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Brüssel - Paris-Attentäter vor Gericht - wegen Schießerei

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Salah Abdeslam gilt als einziger überlebender Attentäter der Pariser Anschläge vom November 2015. Nun muss er sich erst mal für eine Schießerei in Brüssel vor Gericht verantworten.

Blick auf einen Gerichtssaal in Brüssel am 30.1.2018 vor dem Prozess gegen Salah Abdeslam
Blick auf einen Gerichtssaal in Brüssel am 30.1.2018 vor dem Prozess gegen Salah Abdeslam Quelle: reuters

Verhandelt wird, was am Tag 123 nach den Pariser Anschlägen geschah. 123 Tage wurde unter Hochdruck nach Abdeslam gefahndet. Am 15. März 2016 will die Polizei ein angeblich leeres Wohnhaus im Brüsseler Stadtteil Forest durchsuchen. Kurz bevor sie die Tür aufbrechen konnte, eröffneten die Insassen das Feuer. Drei Beamte werden verletzt und einer der Angreifer getötet. Es dauert Stunden, bis die Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle haben. Zwei Personen gelingt die Flucht. Für die Ermittler steht fest, dass es sich dabei um Salah Abdeslam und seinen Komplizen Soufien Ayari handelt. Drei Tage nach der Schießerei werden beide im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst. Die Anklage gegen beide lautet auf illegalen Waffenbesitz und versuchten Polizistenmord im Zusammenhang mit Terrorismus. Bei einem Schuldspruch drohen bis zu 40 Jahre Haft. 

Starke Sicherheitsvorkehrungen

Bis zu 500 Polizisten werden täglich im Einsatz sein. Denn Abdeslam, der eigentlich nahe Paris in Isolationshaft sitzt, wurde für die Dauer des Verfahrens in ein französisches Hochsicherheitsgefängnis nahe der belgischen Grenze verlegt. Jeden Morgen wird er auf verschiedenen Wegen per Helikopter und im Auto 150 Kilometer nach Brüssel gebracht und jeden Abend wieder zurück. "In den 30 Jahren, die ich als Richter arbeite, ist es unumstritten das erste Mal, dass ich mit solchen Sicherheitsvorkehrungen konfrontiert werde", sagt Luc Hennart, Präsident des Gerichts im ZDF-Interview. Er weiß, die Weltpresse wird diesen Prozess verfolgen, denn 350 internationale Journalisten haben sich akkreditiert.

Wer ist Salah Abdeslam?

Der heute 28-jährige Franzose marokkanischer Abstammung wuchs im Brüsseler Stadtteil Molenbeek auf. Seinen Job als Mechaniker bei der Brüsseler Metrogesellschaft verliert er schnell, weil er zu häufig fehlt. Dann betreibt er mit seinem Bruder eine Kneipe in Molenbeek. Die wird geschlossen, weil dort Drogen gehandelt wurden. Wieder ist er arbeitslos. Die Behörden vermuten, er habe sich radikalisiert. Er bestreitet das bei einem Verhör und wird wieder frei gelassen. Seine Akte wird im Juni 2015 geschlossen.

Dabei hatte ihn der belgische Geheimdienst längst im Visier und europaweit darum gebeten mitzuteilen, wenn er irgendwo auftaucht. Allerdings vergaß man, die europäischen Kollegen darauf hinzuweisen, dass man ihn verdächtigt, mit Terroristen in Kontakt zu stehen. So holte Abdeslam als Kurier immer wieder Leute ab. "Er hat Autos gemietet und vier Reisen gemacht, unter anderem nach Ungarn und nach Ulm in Deutschland, um die Terroristen abzuholen, nach Brüssel zu bringen und sie hier zusammenzuführen. Er ist der Mann, der sich um die gesamte Logistik gekümmert hat und bei den Attentaten vom 13. November in Paris dabei war", resümiert Claude Moniquet vom European Strategic Intelligence and Security Center in Brüssel.

Anschläge am 13. November 2015 in Paris

Am 13. November 2015 schlägt die Terrorzelle in Paris zu. Salahs Bruder Brahim Abdeslam sprengt sich in einem Café in die Luft. Salah Abdeslam wirft seinen Sprengstoffgürtel weg und flüchtet. Kurz vor der belgischen Grenze wird er von französischen Beamten kontrolliert und wieder laufen gelassen. Belgien ruft die höchste Terrorwarnstufe aus. 123 Tage lang finden täglich mehrere Hausdurchsuchungen statt.  

Erst die Routinedurchsuchung in Forest bringt die Ermittler auf eine heiße Spur. Man ist sich sicher, das Haus sei leer, denn seit Monaten schon wurde hier kein Strom und kein Wasser mehr benutzt. Als die Beamten die Tür öffnen wollen, wird von drinnen auf sie geschossen. Gefunden werden später eine Kalaschnikow, eine IS-Flagge und ein Glas mit den Fingerabdrücken von Salah Abdeslam. Drei Tage später werden er und sein Komplize festgenommen.

Abdeslam schweigt bisher

Er wolle mit der Justiz kooperieren, hat Salah Abdeslam bei seiner Festnahme gesagt, und sein Ziel sei es gewesen, sich am 13. November in Paris in die Luft zu sprengen, aber er habe es sich anders überlegt - eine Aussage, an der immer mehr gezweifelt wird, wurde doch unlängst bekannt, dass der Sprengstoffgürtel ohnehin defekt war. Auch von der versprochenen Kooperation ist bislang nichts zu spüren, denn Abdeslam schweigt beharrlich.

Die Erleichterung über seine Festnahme währte nur kurz. Am 22. März 2016 explodieren in Brüssel Bomben. Am Flughafen und in der Metrostation Maalbeek sprengen sich Selbstmordattentäter in die Luft.

Im Prozess geht es nicht um die Attentate

Auch Hinterbliebene und Opfer der Anschläge von Brüssel werden heute im Gericht anwesend sein. Für sie steht fest, dass es einen Zusammenhang zwischen seiner Festnahme und den Anschlägen von Brüssel gibt.  

Alle hoffen darauf, dass Abdeslam endlich sein Schweigen bricht. Doch Claude Moniquet warnt davor, zu viel in diesen Prozess rein zu interpretieren: "Es gibt viele Erwartungen, aber es wird sicherlich keine Antworten geben, weil es in dem Prozess eben nicht um die Attentate geht."

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