Sie sind hier:

Landweg bis zum Mittelmeer - Iran: Die Schneise bis zum Mittelmeer

Datum:

Teheran mischt intensiv im Syrienkrieg mit. Ein Ziel, so heißt es, sei ein Landkorridor von Iran durch den Irak und Syrien bis in den Libanon ans Mittelmeer. Stete Fortschritte auf dem Weg dorthin beunruhigen nicht nur Israel und sunnitische arabische Staaten.

Am Mittwoch starben in Teheran zwölf Menschen bei Selbstmordattentaten, Dutzende wurden verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich der IS. Antje Pieper mit einer Beurteilung der Lage, im Gespräch mit Petra Gerster.

Beitragslänge:
2 min
Datum:


Tausende von Iran unterstützte Kämpfer stoßen in Syriens mittlerer Wüstenregion nach Osten vor. Und mit jedem Kilometer kommt Teheran im Syrienkrieg einem Ziel näher, das seine Rolle in der Region deutlich weiter stärken würde. Es ist die Öffnung eines Landkorridors von der iranischen Grenze durch den Irak und Syrien bis zum Mittelmeer. Kommt er zustande, wäre es der bisher größte Preis, den Iran bei seinem Engagement im Krieg errungen hätte.

Die Schneise wird hauptsächlich von Irans Verbündeten und Stellvertretern gepflügt. Es ist ein Mix aus verschiedenen Kräften, darunter syrische Regierungstruppen, Kämpfer der libanesischen Hisbollah und schiitische Milizen auf beiden Seiten der syrisch-irakischen Grenze, die versuchen, sich miteinander zu verbinden. Auf der syrischen Seite sind aber auch direkt Kräfte der iranischen Revolutionsgarde involviert.

Der Landweg würde auch mehr Waffen für die Hisbollah bedeuten

Eine Arterie von Iran zum Mittelmeer würde Teheran zum ersten Mal ungehinderten Zugang auf dem Land zu seinen Verbündeten sowohl in Syrien als auch im Libanon ermöglichen. Von Teheran gestützte Kämpfer könnten sich zwischen Iran, dem Irak, Syrien und dem Libanon bewegen, Waffen leichter nach Damaskus und zur Hisbollah fließen, Irans wichtigster Stellvertreter-Gruppe. Und Teheran könnte sich für eine künftige vermutlich äußerst lukrative Rolle beim Wiederaufbau sowohl in Syrien als auch im Irak positionieren.

Die überwiegend sunnitischen arabischen Länder und Israel - der Erzfeind sowohl Irans als auch der Hisbollah - sind über die Möglichkeit eines Landkorridors für den iranischen Einfluss in der Region stark beunruhigt. So brachte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Besorgnisse auch bei einem Russland-Besuch am Mittwoch zum Ausdruck. Iran treibe seine Bemühungen massiv voran, in Syrien militärisch Fuß zu fassen, sagte er. Das sei nicht nur eine Gefahr für die Region, sondern für die gesamte Welt.

Israel ist in Sorge

Israel begrüße zwar die gemeinsamen internationalen Bemühungen, die Terrormiliz Islamischer Staat zu schlagen, sagte Netanjahu. "Aber dass Iran die Gebiete betritt, die der IS verlässt, ist nicht willkommen. Wir vergessen keinen Augenblick, dass der Iran weiterhin Israel jeden Tag mit Zerstörung droht."

Ein iranischer Korridor wäre für Israels mächtigen Feind Hisbollah, der über ein riesiges Raketenarsenal verfügt, ein großer Gewinn. Derzeit gelangen iranische Waffen zumeist in zwei Etappen an die Gruppe: Sie werden nach Syrien geflogen und dann auf dem Landweg in den Libanon gebracht.

An drei Fronten in Richtung Irak

Dass es zu einem freien Korridor für Iran kommt, ist zwar noch keineswegs sicher. Wahrscheinlich würden sunnitische Rebellengruppen auch jede Landverbindung häufig in ihr Visier nehmen und die Nutzung damit riskant machen. Aber Irans Verbündete machen zweifellos Fortschritte auf beiden Seiten der Grenze. Mit zunehmenden Erfolgen im Kampf gegen den IS sind syrische Truppen und Milizen in den vergangenen Monaten gleich an drei Fronten in Richtung Grenze zum Irak vorgerückt.

Von Iran gestützte schiitische Milizen im Irak gewinnen in überwiegend sunnitischen Gebieten an der Grenze zu Syrien zusehends an Einfluss, und sie sind auch in der westirakischen Grenzprovinz Anbar präsent. "Unser Ziel ist es, jegliche Barrieren vom Irak nach Syrien den ganzen Weg nach Beirut zu verhindern", sagt Dschaafar al- Husseini von der irakischen Kataeb-Hisbollah-Miliz. Man sei nahe dran, dieses Ziel zu erreichen.

Wettlauf zur Grenze

Al-Husseini warnte die Amerikaner zugleich davor, den Vormarsch auf der syrischen Seite zu stoppen: Irakische Milizionäre würden dann US-Soldaten im Irak ins Visier nehmen. Von den USA unterstützte syrische Kämpfer hatten geplant, vom Südosten Syriens durch IS-Territorium entlang der Grenze gen Norden vorzudringen und dadurch proiranische Kräfte daran zu hindern, sich mit Verbündeten auf der syrischen Seite zu vereinen. Aber im Juni hatten syrische Regierungstruppen es geschafft, als erste die Grenze zu erreichen und ihnen damit den Weg abgeschnitten. Jetzt wollen es die US-Verbündeten aus einer anderen Richtung versuchen, von der nordöstlichen Provinz Hassake südwärts vorstoßen, wie syrische Aktivisten sagen.

Iranische Führungspersonen vermeiden es zwar, öffentlich über ihr Ziel zu sprechen, sich mit der sogenannten Achse des Widerstandes zu verbinden, womit der Iran, Hisbollah, Syrien und andere antiisraelische Kräfte gemeint sind. Aber Teherans Verbündete haben kein Problem damit, ihre Absichten kundzutun. "Das Ziel ist eine geografische Verbindung zwischen Syrien, dem Irak und der Achse", sagte Syriens Informationsminister Rames al--Turdschuman in einem Fernsehinterview.

"Irans Einfluss in Syrien ist nicht zu stoppen"

Rami Adurrahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hält es für praktisch unmöglich, den Iran daran zu hindern, seine Ziele zu erreichen, nachdem er massenhaft Gelder, Waffen und Kämpfer investiert habe, um Assad zu stützen. "Irans Einfluss in Syrien ist nicht zu stoppen, selbst wenn Baschar al-Assad nicht mehr an der Macht ist, denn Teheran hat tiefe Verbindungen und Präsenz in Syrien", sagt Abdurrahman. "Ohne Iran wäre das (Assad-)Regime 2013 zusammengebrochen."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.