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Tarifverhandlungen starten - Metaller müssen zukunftsfit werden

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Metall- und Elektroindustrie - das klingt zunächst nach "old economy". Aber die Branche ist auf dem Weg, alles andere als altbacken zu sein.

Die Metall- und Elektroindustrie startet in eine neue Tarifrunde. Eine befristete 28-Stundenwoche und sechs Prozent mehr Geld sind die Hauptforderungen der IG Metall.

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1,1 Billionen Euro Umsatz erwirtschaften die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Sie beschäftigen 3,9 Millionen Menschen. Zu den bekanntesten Firmen zählen die großen Autobauer wie BMW, Daimler oder Volkswagen, Autozulieferer wie Bosch, Maschinenbauer wie Dürr, Trumpf oder Voith als auch Elektro- und Elektronikunternehmen wie Siemens, Infineon, ABB oder Bosch. "Die Branche ist der Kern der industriellen Wertschöpfung in Deutschland", sagt Eric Heymann, Branchenanalyst der Deutsche Bank Research. Unternehmen der Autoindustrie, des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Metallindustrie zusammen genommen bringen es auf 56 Prozent der industriellen Wertschöpfung. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass die Industrie in Deutschland noch 22 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt - als einziges Land in Westeuropa liegt Deutschland damit über 20 Prozent.

Doch darf man sich unter dieser Industrie längst nicht mehr nur die "Malocher am Band" vorstellen: Zwar gibt es darunter auch noch die kleinen Unternehmen, die einfache Werkzeuge herstellen. Aber eben auch solche, die Hochpräzisionswerkzeuge fertigen, die im Maschinenbau oder der Autoindustrie benötigt werden, oder solche, die Spezialmaschinen bauen oder Sensoren herstellen. Im Wesentlichen ist das die klassische Investitionsgüterindustrie, die von der Konjunktur in anderen Branchen abhängig ist.

Branche wichtiger Treiber für Digitalisierung

Andererseits sind aber auch Chemie- oder Textilindustrie als Zulieferer abhängig von der Wirtschaftslage etwa in der Autoindustrie. Die Branche ist schon ein wichtiger Treiber für die Digitalisierung, Stichwort: "Industrie 4.0". "Schon jetzt können Kunden zum Beispiel online ihr Auto konfigurieren und bestellen", erklärt Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, das Prinzip: Die so eingegebenen Daten bestimmten durchgehend den Produktionsablauf bis hin zum fertigen Auto. "Und wir stehen hier erst am Anfang", erklärt er.

Rund ein Fünftel der Unternehmen wickelten heute ihr Geschäft schon online ab, viele weitere hätten sich schon damit befasst, andere aber noch gar nicht. Deshalb sei auch die Unsicherheit in der Branche noch groß, wie sich neue Technologien auf die Produktion und die Arbeitsabläufe auswirke. "Das wird zu mancher Erleichterung für Mitarbeiter am Band führen, die der Computer bei ihrer Arbeit anleitet." Es kann aber auch womöglich dazu führen, dass einige Jobs wegfallen und durch andere benötigte Jobs ersetzt werden - so wie das beispielsweise in der Automobilindustrie erwartet wird, wenn neue Antriebstechnologien wie der Elektromotor den Verbrennungsmotor einmal ablösen.

Fachkräfte fehlen

Andererseits ist da der Fachkräftemangel: Die Unternehmen haben zwar seit der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008, als sie 230.000 Arbeitsplätze abgebaut hatten, wieder 460.000 Jobs geschaffen, allein zwischen Januar und August dieses Jahres sind 60.000 Arbeitsplätze hinzugekommen. Aber es könnten noch mehr sein, wenn die Unternehmen mehr hoch qualifizierte Fachkräfte fänden. Gut ein Fünftel habe durch den Fachkräftemangel bereits Schwierigkeiten bei der Produktion, so viele wie nie zuvor, sagt Michael Stahl von Gesamtmetall. Schon den Auszubildenden müsse man mehr bieten als früher, denn zehn Prozent der Ausbildungsplätze könnten aktuell nicht besetzt werden.

An diesem Mittwoch beginnen nun in dieser Umbruchphase der Branche die Tarifverhandlungen. Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Es gebe keinen Grund für Zurückhaltung, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Die Ergebnissituation der Unternehmen "ist und bleibt hervorragend". Man dürfe dabei aber die strukturellen Unterschiede nicht vergessen, warnt Eric Heymann von der Deutschen Bank. Denn einem kleinen Werkzeughersteller gehe es sicher nicht so gut wie etwa einem Spezialmaschinenhersteller oder Autobauer.

Arbeitszeit ein Knackpunkt bei Tarifgesprächen

Es dürfte aber weniger die Lohn- und Gehaltsforderung sein, die die Tarifgespräche schwierig werden lassen. Denn die IG Metall möchte auch erreichen, dass alle Beschäftigten ihre Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche absenken können - und das befristet auf zwei Jahre. Gleichzeitig soll das Recht auf Rückkehr in Vollzeit gegeben sein. Für bestimmte Beschäftigtengruppen fordert die Gewerkschaft zudem noch einen Entgeltzuschuss: Wer Kinder unter 14 Jahre betreuen möchte oder ältere Familienangehörige pflegen, der soll einen Ausgleich erhalten - wer etwa 3,5 Stunden weniger arbeite, der soll dafür in den unteren Entgeltgruppen 200 Euro im Monat fix erhalten.

Katja arbeitet nur noch 28 Stunden pro Woche. Die IG Metall verhandelt diese Idee mit der Industrie. Heuteplus fragt, wie sich Katjas Leben seitdem verändert hat.

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Eine Forderung, die die Arbeitgeber vehement ablehnen: Zu weit entfernt sei das von der betrieblichen Praxis, das würde "extrem teuer", sagt Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger, und werde zu massiver Tarifflucht führen. Heute schon werden die Verhandlungen nur für 1,8 Millionen Beschäftigte geführt - die anderen Unternehmen mit weiteren 1,1 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche orientieren sich jedoch meist an den Tarifvereinbarungen.

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