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Mobilfunk-Unternehmen - Telekom will US-Elefantenhochzeit

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T-Mobile in den USA und Sprint wollen fusionieren und den amerikanischen Mobilfunkmarkt umwälzen. Das würde T-Mobile stärken. Gewiss ist die Fusion aber nicht: Es gibt noch Hürden.

Geschäftsstellen von T-Mobile und Sprint in New York
Geschäftsstellen von T-Mobile und Sprint in New York
Quelle: ap

T-Mobile in den USA ist immer wieder für Überraschungen gut. Einst ein ungeliebtes Schmuddelkind des Bonner Konzerns hat sich das Unternehmen mittlerweile zur Gewinnmaschine gemausert. Während man früher fast um jeden Preis einen Käufer gesucht hat, startet das Unternehmen nun in die entgegengesetzte Richtung durch: Durch die Fusion mit dem Rivalen Sprint will T-Mobile-US noch besser aussehen und dastehen.

Größte Übernahme der Telekom

26 Milliarden Dollar ist der Telekom dieser Schritt wert. Bezahlt werden soll aber nicht bar; die Übernahme soll durch einem Aktientausch über die Bühne gehen. So soll das "schlagkräftigste Mobilfunkunternehmen in den USA" entstehen, sagte Telekom-Chef Timotheus Höttges. Sieben Jahre hat er an diesem Zusammenschluss gearbeitet - nun steht er kurz vor dem Ziel.

Für die Telekom wäre es - einschließlich der Schulden von Sprint - mit rund 60 Milliarden US-Dollar die größte jemals getätigte Übernahme. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres soll der Zusammenschluss abgeschlossen werden.

Nach der Fusion von T-Mobile und Sprint wird der Konzern zum drittgrößten Telekomunikationsanbieter in den USA, wie ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller berichtet.

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Hätte, würde, soll - es besteht durchaus noch die Möglichkeit, dass der Deal platzt. Es wäre nicht das erste Mal. Drei Mal haben die amerikanische Telekom-Tochter T-Mobile US und der Rivale Sprint Gespräche über einen Zusammenschluss geführt - allerdings sind beide ebenso oft gescheitert: Eitelkeiten auf beiden Seiten, Streit über die Rollen im künftigen Unternehmen und die Mitbestimmung; und schließlich haben einmal auch die Kartellbehörden den Heiratswilligen einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Wir sind überzeugt, dass das strategisch gut ist. Wir können so viel besser Größenvorteile realisieren, um die beiden Konkurrenten AT&T und Verizon entsprechend anzugreifen", sagt Höttges.

Für Telekom "immens wichtig"

"Aus zweien mach eins" lautet also das Rezept: Die Kundenzahl des fusionierten Unternehmens würde auf fast 130 Millionen in den USA anwachsen. Die Umsätze würden deutlich größer; und schließlich  versprechen sich beide Telekommunikationskonzerne Einsparungen: In Höhe von sage und schreibe rund 43 Milliarden US-Dollar sollen die liegen. Ein entscheidender Pluspunkt bei dem Projekt ist, dass die beiden Konzerne in Zukunft nur ein gemeinsames Netz betreiben müssten. Das macht einen Großteil der Einsparungen aus. Mit dem Deal hätte die Telekom in der Tat also bessere Karten ihren großen Rivalen in den USA gegenüber - AT&T und Verizon.

"Für Telekom ist das eminent wichtig", meint Börsenhändler Oliver Roth aus dem Wertpapierhandelshaus Oddo Seydler. "Denn in Deutschland und Europa ist kaum noch Geld zu verdienen. Deswegen braucht man die USA. Jetzt kann man den großen Schritt machen, um den Platzhirschen Konkurrenz zu machen."

Telekom will die Kontrolle behalten

Bei allen schönen Perspektiven einer möglichen Hochzeit beider Unternehmen bleibt aber eben noch eine entscheidende Unsicherheit: Die Frage, ob die Kartellbehörden der Fusion zustimmen. "Das ist keineswegs eine ausgemachte Sache, durch sind die mit der Fusion meiner Meinung nach noch nicht", sagt Roth. Zu den Kartellwächtern hat sich ist mittlerweile noch ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu gesellt: Der unberechenbare Mann im weißen Haus, US-Präsident Donald Trump. Der könnte ebenfalls Bedenken anmelden und schließlich eine Fusion sozusagen von höchster Stelle aus verhindern.

Die US-Tochter in den USA beschert der Deutschen Telekom schon jetzt gute Gewinne - auch ohne Zusammenschluss mit Konkurrenten wie Sprint. Sie trägt erheblich zur guten Bilanz der Bonner Mutter bei. Und das war nicht immer so: Noch vor wenigen Jahren wollte die Telekom ihr US-Geschäft fast um jeden Preis loswerden. Und noch vor einigen Monaten heiß es, dass man sich alle Möglichkeiten offen halten.

Heute denkt in Bonn offenbar niemand mehr über einen Verkauf nach, im Gegenteil: Man will die Kontrolle über das Unternehmen auch in Zukunft offenbar keinesfalls abgeben. Denn nach der Fusion würde die Telekom zwar nicht mehr die Mehrheit am neuen Unternehmen halten - das ist die Folge des Aktientausches. Die Mehrheit der Stimmrechte allerdings hat sich die Telekom auch für die Zeit nach der Fusion gesichert. Auf das Geschäft in Europa soll sich der Zusammenschluss nicht negativ auswirken. Alle Investitionen - unter anderem in den Glasfaser Bereitbandausbau - will die Telekom wie geplant umsetzen.

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