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Tempo 80 auf Landstraßen - Frankreich entschleunigt

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Seit dem 1. Juli gilt Tempo 80 auf französischen Landstraßen. Viele Franzosen in ländlichen Gebieten halten nichts davon. Ziel der Regierung: 400 Verkehrstote weniger.

Archiv: Autos fahren an der Nationalstraße N7 an einem Verkehrsschild vorbei, das 80 km/h als Höchstgeschwindigkeit ausweist
Autos auf der Nationalstraße N7
Quelle: dpa

Vielleicht war es kein Zufall, dass Frankreichs berühmtester Gefängnisausbrecher sich den 1. Juli für seine spektakuläre Hubschrauberflucht aus der Haftanstalt ausgesucht hat: An dem Tag seien zahlreiche Polizisten mit der Überwachung des neuen Tempolimits auf Landstraßen beschäftigt gewesen, lästerten Kritiker auf Twitter.

Wer in diesem Sommer durch Frankreich fährt, muss aufpassen. Seit dem 1. Juli gilt Tempo 80 auf den meisten Landstraßen. Genau gesagt auf zweispurigen Straßen ohne trennenden Mittelstreifen, und das sind etwa 40 Prozent des gesamten Straßennetzes. Wer zu schnell fährt, muss mindestens 68 Euro zahlen. Auf vierspurigen Landstraßen sind weiterhin 90 Kilometer pro Stunde erlaubt.

Pädagogischer Fragebogen statt Strafzettel

An den ersten Tagen haben die Polizisten auf Strafzettel verzichtet. Stattdessen mussten erwischte Raser einen "pädagogischen Fragebogen" ausfüllen, der sie von der Nützlichkeit des Tempolimits überzeugen sollte. "Was ist die erste Todesursache im Straßenverkehr?" Eh oui, überhöhte Geschwindigkeit. Und der Bremsweg verkürzt sich um wieviel Meter, wenn man 80 statt 90 Kilometer pro Stunde fährt? Um 13 Meter, richtig.

Drei Viertel der Franzosen lehnen die Neuregelung ab, vor allem in den ländlichen Gebieten. Eine "Pariser Erfindung", schimpfen die einen, eine "riesige Abzocke" befürchten die anderen. Im Département Corrèze weigerten sich die Behörden zunächst, die neuen Tempo-80-Verkehrzeichen aufzustellen. Stattdessen stellten sie Schilder mit einer nonchalanten Empfehlung auf: "Die neue Welt wünscht, dass Sie langsamer fahren".

Die Regierung mühte sich redlich ab, für die Geschwindigkeitsbegrenzung zu werben. "Wir wollen niemanden ärgern. Ich stehe dazu, diese Maßnahme durchzusetzen, denn sie hilft, Tote und Verletzte zu vermeiden", betonte Premierminister Edouard Philippe. Und die Einnahmen durch Strafzettel sollen ausschließlich medizinischen Einrichtungen zugutekommen, die Unfallopfer versorgen.

Knapp 3.700 Tote bei Verkehrsunfällen

Im vergangenen Jahr sind in Frankreich knapp 3.700 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Etwa 77.000 wurden verletzt. Und mehr als die Hälfte der tödlichen Unfälle ereignete sich auf Landstraßen. Ein Grund dafür war auch, dass für Lastwagen bereits Tempo 80 galt, als die anderen noch 90 Kilometer pro Stunde fahren durften –was oft zu waghalsigen Überholmanövern führte.

Befürworter des Tempolimits verweisen gerne auf Schweden, wo die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen 70 Kilometer pro Stunde beträgt. Die Anzahl der Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner liegt in Schweden bei 2,7 – während es in Frankreich 5,2 sind.

Regelung gilt erst einmal für zwei Jahre

Allerdings hilft der Vergleich nur begrenzt, denn Deutschland, wo man auf Landstraßen 100 Kilometer pro Stunde fahren darf und – für Franzosen kaum vorstellbar – auf Teilstücken der Autobahn gar kein Tempolimit herrscht, kommt auf 4,2 Verkehrstote pro 100.000 Einwohner. Also auch deutlich weniger als Frankreich.

Die Regierung betont, dass die neue Regelung erst einmal für zwei Jahre gelten soll. Bis dahin solle sich zeigen, ob die Zahl der Unfallopfer tatsächlich gesenkt werden könne. Und auf Twitter findet sich durchaus auch der ein oder andere positive Kommentar zum Tempolimit: "Erinnert Euch an die Gurtpflicht, die wollte in Frankreich anfangs auch niemand!"

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