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Klimawandel und Erderwärmung - Das große Schmelzen

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Erderwärmung, Klimawandel, Polkappenschmelze: Schon vor 50 Jahren warnten Experten im US-Fernsehen davor. Heute findet das Ganze nicht nur real statt - es geht immer schneller.

AWI-Permafrostexperte Dr. Guido Grosse (rechts) und sein Kollege Matthias Fuchs nehmen Bodenproben auf der sibirischen Halbinsel Bykovsky.
Permafrostexperte Dr. Guido Grosse (rechts) und sein Kollege Matthias Fuchs nehmen Bodenproben auf der sibirischen Halbinsel Bykovsky.
Quelle: Alfred-Wegener-Institut /Thomas Opel

Bereits gegen Ende der 50er Jahre war im US-Fernsehen vor einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur und den fatalen Folgen gewarnt worden - mit den gleichen Bildern, die wir heute kennen. Thematisiert wurden abschmelzende Eismassen an den Polen, auf Gletschern und der Anstieg des Meeresspiegels. Heute nun sehen wir die gleichen Bilder überall in den Medien - nur eines hat sich geändert. Die Erderwärmung findet nicht nur statt, so wie längst vorhergesagt, sondern sie beschleunigt sich noch weiter.

Kryosphäre verschwindet

Keine neue Erkenntnis ist, dass der Teil der Erde, der gefroren ist - also die Kryosphäre - allmählich verschwindet wegen der vom Menschen verursachten Erwärmung. Neu ist allerdings: Die Schmelze beschleunigt sich. Das ist auch in den Permafrostgebieten in den Alpen festzustellen. Dort herrscht im Hochgebirge ebenfalls Frost innerhalb der Felsen.

Diese Bereiche sind normalerweise immer gefroren, also zu jeder Jahreszeit. Der Frost kittet die Felsen zusammen und sorgt für Stabilität. Allerdings stellen Forscher einen Anstieg der Temperaturen fest. Abgesehen von zahlreichen weiteren Auswirkungen der Klimakrise auf die Alpen, stellt das ein konkretes Bedrohungspotenzial für die Menschen vor Ort dar. Die Felsen halten nicht mehr zusammen und Felsstürze, wie zum Beispiel in Bondo in der Schweiz im Jahr 2017, sind die Folge.

Permafrost schmilzt weltweit

Die deutlichste Erwärmung beobachteten die Wissenschaftler in der Arktis: "Dort ist in Gebieten mit einem Permafrostanteil von mehr als 90 Prozent die Bodentemperatur innerhalb von zehn Jahren um durchschnittlich 0,39 Grad Celsius gestiegen", berichtet Boris Biskaborn, Mitglied der Forschungsgruppe Polare Terrestrische Umweltsysteme von der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts.

Rund ein Sechstel der Landflächen unseres Planeten gelten als Permafrostgebiete. Das heißt, der Boden ist mindestens zwei Jahre lang dauerhaft gefroren. In den meisten Regionen aber steckt die Kälte seit vielen Jahrtausenden im Erdreich, sodass der Permafrost im Extremfall bis in eine Tiefe von 1,6 Kilometer reicht. Vor allem in der Arktis nutzen Menschen den Dauerfrostboden als tragfähigen Untergrund für Häuser, Straßen, Pipelines und Flughäfen.

Standfestigkeit der Bauten nimmt ab

Im Zuge der Erderwärmung aber nimmt die Standfestigkeit dieser Bauten ab, was enorme Schäden verursacht. Die Permafrostböden enthalten außerdem jede Menge konservierter Pflanzen- und Tierreste. Sollte dieses organische Material gemeinsam mit dem Permafrost auftauen, würden Mikroorganismen die Überreste zersetzen. Ein Prozess, bei dem so viel Kohlendioxid und Methan entweichen könnte, dass die globale Temperatur bis zum Jahr 2100 um weitere 0,13 bis 0,27 Grad Celsius ansteigen würde.

Guido Grosse, Leiter der Sektion Permafrostforschung am Alfred-Wegener-Institut in Potsdam ergänzt: "All diese Daten zeigen uns, dass sich der Permafrost nicht nur lokal und regional erwärmt, sondern weltweit und nahezu im Takt mit der Klimaerwärmung, die vor allem in der Arktis zu einer starken Erwärmung der Luft und zu größeren Schneedicken führt. Beide Veränderungen bedingen nun die Erwärmung des bisher dauergefrorenen Untergrundes." Schnee wirkt isolierend, so ist der Untergrund vor der größeren Kälte geschützt und bleibt verhältnismäßig warm.

Grönland schmilzt stärker als in den letzten 400 Jahren

Eine andere Studie, die auf Eiskernbohrungen beruht, zeigt die Zunahme der Eisschmelze. Dadurch lassen sich verlässliche Daten gewinnen. Grundsätzlich fließen die schmelzenden Eismassen auf Grönland in die Ozeane und erhöhen den Meeresspiegel. Allerdings, verglichen mit der Zeit vor der Industrialisierung, fließt mittlerweile 50 Prozent mehr Schmelzwasser ab. Alleine im 20 Jahrhundert lag die Zunahme bei 30 Prozent.

Der Autor der Studie sagt, dass die Schmelzrate sich nicht einfach fortsetzt, sondern mit jeder weiteren Erwärmung zunimmt. So stellt er fest: "Das Schmelzen und der Anstieg des Meeresspiegels, den wir bereits beobachtet haben, könnte bei weiterer Erwärmung in der Zukunft das Bisherige in den Schatten stellen." Im Schnitt hat sich der Meeresspiegel im vergangenen Jahrhundert um zehn bis 20 Zentimeter erhöht, mit einer rapiden Zunahme in den vergangenen 20 Jahren.

Todesspirale Arktis

Die Arktis erliegt seit 30 Jahren der "Todesspirale". Der Begriff beschreibt die nicht mehr umkehrbaren Abläufe und das Verschwinden des Eises. Davon betroffen ist der Mensch - und im weitesten Sinne selbstverständlich die Natur. Ganz konkret wirkt sich bereits jetzt der Eisverlust auf das Wetter in Europa und Deutschland aus, denn Strömungen in der Luft und in den Ozeanen haben sich bereits verändert.

Der Jetstream verhält sich anders. Das war im Jahr 2018 auschlaggebend für das europäische Wetter – es war das wärmste Jahr seit 1881. Die Auswirkungen auf das Wetter durch eine eisfreie Arktis in den Sommermonaten, die zwischen 2030 und 2035 erwartet wird, würden Extremwetterereignisse noch verschärfen und deren Anzahl steigern. Und es kommen kaum bessere Botschaften vom anderen Ende der Erde – aus der Antarktis

Ostantarktis: Die Schmelze, die nicht sein sollte

Das Sorgenkind der Klima-Wissenschaftler war bisher die Westantarktis. Die ist bereits verloren, das ist bereits bekannt. Bereits im September 2014 schrieb Stefan Rahmstorf: "Klimaforscher haben seit den 1970er Jahren davor gewarnt: Jetzt ist der Westantarktische Eisschild instabil geworden und hat seinen unaufhaltsamen Zerfall begonnen. Das wird den Meeresspiegel deutlich steigen lassen. Eine Zäsur der Menschheitsgeschichte.“

Der aktuellen Studie nach ist offensichtlich auch die Ostantarktis gefährdet - also der Teil des Kontinents, der bisher als gesichert galt und noch viel mehr Eismassen beherbergt. Das zeigen die neuesten Ergebnisse. Der wissenschaftliche Vergleich, wieviel neuer Schnee fällt nieder und wieviel Schmelzwasser fließt ab (also die Frage, ob es einen Ausgleich der Massen gibt oder nicht), zeigt: Der Verlust ist größer - und das seit 40 Jahren.

Fakten zum Klimawandel

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