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Hitzige Debatte über Artenschutz - Comeback des Wolfs - Erfolg oder Gefahr?

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Der Wolf ist zurück in Deutschland. Aus Sicht des Artenschutzes erfreulich, doch Landwirte und Schäfer sind aufgebracht. Die Debatte um das Wildtier ist emotional aufgeladen.

Wölfe
Eigentlich ein voller Erfolg: wenn eine schon ausgerottete Tierart wieder Fuß fasst. So denken aber nicht alle Menschen in Deutschland.
Quelle: dpa

Es gleicht einer Erfolgsgeschichte: Die Wolfspopulation in Deutschland wächst seit knapp 20 Jahren jährlich um 36 Prozent. Eine Entwicklung, die in starkem Kontrast zum weltweit rasanten Verlust der biologischen Vielfalt steht. Faktisch galt der Wolf - lateinisch Canis lupus - hierzulande seit Mitte des 19. Jahrhunderts als ausgerottet. Nun ist er wieder da und streng geschützt; der Schutzstatus ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Und auch eine entsprechende EU-Richtlinie schreibt den zwingenden Schutz der vom Aussterben bedrohten Wölfe vor.

Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ist der Wolf in sieben Bundesländern sesshaft: in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Bayern wurde ein Rudel gesichtet; es ist aber nicht sicher, ob es dort heimisch wird. Insgesamt gibt es in Deutschland 73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und drei sesshafte Einzeltiere.

Doch die Zunahme der Wolfspopulation erregt zunehmend die Gemüter. Landwirte und Schäfer sehen im Wolf eine große Gefahr. Denn für das Raubtier zählen Nutztiere wie Schafe, Rinder und Ziegen zur Beute. Für deren Halter entwickelt sich der streng geschützte Wolf langsam zum Problemtier. Daher fordern immer mehr geschädigte Bauern und Schäfer die Bejagung der streng geschützten Art.

Schafherde unter Bäumen
Quelle: ap

Zum Tag des Artenschutzes entgegnet darauf aber die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel: "Es braucht einen flächendeckenden und den Anforderungen entsprechenden Herdenschutz - an diesem führt kein Weg vorbei. Eine allgemeine Bejagung von Wölfen ist dagegen nicht geeignet, um Nutztierschäden zu reduzieren, da ungeschützte Nutztiere weiterhin eine leicht zu erlangende Beute darstellen."

Zuschüsse für präventive Maßnahmen

Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) finden die meisten Übergriffe auf Nutztiere vor allem dort statt, wo sich Wölfe in neuen Territorien ansiedeln und sich Landwirte oder Schäfer noch nicht auf deren Anwesenheit eingestellt haben. Meist kommt es dabei zu Mehrfachtötungen. Nach Angaben des DBBW wurden in Deutschland 2017 pro Wolfsübergriff durchschnittlich 3,6 Tiere getötet.

Das schürt die Angst der Wanderschäfer. Sie kämpfen ohnehin schon ums wirtschaftliche Überleben. Steigende Pachtpreise für Weideflächen, niedrige Prämienzahlungen aus Brüssel und die Gefahr durch Wolfsangriffe - diese Faktoren führen zum Ruin der deutschen Schafzucht. "Ich kann doch Schafe nicht das ganze Jahr im Stall halten, das hat nichts mehr mit der natürlichen Haltung von den Tieren zu tun", klagt Veronika Fengler, Schäferin in Brandenburg.

Passend zum Thema ist der Film "Schäfer in Not - Ein Traditionsberuf vor dem Ende" aus der Reihe planet e - zu sehen hier in der Mediathek:

Deutschlands Wanderschäfer schlagen Alarm. Sie können von ihrem Beruf nicht mehr leben. Viele Schäfer müssen ihre Betriebe aufgeben.

Beitragslänge:
28 min
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In allen Bundesländern mit etablierten Wolfsvorkommen gibt es mittlerweile staatliche Zuschüsse für präventive Maßnahmen zum Schutz von Schafen, Ziegen und Wild in Gatterhaltung. Wurde jedoch der Schutzzaun unzureichend angebracht oder stellt sich durch einen DNA-Test heraus, dass nicht der Wolf der Täter war, gibt es keinerlei staatliche Entschädigung. Der Entschädigungsbetrag etwa für ein Schaf liegt bei circa 300 Euro.

Doch Elektrozäune sowie Jagdhunde oder Hütehunde helfen nur bedingt und führen nicht selten zu Wiederholungsangriffen. Daher fordern Landespolitiker und Geschädigte Ausnahmeregelungen für den Abschuss sogenannter Problemwölfe.

Tötung nur in Ausnahmefällen

Auch weiß BfN-Präsidentin Beate Jessel eine Antwort: "Für Wölfe, die wiederholt trotz entsprechender Schutzmaßnahmen Weidetiere gerissen haben, ist nach geltendem nationalen wie europäischen Recht ein Abschuss möglich." WWF-Experte für Wildtiere, Moritz Klose, meint dazu: "Einer Tötung von Wölfen stimmen wir nur dann zu, wenn ein Wolf vorbildlichen Herdenschutz mehrfach überwindet." Über eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes im Sinne der Bestandsregulierung von Nutztieren denkt derzeit das Bundeslandwirtschaftsministerium nach. Das Bundesumweltministerium ist aber klar dagegen.

Gibt es nun zu viele Wölfe in Deutschland? Moritz Klose vom WWF bringt es auf den Punkt: "Entscheidend für Wolf-Nutztier-Konflikte ist nicht die Anzahl von Wölfen, sondern das individuelle Lernverhalten eines Wolfes. Wölfe müssen lernen, dass Zäune schmerzhaft und Weidetiere keine einfache Beute sind." Der neue Umgang mit dem Wolf - er muss also trotz erfolgreichen Artenschutzes mitbedacht werden.

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