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Iran bringt Briten ins Dilemma: Wem folgen?

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Tanker-Streit - Iran bringt Briten ins Dilemma: Wem folgen?

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Irans Provokationen bringen die Briten ins Dilemma, sagt ZDF-Korrespondent Stamm. Wem sollen sie folgen? EU oder USA? Teheran teste Washington damit, erklärt sein Kollege Theveßen.

Die Briten stecken, so ZDF-Korrespondent Andreas Stamm, in einem Dilemma: "Wem folgen? Dem sicherheitspolitisch wichtigsten Verbündeten, also den USA - oder den Europäern?" Außenminister Jeremy Hunt habe heute "überraschen deutlich" klargemacht, die "Strategie des maximalen Drucks" der USA nicht mittragen, sondern einen eigene Schutzmission mit den Europäern gründen zu wollen.

Dazu werde ein "maritimer Schutzeinsatz unter europäischer Führung" zusammengestellt, teilte die Regierung in London mit. Einzelheiten nannte Hunt kaum, sondern sagte lediglich, London werde "angemessene Schritte unternehmen, um die sichere Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus zu unterstützen".

Ob diese Schutzmission tatsächlich zustande kommt, hält Andreas Stamm für fraglich. Hunt wolle diese Woche schon mit den europäischen Partnern reden, auch mit Deutschland. "Das einzige Problem hier: Viele bezweifeln, dass Außenminister Hunt dann noch im Amt ist.“ Denn Hunt will Premierministerin Theresa May beerben - doch Boris Johnson gilt als klarer Favorit, so Stamm weiter. "Er wird einen anderen Kurs fahren und ein neues Kabinett zusammenstellen. Und ihm ist die Nähe zu Trump wichtig.“ Dass dann das erste Kapitel seiner neuen Regierung eine Mission mit den Europäern sein könne, "das können sich hier in London nur sehr wenige vorstellen“.

Hunt: "Akt staatlicher Piraterie" erfordert internationale Reaktion

Die Islamische Republik hatte am Freitag in der Straße von Hormus den britischen Tanker «Stena Impero» beschlagnahmt. Durch diese Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman läuft ein Fünftel des weltweiten Erdölexports.

Hunt sprach im britischen Unterhaus von einem "Akt staatlicher Piraterie", auf den es eine koordinierte internationale Reaktion geben müsse. Der Iran müsse begreifen, dass sein Vorgehen nur zu einer noch stärkeren westlichen Militärpräsenz in der Region führen werde. "Schweren Herzens geben wir diese verstärkte internationale Präsenz im Golf bekannt, denn der Schwerpunkt unserer Diplomatie lag auf der Deeskalation der Spannungen", sagte er.

Der iranische Regierungssprecher Ali Rabiei sagte, Länder, die die Freigabe der "Stena Impero" verlangten, sollten sich erst einmal mit Großbritannien unterhalten, das vor Gibraltar einen iranischen Tanker festgesetzt habe. So etwas toleriere der Iran nicht.

Iran zeigt Filmaufnahmen der Besatzung

Großbritannien erklärt, es habe den iranischen Tanker aufgebracht, um zu verhindern, dass illegal Öl nach Syrien gebracht wird, was gegen Sanktionen der EU verstoßen würde. Der Iran dagegen habe die "Stena Impero" in omanischen Gewässern abgefangen. Das sei ein Verstoß gegen das Seerecht.

Besatzungsmitglieder der "Stena Impero"
Video des iranischen Staatsfernsehens zeigt Besatzungsmitglieder der "Stena Impero"
Quelle: dpa

Der Iran bestreitet das. Das Land zeigte am Montag erstmals Filmaufnahmen der Besatzung, mutmaßlich, um zu zeigen dass sie wohlauf ist. Keines der 23 Mannschaftsmitglieder ist britischer Staatsbürger. Sie stammen überwiegend aus Indien, oder sind philippinische, russische beziehungsweise lettische Staatsangehörige.

Auf den Bildern ist die Crew in roter Uniform zu sehen. Sie sitzen um einen Tisch herum. Ein iranischer Mann bedankt sich für deren Kooperation. Unklar blieb bei den Aufnahmen, ob die Besatzung gedrängt wurde, daran teilzunehmen. Andere gestellte Bilder zeigen, wie ein Mann etwas auf dem Schiff überprüft, die Mannschaft gemeinsam lacht und neben einer Kaffeemaschine im Innern des Schiffs im Gespräch ist. Die Schiffsköche sind beim Vorbereiten von Essen zu sehen. Das iranische Staatsfernsehen zeigte eine iranische Fahne, die auf der Schiffsbrücke gehisst war.

Theveßen: Iran testet USA mit Provokationen

Die Tanker-Debatte heizt wie mehrere andere Vorkommnisse den Konflikt zwischen dem Iran und den USA über das Atomabkommen von 2015 an. Aus dem sind die USA ausgestiegen und haben Sanktionen gegen Teheran verhängt. Die Islamische Republik wiederum hält sich nicht mehr an zwei Uran-Grenzwerte des Abkommens.

"Das Pentagon hat tatsächlich vor ein paar Wochen schon Pläne erarbeitet, um solche Geleitzüge, wie sie jetzt von Großbritannien vorgeschlagen werden, durzuführen“ erklärt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen in Washington. Aber die USA sähen die Europäer lieber als Leiter einer solchen Mission, weil man in den 80er Jahren bereits schlechte Erfahrungen mit einer solchen Mission gemacht habe.

US-Präsident Trump sei derzeit etwas verunsichert. Er habe im Juli einen Militärschlag befohlen und dann zehn Minuten vorher wieder abgesagt. "Seitdem ist unklar, wo eigentlich die rote Linie für die USA liegt", erklärt Theveßen. "Und der Iran testet das momentan mit diesen Provokationen aus."

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