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Ist der Mensch verantwortlich?

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Ende der Eiszeitriesen - Ist der Mensch verantwortlich?

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Am Ende der letzten Eiszeit starben Mammuts, Riesenfaultiere, Säbelzahnkatzen und andere Giganten aus. Wurden sie Opfer eines Klimawandels oder hat der Mensch sie ausgerottet?

Am Ende der letzten Eiszeit sterben weltweit die meisten großen Tiere aus. Hat der Mensch sie ausgerottet, oder wurden sie Opfer einer Warmzeit? Neue Funde belegen, dass die Kombination von Mensch und Klima viele Tiere an einen Kipppunkt trieb.

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Jahrtausende lang waren auf allen Kontinenten riesige Tiere zu Hause. Dann, am Ende der letzten Eiszeit verschwanden rund dreiviertel aller großen Säugetiere. Es ist eine der größten Aussterbewellen der vergangenen Jahrmillionen. Früher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Mensch, der damals anfing, die Welt zu erobern, sie in einer Art Blitzkrieg ausgerottet hat. Dann machte man eine hereinbrechende Warmzeit für den Tod der Tiere verantwortlich. Neue Funde belegen: Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Lebensgroßes Modell eines Mammuts in einem Museum in den USA
Lebensgroßes Modell eines Mammuts in einem Museum in den USA
Quelle: imago

Der Klimawandel allein kann nicht die Ursache sein

Höhere Temperaturen setzten Eiszeit-Giganten immer wieder zu. Etwa alle 100.000 Jahre traten Warmphasen auf, die rund 10.000 Jahre dauerten. Aber die Giganten waren sehr viel anpassungsfähiger, als man lange dachte. Zwar schrumpfte das kalte, trockene Grasland - der Lebensraum vieler großer Tiere. Mammuts und andere Eiszeitriesen schafften es aber, sich in Refugien zurückzuziehen und dort zu überleben. Wenn die Warmphase vorbei war, breiteten sie sich mit ihren Futtergebieten wieder aus.

Mammut-Experte Dick Mol hat im Yukon Territory in Kanada einen Mammutstoßzahn gefunden.
Experte Dick Mol hat im Yukon Territory in Kanada einen Mammutstoßzahn gefunden.
Quelle: ZDF/Florian Breier

Das belegen auch Fossilien, die Paläontologen im Yukon Territory entdeckten. "Ich erkenne hier Kältezeiten, warme Zeiten, Kältezeiten, warme Zeiten", erklärt Eiszeit-Experte Dick Mol. "Aber im Boden, der sich vor 11.000 Jahren gebildet hat, ist eine Grenze, da finden wir überhaupt nichts mehr. Das heißt also, hier ist ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte des Lebens." Was ist passiert?

Der Mensch macht Jagd auf die Eiszeitriesen

Noch vor Beginn der letzten Warmphase vor rund 12.000 Jahren tritt der Mensch auf den Plan und breitet sich über weite Teile der Erde aus. Knochen- und Erbgutanalysen von Forschern aus Deutschland zeigen nun erstmals, dass er tatsächlich eine Vorliebe für das Fleisch und das Fett der größten aller Eiszeittiere hatte: Mammuts. Unsere Urahnen brauchten das darin enthaltene Vitamin D, um zu überleben. Aber auch Höhlenbären wurden nachweislich in dieser Zeit vom Menschen gejagt und stark dezimiert.

Millionen von Großtieren wie Mammuts, Höhlenlöwen, Riesenfaultiere und Säbelzahnkatzen bevölkern in der Eiszeit die Erde. Es ist ein Zeitalter der Riesen. Doch dann sterben drei Viertel dieser Tierarten aus. Was ist passiert?

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Klimaveränderungen alleine, oder nur die Bejagung durch den Menschen hätten die Eiszeittiere vielleicht noch verkraften können. Die Kombination von Mensch und Klima brachte die eiszeitlichen Großtiere an einen Kipp-Punkt. "Der Mensch hat sich am Ende des Eiszeitalters weit entwickelt: Er ist intelligent, er kann kooperieren, er kann kommunizieren, er beherrscht das Feuer, er isst alles, Pflanzen, Fleisch", sagt Dick Mol. "Er war dazu in der Lage, sich überall anzupassen. Deswegen sind viele Tiere damals ausgestorben und der Mensch hat überlebt und wird wahrscheinlich noch sehr lange überleben." Auch Riesenfaultiere, Präriemammuts und Säbelzahnkatzen, die typischen Vertreter der eiszeitlichen Megafauna in Nordamerika, mussten dies erfahren.

Bringt der Mensch die Evolution aus dem Gleichgewicht?

Auch heute erlebt die Erde wieder ein Massenaussterben. Dieses Mal ist es sogar noch viel umfassender als am Ende der Eiszeit. Wissenschaftler gehen davon aus, dass von den fünf bis neun Millionen Tierarten weltweit jährlich 11.000 bis 58.000 verloren gehen. Die größten Gefahren für die wenigen verbliebenen Großtiere wie Elefanten und Nashörner sind bis heute die Jagd durch den Menschen und der Verlust ihres Lebensraums. Im Gegensatz zur Eiszeit sind heute aber auch kleinere Tiere vom Aussterben bedroht. Dazu gehören viele Froscharten, aber auch Fledermäuse, Kolibris und Geckos. Der Grund: Ihre Verbreitungsgebiete sind oft viel kleiner, und sie leiden am stärksten unter Umweltzerstörung.

Auch wegen des aktuellen Artensterbens im Zeitraffer - laut Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sind in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - haben Wissenschaftler daher ein neues Erdzeitalter ausgerufen: das Anthropozän. Das Zeitalter, in dem der Mensch tief in die Entwicklung des Lebens und des Klimas eingreift.

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