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Vorstoß in die Schatzkiste der Tiefsee

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Tag des Meeres - Vorstoß in die Schatzkiste der Tiefsee

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Auf dem Meeresgrund lagern Milliarden Tonnen wertvoller Bodenschätze. Viele Staaten erkunden diesen Reichtum bereits. Doch der Tiefseebergbau birgt Risiken für Mensch und Ozean.

Computergrafik: Tiefsee-Bergbau
Zur wirtschaftlichen Nutzung des internationalen Meeresbodens wurden bisland 29 Lizenzen vergeben (Computergrafik).
Quelle: imago

Wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen gehen einige Vorkommen an Land bald zur Neige. So hat inzwischen ein Wettlauf an einem Ort begonnen, an dem bisher unerreichbare Rohstoffe lagern: der Meeresgrund der Ozeane.  

In Tiefen bis zu 5.000 Metern gibt es große Vorkommen von Manganknollen und schwefelhaltigen Metallerzen, den sogenannten Massivsulfiden. Beide Rohstofftypen enthalten Kupfer, Nickel, Kobalt, Gold und Seltene Erden. Sie werden etwa für die Herstellung von Elektromagneten, für Turbinen in Windkraftanlagen und für die Handyproduktion benötigt.

Wetteifern um die Schatzkiste

Zur Erkundung der Tiefseelagerstätten müssen Staaten und Firmen Lizenzen erwerben. Diese werden von der Internationalen Meeresbodenbehörde (IMB) vergeben. Die Behörde reguliert und überwacht alle Aktivitäten zur wirtschaftlichen Nutzung des internationalen Meeresbodens. Bislang hat sie 29 Lizenzen an Lizenznehmer aus 20 verschiedenen Staaten vergeben - darunter auch Deutschland.

Die Versorgung Deutschlands mit Metallrohstoffen ist sehr stark von Importen abhängig.
Thomas Kuhn, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

"Die Versorgung Deutschlands mit Metallrohstoffen ist sehr stark von Importen abhängig", sagt der Geologe Thomas Kuhn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Durch die Energiewende, die wachsende Weltbevölkerung und den wirtschaftlichen Aufholprozess in den Schwellen- und Entwicklungsländern sei künftig mit einer noch stärkeren Nachfrage nach Hochtechnologie-Rohstoffen und damit auch höheren Preisen zu rechnen.

So sucht die BGR derzeit vor Madagaskar nach metallhaltigen Sulfiden, die Kupfer, Zink, Gold und Silber enthalten könnten. Eine weitere Erkundung findet in der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Hawaii und Mexiko statt. Dort ist der Meeresboden in 5.000 Metern Tiefe mit Manganknollen übersät. Wirtschaftliche und technische Aspekte des Abbaus werden überprüft, gleichzeitig wolle man auch Umweltschutzbelange berücksichtigen, so die BGR. "Aktuelle Studien prognostizieren, dass unter den genannten Voraussetzungen die Rohstoffförderung aus der Tiefsee wirtschaftlich sein kann", so Thomas Kuhn.

Neue Industrie mit Nebenwirkungen

Ein Abbau in kommerziellem Maßstab wird wohl erst in einigen Jahren beginnen. Derzeit entwirft die Internationale Meeresbodenbehörde die notwendigen Abbauregeln. Umwelt- und Entwicklungsverbände kritisieren, dass in dem Entwurf bislang vorbeugende Maßnahmen zum Schutz des marinen Ökosystems fehlen. Anlässlich des World Ocean Day fordern sie einen wirksameren Schutz der Meere statt immer neuer Unterstützung für Hightech-Wirtschaft: "Selbst ein internationales Regelwerk für Tiefseebergbau, das Umweltschutz beinhaltet, wird die Zerstörung der Abbaugebiete in Kauf nehmen müssen", sagt Marie-Luise Abshagen vom Forum Umwelt und Entwicklung.  

Die Abbauschäden in den Tiefen der Ozeane bleiben im Verborgenen. Meeresforscher weisen darauf hin, dass der Mineralienentzug das biologische Gleichgewicht in der Tiefsee stören könnte. "Abgesehen von den katastrophalen Auswirkungen auf der Hohen See, müssen wir davon ausgehen, dass der Tiefseebergbau auch nahe der Küsten stattfinden wird und die Menschen von den Auswirkungen direkt betroffen sein werden", so Kai Kaschinski von Fair Oceans.

Massive Folgen für das Ökosystem

Zum Abbau der Bodenschätze würden Planierraupen und große Bohrmaschinen sowie kilometerlange Pumpanlagen zum Einsatz kommen. Dabei entstehen Lärm und Vibrationen, die Wale und Delfine gefährden. Giftige Stoffe wie Öle können aus den Geräten ins Meerwasser gelangen. Zudem würden sich durch das Aufwühlen des Bodens Staubwolken im Wasser bilden, an denen viele Lebewesen ersticken können. Und schließlich könnten beim Zertrümmern des Meeresbodens giftige Metallpartikel frei werden, die von Fischen sowie Krustentieren aufgenommen werden und über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen.

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Redaktion Umwelt.

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