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Wer den Himmel deuten kann

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Astrologie - Wer den Himmel deuten kann

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Viele Hundert Jahre lang galt Astrologie als seriöse Wissenschaft. Heute wird sie meist belächelt. Dabei ist sie Vorläufer der modernen Astronomie, die ohne sie nicht denkbar wäre.

Sternbilder kreisen um Erde (Grafik)
Babylonische Muster: Sternbilder
Quelle: ZDF

Wohl jeder kennt sein Sternzeichen - und Horoskope sind beliebte Rubriken vieler Zeitschriften. Dennoch geben viele Menschen nur ungern zu, sich von Astrologie beeinflussen zu lassen. Sie gilt gemeinhin als esoterischer Unsinn. Dabei hat die Astrologie einst als seriöse Wissenschaft begonnen.  

Ursprung der Himmelsdeutung in Babylon

Die westliche Astrologie geht zurück auf die Babylonier, die schon vor etwa 3.000 Jahren Himmelserscheinungen beobachteten und dokumentierten. Für sie galt: Wer den Himmel deuten kann, kann auch den Lauf irdischer Ereignisse verstehen.

Die Babylonier definierten viele der bis heute bekannten Sternbilder. Es sind Konstellationen besonders heller Sterne, wie etwa der "Große Wagen". Entsprechend der Mondphasen teilten die Babylonier das Jahr in zwölf Monate. Jedem Monat ordneten sie ein Sternbild zu - und zwar jenes, in dem die Sonne zu dieser Jahreszeit aufzugehen schien. Fortan wurden beispielsweise August-Kinder im Sternzeichen "Löwe" geboren.

Im Laufe der Zeit wurde die babylonische Himmelskunde von anderen Kulturen übernommen und erweitert. So ordneten die alten Griechen die Sternzeichen den vier Elementen Wasser, Feuer, Luft und Erde zu. Die in den sogenannten Wasserzeichen Fische, Krebs und Skorpion Geborenen gelten seitdem beispielsweise als anpassungsfähig.

Bestimmen die Sterne unser Schicksal? Wissenschaftler widersprechen. Und doch hält sich der Glaube an die Astrologie. Astrophysiker Harald Lesch stellt in der ZDF-Sendung "Terra X- Faszination Universum" die Thesen der Astrologen auf den Prüfstand.

Beitragslänge:
43 min
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Astronomie und Astrologie lange Hand in Hand

Das astrologische System, für das die Babylonier den Grundstein legten, geht aber weit darüber hinaus. Für das persönliche Horoskop ist es zum Beispiel wichtig, an welcher Himmelsposition sich die Planeten zum Zeitpunkt der Geburt befanden. Die zugehörigen Berechnungen sind so kompliziert, dass Astrologie lange nur von himmelskundigen Gelehrten betrieben werden konnte. Bis ins 17. Jahrhundert hinein waren Astronomen immer auch Astrologen.

Horoskop Johannes Keplers für Wallenstein
Keplers Horoskop für Wallenstein.
Quelle: imagno

So auch der berühmte Astronom Johannes Kepler. Er formulierte die bis heute gültigen mathematischen Gesetze, nach denen sich Planeten um die Sonne bewegen. Gleichzeitig erstellte Kepler Horoskope für den Feldherrn Wallenstein, der im Dreißigjährigen Krieg seine Feldzüge danach ausrichtete. Auch wenn Kepler noch an eine universelle Harmonie des Universums glaubte, deutete sich in ihm bereits die Spaltung von Astrologie und Astronomie an. Eine persönliche Zukunftsschau hielt Kepler für Unsinn - mit den Auftragshoroskopen finanzierte er allerdings seinen Lebensunterhalt.

Sternzeichen haben sich verschoben

Mit der Erfindung moderner Teleskope konnten Astronomen die Entfernungen der Sterne immer genauer bestimmen. Heute wissen wir, dass sie Tausende Milliarden Kilometer von der Erde entfernt sind. Viel zu weit, um Einfluss auf uns zu haben. Auch stehen sie von uns aus betrachtet nur zufällig in derselben Himmelsregion und bilden ein wiedererkennbares Muster. Wirklich zusammen gehören sie nicht, weil die zu einem Sternbild gehörenden Sterne unterschiedlich weit von der Erde entfernt sind.

Und noch etwas spricht gegen die Aussagekraft der Astrologie: Da sich die Ausrichtung der Erdachse im Lauf der Jahrtausende verschoben hat, haben sich auch die Sternzeichen verschoben: Zur Zeit der Babylonier stand die Sonne im August tatsächlich noch im Zeichen des Löwen, heute steht sie jedoch im Zeichen des Krebses. Astronomisch betrachtet ist also jeder von uns in einem anderen Zeichen geboren, als dem in herkömmlichen Horoskopen angegebenen.

Dennoch hat Astrologie bis heute ihre Bedeutung behalten. Denn die großen menschlichen Fragen nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Rolle im kosmischen Gefüge kann die Wissenschaft nicht beantworten. Hier leistet die Astrologie vielen eine Hilfestellung. Nicht als Wissenschaft, aber als eine Disziplin, die zum Nachdenken und zur Selbstreflexion anregt. Die per Zufallsprinzip zusammengestellten Zeitungshoroskope sollte man allerdings nicht allzu wörtlich nehmen.

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