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"dunja hayali" - Leben mit Demenz: vergessen, verloren, verzweifelt?

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Bis zu 1,6 Millionen Menschen sind heute in Deutschland an Demenz erkrankt. Ihre Zahl nimmt jedes Jahr zu, 2050 sollen es nach aktuellen Berechnungen drei Millionen sein. Ihre Versorgung und Pflege ist eine der größten Herausforderungen für unsere immer stärker alternde Gesellschaft.

Das macht vielen Angst: Hilflos und alt zu sein, auf andere angewiesen zu sein. Und dann? Wird es noch jemanden geben, der sich um mich kümmert? Diese Fragen stellt sich auch Dunja Hayali beim Besuch einer Demenzpflegestation.

Beitragslänge:
5 min
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Gabriele Dunkel freut sich, als ich ihre Hand nehme. Sie freut sich über mein kleines Kompliment: "Ihre Haut ist viel weicher als meine." Frau Dunkel lacht, fast wie ein junges Mädchen. Sie ist 85 Jahre alt, eine gutaussehende Dame. Frau Dunkel weiß fast nichts mehr über ihre Vergangenheit. Im Münchner Pflegeheim "Sonnengarten" führt sie seit einem Jahr ein neues Leben. Frau Dunkel leidet an Demenz.

Davor haben viele Angst und ich auch: Hilflos sein, alt sein, auf andere angewiesen sein. Und dann? Wird es noch jemanden geben, der sich um mich kümmert? Aus meiner Familie? Jemand, dem ich vertrauen kann? Dieses Thema treibt mich immer wieder um: Wie gehen wir mit "unseren Alten" um?

Von den bis zu 1,6 Millionen an Demenz Erkrankten sind weniger als zwei Prozent unter 65 Jahren. Weil wir immer älter werden, nimmt auch die Zahl der Erkrankten jedes Jahr zu - denn noch gibt es keine Therapie dagegen. Im Jahr 2050 - wenn sich die Zahl auf drei Millionen verdoppelt haben wird - bin ich 76 Jahre alt.

Ein Alter in Würde trotz Demenz

Gabriele Dunkel hat keine Angehörigen mehr. Sie lebt alleine im Pflegeheim "Sonnengarten". Das Pflegepersonal hier ist speziell ausgebildet für den Umgang mit Demenzkranken. So wie Altenpfleger Chris Mühlenberg. Der 28-Jährige arbeitet seit gut zwei Jahren hier auf der Station. Im "Sonnengarten" wollen er und seine Kollegen den demenzkranken Bewohnern das Altern in Würde ermöglichen. Chris zeigt auf einen älteren Herrn, der scheinbar ohne Ziel einen Stuhl hin- und herträgt. "Das hat seinen Grund. Er sorgt jetzt für Ordnung auf seine Art und Weise." Im "Sonnengarten" lautet die wichtigste Regel: Die Bewohner sollen sich in ihrer eigenen Welt wohl fühlen.

Als Angehöriger ist das leichter gesagt als getan. Jeder, der davon betroffen ist, kennt das Gefühl, ständig ein schlechtes Gewissen zu haben. Man hat zu wenig Zeit und zu wenig Geduld. Man sieht einen Menschen verfallen, den man noch stark und selbstbewusst in Erinnerung hat. Der Kopf schreit immer wieder: "Das kann doch nicht sein! Das darf doch nicht so schnell gehen!" Während das Herz einfach nur verkrampft. Man will es einfach nicht wahrhaben und verdrängt, was die letzte Konsequenz ist: Nicht mehr lange und man wird einfach ein "Niemand" sein. Wohin geht die Würde? Wohin geht der Stolz? Wohin die Seele? Wohin das Leben?

Musik aus dem früheren Leben

Gut, dass es mittlerweile so ausgezeichnet ausgebildete Pflegekräfte wie Chris Mühlenberg gibt, die auch mir helfen zu verstehen, was passiert. Gut, dass es Pflegeheime wie den "Sonnengarten" gibt. Gut, dass es Menschen gibt, die den Erkrankten und deren Angehörigen helfend zur Seite stehen.

Am Ende meines Besuchs hier singe ich mit Frau Dunkel und dem Herrn, der sich mittlerweile auf seinen Stuhl gesetzt hat. Wir singen ein Volkslied. Fast alle Bewohner kennen den Text. Sie haben ihn in ihrem früheren Leben gelernt und nicht vergessen.

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