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Hitzewelle und Winde verschärfen die Lage

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Buschbrände in Australien - Hitzewelle und Winde verschärfen die Lage

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Starke Winde und eine Hitzewelle steigern die Feuergefahr in Australien am Wochenende erneut. Die Marine bringt tausende eingeschlossener Menschen in Sicherheit.

In Australien wüten weiterhin Buschbrände - eine echte Besserung ist nicht in Sicht. Für das Wochenende wird eine neue Hitzewelle erwartet. Touristen müssen die Brandgebiete verlassen.

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Im Südosten Australiens herrscht Katastrophenalarm: Tausende Menschen sind auf der Flucht vor den verheerenden Buschbränden. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria sollten mehr als ein halbes Dutzend Städte evakuiert werden, darunter beliebte Touristenorte. Am Freitag bildeten sich lange Staus, das Benzin wurde knapp. Die Polizei eskortierte die Autos aus den Feuergebieten.

Sie sollten weg, um Ihr Leben zu retten. Wenn Sie das nicht tun, schicken wir die Polizei, damit Sie diese Botschaft verstehen.
Lisa Neville, Katastrophenministerin in Australien

In New South Wales ist es bereits der dritte Notstand dieser Brandsaison, für Victoria ist es das erste Mal in der Geschichte des Bundesstaates. Dort allein werden nach Angaben der Regierung 28 Menschen vermisst. Die für Katastrophen zuständige Ministerin, Lisa Neville, rief die Bewohner dringend dazu auf, die Feuergebiete zu räumen. "Sie sollten weg, um Ihr Leben zu retten. Wenn Sie das nicht tun, schicken wir die Polizei, damit Sie diese Botschaft verstehen."

Eine neue Hitzewelle droht

Hintergrund der Evakuierungen sind eine für Samstag erwartete neue Hitzewelle und starke Winde. Dies werde die Feuergefahr in vielen Gebieten verschärfen, warnte der Vize-Feuerwehrchef in New South Wales, Rob Rogers. Die Behörden wüssten zwar, dass die Leute der Brände etwas überdrüssig geworden seien. Schließlich müssten sie damit schon seit Monaten zurechtkommen. "Aber wir wollen, dass die Leute fokussiert bleiben. Morgen ist nicht der Tag, an dem man unachtsam werden sollte. Nehmen Sie es ernst."

Zwei Pferde stehen auf einer Koppel. Hinter den Pferden brennen die Wälder
Es ist keine Besserung in Sicht für die Buschbrände - mit einer neuen Hitzewelle steigt sogar die Feuergefahr.
Quelle: dpa

Die Evakuierung der Stadt Mallacoota

Aus der Küstenstadt Mallacoota in Victoria brachte ein Marineschiff Hunderte Menschen in Sicherheit, die sich vor einem herannahenden Buschbrand an den Strand gerettet haben. Insgesamt harren dort bis zu 4.000 Anwohner und Touristen aus. Landungsboote brachten Hunderte von ihnen zum vor der Küste liegenden Schiff "HMAS Choules". Dessen Kommandeur Scott Houlihan sagte, 963 hätten sich für eine Evakuierung über den Seeweg entschieden. Viele weitere seien auf dem Luftweg in Sicherheit gebracht worden.

Das Ausmaß der Brände

Karte: Brände in Australien
Die Feuer breiten sich in den südöstlichen Bundesstaaten aus.
Quelle: ZDF/Myfirewatch

Allein in dieser Woche sind an der Südküste von New South Wales nach Behördenangaben mindestens 448 Häuser durch die Buschbrände zerstört worden. Mindestens zehn Menschen in dem Staat und in Victoria kamen seit Montag um. Laut den Behörden in Victoria werden 28 Personen vermisst. Insgesamt sind seit Beginn der Krise landesweit mindestens 19 Todesopfer zu beklagen. In ganz Down Under wurden mehr als 1.300 Häuser verwüstet. Eine Fläche von rund fünf Millionen Hektar brannte ab, das etwa der Fläche Brandenburgs und Sachsen-Anhalts zusammen entspricht.

In New South Wales und Victoria - den bevölkerungsreichsten Staaten in Australien - lodern aktuell mehr als 200 Brände. Buschfeuer wüten auch in den Staaten Western Australia, South Australia und Tasmanien.

Die Wut auf den Premier

Da die Feuer im aktuellen australischen Sommer besonders früh und mit solcher Wucht eingesetzt haben, stufen die Behörden die derzeitige Buschbrandsaison schon jetzt als die verheerendste seit Beginn der Aufzeichnungen ein. Und Besserung ist nicht in Sicht. Premierminister Scott Morrison sagte, er erwäge nun eine Absage seiner in diesem Monat geplanten Indienreise. Im Dezember hatte er seinen Familienurlaub in Hawaii angesichts massiver öffentlicher Kritik an seiner Abwesenheit abgebrochen.

Premierminister Scott Morrison spricht am 22. Dezember 2019 zur Presse
Premierminister Scott Morrison wird mittlerweile öffentlich beschimpft.
Quelle: dpa

Die Wut auf den Premier ist offenbar vor allem in den Brandregionen gewachsen. Morrison, ein Kohle-Förderer, sieht die Brände als Naturkatastrophe und lehnt es ab, seine Klimapolitik zu ändern. Bei einem Besuch im Ort Cobargo in New South Wales wurde Morrison am Donnerstag von Anwohnern angeschrien, manche machten vulgäre Gesten, nannten ihn einen "Idioten" und Schlimmeres. Sie lasteten dem Regierungschef an, dass nicht genügend Ausrüstung für den Kampf gegen die Buschbrände in ihrer Stadt zur Verfügung steht.

In einem Radiointerview zeigte sich Morrison verständnisvoll. Die Leuten seien wütend und aufgekratzt. Ganz egal ob sie auf ihn wütend seien oder auf die Situation - es sei sein Job, für sie da zu sein und Trost und Unterstützung zu spenden, sagte er.

Sportevents müssen verlegt werden

Die anhaltenden Buschbrände und die Rauchentwicklung wirken sich inzwischen auf die bei vielen Australiern beliebte Sportevents aus.

Das internationale Tennisturnier in Canberra müsse in das rund 600 Kilometer entfernte Bendigo verlegt werden, teilte Kim Kachel, Chef des australischen Tennisverbands ACT, am Freitag mit. Die Gesundheit von Spielern, Fans, Freiwilligen und Mitarbeitern gehe immer vor. Das internationale Tennisturnier in Canberra ist Teil der ATP Challenger Tour der Herren und des ITF Women's Circuit, einer Turnierserie im Damentennis. Bendigo liegt in einem Gebiet im Bundesstaat Victoria, das von den Buschbränden nicht so stark betroffen ist.

Auswirkungen bis nach Neuseeland

In der Hauptstadt Canberra wurde zuletzt die schlechteste Luftqualität der Welt gemessen. Der Rauch waberte über die Tasmansee sogar nach Neuseeland, wo Gletschern eine karamellbraune Farbe angenommen haben. Dadurch könnte sich die Eisschmelze verschärfen, weil die Gletscher weniger Sonnenlicht reflektieren.

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