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Tag des Waldes - Kampf um jeden Setzling

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Die Rodung der Wälder hat ein unglaubliches Tempo erreicht: Jede Sekunde verschwindet eine Fläche von 50 Fußballfeldern. In Indonesien verlieren die Orang Utans ihren Lebensraum.

Entwaldete Landschaft in Indonesien
Entwaldete Landschaft in Indonesien Quelle: Brot für die Welt/Christof Krackhardt

Wie schnell lesen Sie? Wenn Sie für diesen Text zwei Minuten brauchen, wird es, wenn Sie fertig sind, weltweit 4.000 Bäume weniger geben. Falls Sie fünf Minuten brauchen, werden 10.000 Bäume gefällt sein. Mit jedem Satz, den Sie lesen, verschwindet ein kleiner Wald. Mit jedem Absatz ein großer. Insgesamt werden Tag für Tag fast drei Millionen Bäume abgeholzt, verbrannt oder gerodet. Auch heute, am Internationalen Tag des Waldes.

Lebensraum für den Orang-Utan schrumpft dramatisch

Besonders in Indonesien schlagen Umweltschützer Alarm. Dort, zum Beispiel auf der Insel Borneo, fallen derart große Waldgebiete der Palmöl- und Holzindustrie zum Opfer, dass Wissenschaftler über ein beispielloses Artensterben berichten. Vor allem der Orang-Utan verliert in dramatischem Tempo seine letzten verbliebenden Lebensräume. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie reduzierte sich der Bestand der rothaarigen Menschenaffen in den vergangenen 15 Jahren um 150.000 auf etwa 55.000. Hauptursache: die Abholzung des Regenwaldes.

Obwohl Indonesien zumindest auf dem Papier Gesetze zum Schutz seiner jahrtausendealten Wälder erlassen hat, geht die Regierung kaum gegen die maßlosen Rodungen durch Wilderer, Holzkonzerne, Bergbauunternehmen oder die Palmöl-Industrie vor. Es sind ehrenamtliche oder ausländische Organisationen, die zunehmend verzweifelt für die Rettung der letzten Orang-Utans kämpfen. Weil sie die Abholzung des Regenwaldes nicht stoppen können, erwerben sie Land und forsten es auf: Setzling für Setzling.

Entwaldete Flächen werden neu bepflanzt

Gerade haben zwei deutsche Organisationen mit Testpflanzungen auf einer durch Brandrodungen entwaldeten Fläche in der Nähe von Nyaru Menteng begonnen. Die Stuttgarter Entwicklungshelfer von Fairventures Worldwide und die Berliner Orang-Utan-Schützer von BOS bauen schnellwachsende Leichthölzer und Bäume an, die speziell für Orang-Utans gedacht sind. "Das Projekt bietet die Chance, Druck von intaktem, noch existierenden Regenwald und damit dem Lebensraum der Menschenaffen zu nehmen", sagt BOS-Geschäftsführer Daniel Merdes.

Aber die Deutschen brauchen Verbündete, die ihre Setzlinge und die Menschenaffen dauerhaft beschützen. Deshalb haben sie einen Pakt mit den Einheimischen geschlossen. Die Bewohner der umliegenden Dörfer dürfen nicht nur einige der schnellwachsenden Hölzer für den Verkauf nutzen, sondern auch das Obst von extra angepflanzten Sträuchern ernten: "So schaffen wir für die Lokalbevölkerung eine sichere Einkommensquelle und Alternative zu bereits bestehenden, nicht nachhaltigen Landnutzungsformen", sagt Merdes.

Bauern jagen Orang-Utans als Schädlinge

Orang-Utans brauchen viel Platz und kräftige Nest- und Futterbäume. In den geometrisch angelegten Palmöl-Plantagen, die inzwischen den Großteil von Borneo bedecken, verlieren die Tiere die Orientierung und werden leichte Beute für Bauern, die sie als Schädlinge jagen. Oder für Wilderer, die die Mütter erschlagen und die hilflosen, großäugigen Babys als Haustiere verkaufen. Zwar gelingt es den Orang-Utan-Schützern von BOS, jährlich hunderte Tiere zu retten. Aber um sie wieder auszuwildern, fehlt inzwischen der Platz. Der neue, künstlich angepflanzte Regenwald wird sehnsüchtig erwartet.

Schwangere Orang Utan
Schwangere Orang Utan Quelle: BPI für BOS Deutschland

Bisher haben sich die Umweltschützer die Rechte für drei geeignete Gebiete gesichert. Für die zuletzt erworbene Fläche Kehje Sewen im Osten Borneos haben sie 1,4 Millionen US-Dollar bezahlt. Das wäre ohne Spenden nicht zu finanzieren. Vor allem in den deutschsprachigen Staaten und Großbritannien leben die Klein- und Großspender, die die Aufforstung möglich machen. Für 20 Euro gibt es ein Stück Regenwald. Für sieben Euro einen Baum.

Kampf um jeden Setzling und jeden Affen

"Für uns ist das ein großer Schritt, um der weiteren Zerstörung der Lebensgrundlagen von Mensch und Tier auf Borneo Einhalt zu gebieten", sagt Fairventures-Geschäftsführer Johannes Schwegler. Um jeden einzelnen Setzling und um jeden einzelnen Affen wollen die Umweltschützer kämpfen. Aber das Schicksal der Orang-Utans gilt ihnen auch als Symbol. Wird es die Menschheit noch schaffen, ihre nächsten Verwandten zu retten? Denn ein Planet, auf dem Orang-Utans nicht überleben können, kann auch für Menschen nicht mehr heimelig sein.

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