ZDFheute

Die Formel-1 der Antike

Sie sind hier:

Wagenrennen im alten Rom - Die Formel-1 der Antike

Datum:

An Popularität, Starrummel und Millionenumsätzen standen antike Wagenrennen der modernen Formel-1 in nichts nach. Doch die Welt der Wagenlenker hatte auch ihre Schattenseiten.

Wagenrennen im alten Rom - Terra X
Die Wagenlenker lebten ruhmvoll - aber auch sehr gefährlich.
Quelle: ZDF

Sie waren die mit Abstand beliebteste Unterhaltung im antiken Rom: Wagenrennen. Schon der Austragungsort der Rennen, der Circus Maximus, bot eine atemberaubende Kulisse: 600 Meter lang und 140 Meter breit konnte er bis zu 250.000 Zuschauer fassen, dreimal so viele wie das Olympiastadion in Berlin. Viele Kaiser hatten an diesem Sport-Tempel der Superlative gebaut und ihn immer prächtiger ausgestattet.

In der Kaiserzeit um 100 n. Chr. erstreckte sich unter den Zuschauerrängen sogar eine regelrechte Shopping-Mall. Auf über einem Kilometer Länge drängten sich Garküchen und Läden, in denen unter anderem eine Vielzahl von Fanartikeln angeboten wurden. Daneben gab es Tavernen und Bars und - glaubt man einigen antiken Autoren - sogar Bordelle.

Vom Sklaven zum Volksheld

Die Helden der Rennbahn, die Wagenlenker, umgab ein frenetischer Starkult. Jedes Kind kannte ihre Namen - und selbst die ihrer Pferde. Wagenlenker waren derart berühmt und beliebt, dass selbst die Kaiser ihre Nähe suchten, um sich in ihrem Ruhm zu sonnen. Dabei kamen die Helden der Rennbahn keineswegs aus der feinen Gesellschaft. Fast alle begannen ihre Karriere als Sklaven - die niedrigste Stellung in der römischen Welt.

Wagenrennen im alten Rom - Terra X
Hunderttausende Zuschauer schauten sich die Spektakel im Circus Maximus in Rom an.
Quelle: ZDF

Wer Glück hatte, wuchs auf dem Landgut eines rennbegeisterten reichen Mannes auf, der zukünftige Wagenlenker ausbilden ließ. Für einige junge Talente begann damit der Weg zu Ruhm und Reichtum - oft im jugendlichen Alter. Schon Zwölfjährige jagten vierspännige Rennwagen halsbrecherisch über die Sandbahn und riskierten dabei jedes Mal ihr Leben.  

Wagenrennen waren im antiken Rom die bei weitem populärste Unterhaltung und die Wagenlenker absolute Superstars. Weit über das Stadion hinaus prägten die Rennen Kultur und Alltag der Römer.

Beitragslänge:
12 min
Datum:
Binde und blende sie und lass‘ sie die Kurve nicht nehmen.
Beispiel für eine sogenannte Fluchtafel

Die Identifikation der Fans mit einem Rennstall und seinen Stars ging so weit, dass manche sogar Magie bemühten, um die Gegner buchstäblich zu Fall zu bringen. Überall in der römischen Welt fand man in der Nähe der Rennbahnen sogenannte Fluchtafeln: Bleiblättchen in der Größe von Banknoten mit einer eingravierten Verwünschung. Darauf stand so etwas wie: "Binde und blende sie und lass‘ sie die Kurve nicht nehmen". Den Fluch konnte man bei einem professionellen Magier erwerben, der ihn mit Zaubersprüchen vermeintlich wirksam machte.

Massenindustrie Pferderennen

Nicht anders als bei der Formel-1 konkurrierten auch im antiken Rom finanzkräftige Rennställe miteinander. Was heutzutage Ferrari, Mercedes und andere sind, waren damals die 4 "Factiones", die Zirkusparteien, die nach Farben benannt waren. Sie kümmerten sich nicht nur um die Ausbildung der Wagenlenker, sie beschafften die Pferde, sorgten für Nachschub an neuen Talenten und zahlungskräftigen Sponsoren. Auch die Organisation der Rennen selbst lag in ihrer Hand.

Wagenrennen im alten Rom - Terra X
Wagenlenker konnten mit den Rennen viel Geld verdienen und sich sogar aus der Sklaverei frei kaufen.
Quelle: ZDF

Ein Geschäft in industriellem Maßstab: Da an einem Renntag bis zu 22 Wettkämpfe geboten wurden - und das über viele Wochen hinweg - benötigte der Hexenkessel des Circus Maximus unzählige Pferde. Alleine schon die Beschaffung der Tiere - hauptsächlich aus dem heutigen Tunesien - sowie Aufzucht, Pflege, Transport und Training beschäftigte tausende von Menschen. 

Zwischen Reichtum und Todesgefahr

Auch für die Wagenlenker ging es um viel Geld: Von einem der berühmtesten, Scorpus, der im 1. Jahrhundert n. Chr. lebte, ist überliefert, dass er bei einem einzigen Rennen 15.000 Sesterzen gewann. Das war das 15-fache des Jahresverdiensts eines durchschnittlichen Römers. Und Scorpus errang während seiner Karriere mehr als 2.000 Siege. Nach heutigen Maßstäben spielte er seinem Rennstall Abermillionen ein und wurde selbst ein steinreicher Mann. So kaufte er sich aus der Sklaverei frei.

Doch für das Leben auf der Überholspur zahlten die meisten Wagenlenker einen hohen Preis. Wie viele andere starb auch Scorpus, das größte Idol seiner Zeit, im Sand der Rennbahn - gerade einmal 27 Jahre alt.

Sehen Sie hier die gesamte Terra X-Dokumentation: "Brot und Spiele - Wagenrennen im alten Rom":

Der Circus Maximus in Rom war eine Sportarena der Superlative.

Beitragslänge:
58 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.