt hätten an dem Marsch rund 30.000 Palästinenser teilgenommen, die große Mehrheit davon Frauen und Kinder. Doch nur wenige Tausend seien bis zum Grenzzaun vorgedrungen.

Der Militärsprecher warf der Hamas-Führung vor, auf zynische Weise Frauen und Kinder zu gefährden. Man könne keinesfalls von einer friedlichen Demonstration an der Gaza-Grenze sprechen. Viele Palästinenser hätten "pure Gewalt" eingesetzt und Soldaten mit Steinen und Brandsätzen beworfen, Reifen in Brand gesetzt und versucht, den Grenzzaun zu beschädigen. Es habe auch Versuche gegeben, Raketen auf Israel abzufeuern. Nur aktive Gewalttäter seien getötet worden, keine friedlichen Demonstranten, betonte er.

Bundesregierung "äußerst besorgt"

Der Nahost-Experte Marc Frings sieht nun die Möglichkeit einer weiteren Eskalation in den Palästinensergebieten. "Das ist die Gefahr, dass dies nur der Anfang einer Welle von Unruhen ist", sagte der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Ramallah. "Uns steht bis Mitte Mai eine Phase der absoluten Unsicherheit bevor." Die Frage sei, ob es etwa die radikal-islamische Hamas schaffe, weitere Unruhen anzuzetteln. Der Schock über die hohe Zahl der Toten könne auch die Menschen im Westjordanland auf die Straßen treiben.

Die Bundesregierung zeigte sich "äußerst besorgt" über die Zusammenstöße. "Wir rufen die Beteiligten dringend dazu auf, alles zu unterlassen, was eine weitere Eskalation hervorrufen und erneut Menschen gefährden würde", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. "Dieser Vorfall zeigt erneut, wie dringend nötig es ist, dass beide Seiten wieder Verhandlungen aufnehmen. Nur so kann eine Lösung gefunden werden, die allen Menschen zwischen Mittelmeer und Jordan ein Leben in Würde und Selbstbestimmung erlaubt."

Die Proteste im Gazastreifen sollen bis zum 15. Mai dauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700 000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnen.

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