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Islamismus und Extremismus - Erklären und eindämmen

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"Wie mit den Feinden der freien Gesellschaft umgehen?" Diese Frage diskutieren Mitarbeiter von Jugendämtern, Behörden, Polizei und Wissenschaftler in Mainz.

Bei einer Tagung in Mainz besprechen Experten aus Praxis und Wissenschaft den Umgang mit Extremismus. Sozialen Medien spielen bei der Radikalisiserung von Jugendlichen eine entscheidende Rolle, sagt Marwan Abou Taam.

Beitragslänge:
3 min
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Die Teilnehmer der Tagung wollen ergründen, wie Extremismus - besonders islamistischer und rechtsgerichteter - entsteht und wirkt. Und vor allem: wie man ihn eindämmen kann.

Radikalität als Abenteuer

Ein Schwerpunkt der Tagung ist die zunehmende Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen durch extremistische Organisationen. "Für viele Jugendliche scheint Radikalität ein Abenteuer zu sein", meint Abou Taam, Terrorismusexperte des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz und einer der Organisatoren der Tagung. "Viele radikale Organisationen versuchen aber auch, junge Menschen gezielt für sich zu gewinnen, indem sie andere ausgrenzen oder diskreditieren."

Dabei spielen die Sozialen Medien eine wichtige Rolle. "Sehr viele junge Menschen kommunizieren hauptsächlich in den Sozialen Medien, sowohl als Medienkonsumenten als auch als Informanten, die selbst Nachrichten ins Internet stellen. Das ist ihre Lebenswelt, und genau dort versuchen extremistische Organisationen diese Jugendliche anzutreffen und ihnen Angebote zu machen. Und das muss man rechtzeitig erkennen", meint Taam.

Ähnlich wie in Videospielen

Islamistische Organisationen zum Beispiel verbreiteten Propagandavideos gezielt für Jugendliche im Internet, und zwar genau orientiert an dem, was viele Jugendliche anspricht. Propagandavideos vom Kampftraining oder von Kampfszenen zum Beispiel, an denen auch Kinder und Jugendliche beteiligt sind. Sie gleichen oft Videospielen, gedreht und produziert mit aufwendiger Technik. Auch im Bereich der rechten Szene gebe es ein Angebot an solchen "Computerspielen" - oder auch Musik mit rechtsradikalen Texten, die sich am Konsumverhalten von jungen Menschen orientierten.

Was aber können Eltern tun, um zu verhindern, dass ihre Kinder auf diese Art und Weise radikalisiert werden? "Radikalisierung funktioniert sehr oft dann, wenn Kinder und Jugendliche beginnen, sich ihre eigene Welt zu erschließen. Das heißt Kinder lösen sich sehr oft vom Elternhaus ab und integrieren sich dann in radikale Gruppen", meint Taam. "Hier sollten Eltern sehr sensibel reagieren, indem sie das zunächst überhaupt erst einmal mitbekommen. Kinder wollen die Welt erklärt bekommen. Eltern sind durchaus in der Lage, Alternativ-Angebote zu machen. Sie sollten aber auch sensibel genug zu sein, um zu erkennen, wenn ihre Kinder sich in einer Krise befinden. Wenn Eltern der Meinung sind, sie können das nicht mehr alleine schaffen, sollten sie sich Hilfe holen: Bei Beratungsstellen, den Jugendämtern, der Polizei."

Und was können Experten und Sicherheitsbehörden beitragen? "Repression und Prävention müssen Hand in Hand gehen", meint Taam. "Dort, wo der Staat Gesetzesverstöße sieht, muss er diese mit voller Kraft ahnden. Dort, wo er Partner braucht, soll er diese Partner mit einbinden, damit die gesamte Gesellschaft in die Lage versetzt wird, auf Extremismus angemessen zu reagieren."

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