Sie sind hier:

Gefangenenaustausch - Westliche Taliban-Geiseln nach über drei Jahren frei

Datum:

Hoffnung im Friedensprozess? Die Taliban haben nach mehr als drei Jahren zwei westliche Professoren freigelassen - im Gegenzug für drei hochrangige Taliban-Mitglieder.

Archiv: Kämpfer der Taliban in Surkrhoad
Bei einem Gefangenenaustausch haben die Taliban zwei Wissenschaftler freigelassen (Archivbild).
Quelle: AP

Nach mehr als drei Jahren Gefangenschaft in Händen der radikal-islamischen Taliban sind zwei Professoren der Amerikanischen Universität in Kabul wieder frei. Das bestätigten die Familien des US-Staatsbürgers Kevin King und australische Regierungsvertreter.

Im Gegenzug wurden drei hochrangige Taliban-Mitglieder freigelassen. Der Gefangenenaustausch zwischen Taliban und der afghanischen Regierung löste in Afghanistan Hoffnungen auf weitere Schritte im Friedensprozess aus.

Australischer Premier "erleichtert"

Kevin King befinde sich nun bei Vertretern der US-Behörden und erhalte medizinische Versorgung, hieß es in der Mitteilung seiner Familie weiter. "Dies war eine lange und schmerzhafte Tortur für unsere gesamte Familie", wird die Schwester von Kevin King, Stephanie Miller, zitiert.

Auf der Facebook-Seite des australischen Premierministers Scott Morrisson hieß es, man sei "zutiefst erfreut und erleichtert" über die Freilassung von Weeks und King. Morrisson dankte den Regierungen der USA und Afghanistans für ihre unschätzbare Hilfe.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Wie die Geiseln freikamen, ist unklar

Es gibt keine offiziellen Informationen darüber, wie die Professoren freikamen. Angaben afghanischer Regierungsbeamter zufolge, die namentlich nicht genannt werden wollten, wurde am Dienstag in drei Bezirken der südlichen Provinz Sabul für 48 Stunden eine Waffenruhe angeordnet. Ein Beamter sagte, die Professoren seien von "Amerikanern" aus dem Bezirk Nau Bahar abgeholt worden.

Ein Taliban-Sprecher bestätigte die Freilassung von drei Mitgliedern. Die Männer seien im Golfemirat Katar angekommen. In Doha betreiben die Taliban ein halboffizielles politisches Büro.

Hochrangige Taliban freigelassen

Unter den Freigelassenen ist Anas Hakkani, der jüngere Bruder des Anführers des Hakkani-Netzwerkes und Vize-Chefs der Taliban, Siradschuddin Hakkani. Das Netzwerk ist ein Flügel der Taliban, der für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich ist.

Hakkani war laut deutschen Sicherheitskreisen auch für den schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017 verantwortlich. Damals wurden mindestens 90 Menschen getötet.

Neben Hakkani sollten Hafis Abdul Raschid und Hadschi Mali Khan freigelassen werden. Raschid war Informationen der "New York Times" zufolge ein hochrangiger Taliban-Kommandeur, der Selbstmordattentäter ausgerüstet und ihre Ziele ausgewählt haben soll. Khan sei ein weiterer hochrangiger Befehlshaber.

Hoffnung im Friedensprozess?

Alle diese Maßnahmen seien eine "gute Entwicklung im Bereich Vertrauensbildung" und Zeuge eines guten Willens, heißt es in der Taliban-Erklärung weiter. Sie würden den Friedensprozess unterstützen.

Beobachtern zufolge könnte der jetzige Gefangenenaustausch, der laut Taliban auch zehn afghanische Soldaten einschloss, ein Schritt zur Wiederaufnahme der USA-Taliban-Gespräche sein. Die Taliban hatten seit dem Abbruch der Gespräche mit den USA immer wieder Bereitschaft gezeigt, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Präsident Ghani hatte vergangene Woche erklärt, mit der - in Afghanistan auch scharf kritisierten - Freilassung der Taliban-Mitglieder wolle man auch den Weg für direkte Gespräche mit den Taliban ebnen, um Frieden und Stabilität in Afghanistan zu erreichen.

Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkte Friedensgespräche mit der Regierung aufzunehmen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Sie wollten dies erst tun, wenn sie sich mit den USA über einen Truppenabzug geeinigt haben.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.