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Monsanto-Mutter in der Krise - Bayers Tag der Wahrheit

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Bei der Hauptversammlung der Bayer-Aktionäre hagelt es Kritik am Konzern. Dabei präsentiert Vorstandschef Baumann gute Geschäfte. Doch darum geht es nur am Rande.

Auf der Hauptversammlung des Chemie-Konzerns spüren die Chefs den Zorn ihrer Aktionäre. Der Aktienkurs ist seit dem Kauf der Firma Monsanto im Keller.

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"Erfolgreich und schwierig" sei das Geschäftsjahr gewesen, konstatierte Bayer-Chef Werner Baumann, und da hat er wohl Recht. Das Schwierigste war dabei wohl weniger, geschäftliche Erfolge einzufahren, als vielmehr, Prozessrisiken in den USA zu managen. Dort agiert das Unternehmen als Eigentümer des Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Herstellers Monsanto inzwischen mehr vor Gericht als auf Beeten und Feldern.

Mit derzeit 13.400 Klagen wegen angeblicher gesundheitlicher Schäden durch das glyphosathaltige Monsanto-Mittel "Roundup" könnte man schon finden, "viel Feind‘, viel Ehr‘" – wenn es nicht so ernst wäre. Zwei Urteile von US-Gerichten sprachen krebserkrankten Klägern jeweils 70 Millionen Dollar zu. Das, multipliziert mit 13.400, wäre das ultimative Risiko für Bayer und damit das Ende des Unternehmens. In der Bilanz hat man für diese Risiken exakt null Euro zurückgestellt. Das erscheint inzwischen als, nun ja, mutig. Zugegeben, es wäre auch schwierig, die hierfür erforderliche genaue Summe überhaupt zu ermitteln.

Bayer Hauptversammlung 2019 in Bonn, aufgenommen am 26.04.2019
Tag der Wahreit: Bayer-Hauptversammlung 2019 in Bonn
Quelle: dpa

Von der "Apotheke der Welt" zum Saat-und-Unkraut-Garten-Zwerg

Die Zahlenspiele sind natürlich hoch theoretisch, und Baumann spricht im Bonner Kongresszentrum vor den Anteilseignern viel lieber von 44 Prozent Steigerung des Konzerngewinns und der Dividende von 2,80 Euro. Der Verlust an der Börse, wo der Bayer-Kurs um die 61 Euro pendelt, frisst dies allemal auf. Bayer hat an die 60 Milliarden Euro für Monsanto bezahlt, dann noch einmal 30 Milliarden Börsenwert verloren – man mache die Rechnung auf. Das Unternehmen ist insgesamt gerade mal noch 60 Milliarden Euro wert, natürlich inklusive Monsanto, schimpfen die Aktionäre und befürchten schon eine Übernahme und Zerschlagung des Konzerns.

Bayer sorgt auch an der Börse für Gesprächsstoff. ZDF-Börsenexpertin Sina Mainitz berichtet.

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Der Weg vom weltweit bedeutenden Pharmaunternehmen, das einst den Ruf begründete, Deutschland sei die "Apotheke der Welt", zum Saat-und-Unkraut-Garten-Zwerg ist die pessimistische Sicht der Dinge. Wovon auf der Hauptversammlung, Ende offen, heute nicht die Rede war: In den USA läuft inzwischen auf Druck der US-Richter ein Mediationsverfahren. Darin könnte sich Bayer, obschon von der Harmlosigkeit des Unkrautvernichters überzeugt, zu Kompromisszahlungen bereiterklären.

1,7 Millionen Euro Erfolgsbonus für Vorstandschef Baumann

Das hätte immerhin den Vorteil, dass der Schaden endlich bezifferbar würde.  Denn die Unsicherheiten sind es, die große Investoren nerven, darunter etwa die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment. "Hätte Bayer nicht etwas anderes kaufen können als ausgerechnet Monsanto?", so die stoßseufzerähnliche Frage der Großaktionäre, die übrigens dem Vorstand, teils sogar dem Aufsichtsrat die Entlastung für 2018 verweigern. Das bleibt folgenlos, ist aber hoch peinlich. Für das Geschäftsjahr hat Vorstandschef Baumann immerhin 1,7 Millionen Euro Erfolgsbonus erhalten.  

Andere Gedankenspiele trauern der Chance nach, sich gar nicht mehr groß im Pflanzensektor hervorzutun, stattdessen als eindeutigen Pharmakonzern aufzustellen. Derzeit ist dieser Zug natürlich abgefahren. Aber noch im Sommer 2018, als sich die Klagen zu häufen begannen, hätte Bayer gegen Zahlung von zwei Milliarden Dollar die Übernahme abbrechen können. Eine aus heutiger Sicht sehr überschaubare Summe, und der Vorstand hätte sich fortan wieder um die geschäftlichen Dinge kümmern können.

Es geht auch um Arbeitsplätze und Altersversorgung

Aber auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat halten still - es geht um Arbeitsplatzerhalt, um die Altersversorgung der Mitarbeiter und andere naheliegendere Themen. Zahlreich wie immer auf der Hauptversammlung die Mitarbeiter-Aktionäre und Pensionäre des Unternehmens, die ihrem Ärger über den Aktienkurs Luft machen. Doch die Phalanx der Verteidiger steht - in der "Festung Leverkusen", wie das "Manager-Magazin" jüngst schrieb. Ob deren Durchhaltewillen siegt über die Macht des Faktischen, man wird es in Zahlen ausdrücken können, eines Tages. Heute aber war der Tag der Wahrheit.

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