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Tesla: Neues Modell, alte Probleme

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E-Autopionier - Tesla: Neues Modell, alte Probleme

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Elektroauto-Pionier Tesla stellt an diesem Donnerstag sein neues Modell Y vor. Es ist ein SUV für den Massenmarkt. Der Weg zur Massenproduktion erweist sich aber als steinig.

Eine Computeranimation des neuen Model Y von Tesla. Archivbild
Eine Computeranimation des neuen Model Y von Tesla. Archivbild
Quelle: Tesla/dpa

Wer sich auf der Twitter-Seite von Elon Musk aufhält, dem dürfte nicht allzu schnell langweilig werden. Da starten Astronauten in Raketen ins Weltall oder landen mit Fallschirmen abgebremste Raumkapseln im Meer. Eine der jüngeren Nachrichten aber gilt Schnäppchenjägern: "Tesla Autos verteuern sich kommende Woche um drei Prozent, außer dem Model 3 für 35.000 Dollar. Schnell online zum alten Preis bestellen."

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Tesla steht unter Strom und muss sparen

So langsam beginnt das Besondere von Tesla zu bröckeln.
Jürgen Pieper, Autoanalyst

Und eigentlich steckt in diesem Tweet auch die ganze Tesla-Welt mit ihrem Wohl und ihren Wehen. Denn mit dem Model 3 und dem neuen SUV, dem Modell Y, will Tesla-Gründer Elon Musk den Massenmarkt erobern. Dass er auf dem Weg dorthin mittlerweile bereits ein gutes Stück gegangen ist, zeigt die Tatsache, dass Tesla bei Neuzulassungen der weltweit führende Konzern im Bereich Elektromobilität ist. Allerdings hieß es aus dem Umfeld des Konzerns in jüngster Zeit, dass die Neubestellungen des Massenmodells 3 nachgelassen hätten. "Die letzten Signale sind nicht mehr so berauschend", meint Autoanalyst Jürgen Pieper vom privaten Bankhaus Metzler. "Jetzt sieht man doch, dass ein Stück weit Ernüchterung einzieht. So langsam beginnt das Besondere von Tesla zu bröckeln."

Vermutlich ist das der Grund, weshalb Tesla stark unter Strom steht und gegenzusteuern versucht: Mit drastischen Sparmaßnahmen - und nun offenbar auch leichten Preiserhöhungen bei den ohnehin schon vergleichsweise teuren alten Modellen S und X. Nebenbei bemerkt wird Tesla in dieser Woche mit dem Modell Y seine "Sexy"-Modellpalette komplettieren. Denn der unkonventionelle Musk hat die Buchstaben dieses Wortes als Namen für seine Autos gewählt: S, 3 (Ford hatte das Markenrecht auf das E), X, Y.

Autos nur noch im Internet bestellbar

Bisher jedenfalls ist der Weg in den Massenmarkt aber auch mit erheblichen Problemen verbunden gewesen. Das Model 3 war bislang nur mit gehobener Ausstattung in oberen Preisklassen zu haben. So wird in Deutschland zwar seit einigen Wochen das Model 3 ausgeliefert. Allerdings, mit Langstrecken-Batterie und Allradantrieb, für den stolzen Preis von mindestens 53.280 Euro; eine andere Version kostet noch einmal über 10.000 Euro mehr. Die für den Massenmarkt angekündigte günstige Version für 35.000 Dollar (aktuell rund 31.000 Euro) kann man hierzulande bislang noch gar nicht bestellen.

Das soll sich künftig ändern. Denn nun soll das Model 3, zunächst in den USA, auch tatsächlich für 35.000 Dollar zu bestellen sein - vor Steuern. Um bei diesem Preis noch profitabel wirtschaften zu können, muss Tesla offenbar die Preise der teureren Wagen erhöhen - und an der Kostenschraube drehen, sprich: sparen.

Deswegen hat Musk einmal mehr zu einem unkonventionellen Mittel gegriffen: Die Elektroautos sollen die Kunden künftig nur noch im Internet bestellen können. Mit dem ausschließlichen Online-Verkauf, so hat Musk vorgerechnet, ließen sich bis zu sechs Prozent der Kosten pro Fahrzeug sparen. Das ist deswegen nötig, weil die sich abschwächenden Bestellungen in den USA auch darauf zurückzuführen sind, dass Steuervorteile beim Kauf eines Elektroautos weggefallen sind. Mit der Kostensenkung baut Musk dem absehbaren weiteren Wegfall staatlicher Anreize vor. Erst vor wenigen Wochen hatte der Tesla-Chef den Abbau von 3.000 Stellen im Konzern angekündigt.

Viele Tesla-Filialen sollen wieder schließen

Zuerst hieß es, von den Tesla-Verkaufshäusern sollten im Zuge des Sparprogramms nur einige wenige Läden in belebten Stadtlagen übrig bleiben. In dieser Woche ist der Konzern aber wieder zurück gerudert; es soll nur die Hälfte der Autohäuser schließen, in den anderen werden Kunden sich nach wie vor die Wagen anschauen können. Die dreiprozentige Preiserhöhung der teureren Tesla-Modelle soll das Festhalten an mehr Filialen finanzieren. Probefahrten gehören in Zukunft dennoch der Vergangenheit an. Den Wegfall will Tesla ausgleichen, indem der Kunde die Autos innerhalb der ersten sieben Tage wieder zurückgeben kann. Bei maximal 1.000 gefahrenen Meilen (1.600 Kilometer) auf dem Tacho soll man den kompletten Kaufpreis zurückbekommen.

Die Hälfte seiner Autohäuser per Dekret zu schließen kann Tesla, weil das Unternehmen die Autohäuser im Gegensatz zu anderen Herstellern selbst betreibt. Aus einer distanzierteren Perspektive allerdings zeigt das Hin und Her des Konzerns in dieser Frage: Die Situation scheint nicht einfach zu sein, mögliche Lösungen sind es ebensowenig.

Andere Hersteller holen auf

Neben den eigenen (Kosten-)Problemen kommt hinzu, dass andere Hersteller mittlerweile aufgeholt haben - auch sie haben nun komplett elektrisierte Autos in ihrem Angebot und weiten das stetig aus. Und: Sie haben Erfahrung in der Massenfertigung, Tesla kämpft bei diesem Schritt immer wieder mit Problemen und bleibt hinter seinen Zielen zurück. In diesem Jahr will Tesla rund 400.000 der günstigeren Tesla-Varianten Modell 3 ausliefern. Diese Nachricht verbreitete Elon Musk vor wenigen Tagen - ebenfalls in seinem Twitter-Account.

Und das brachte ihm prompt Ärger mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ein. Denn die hatte ihm vorher schon untersagt, börsenkursrelevante Informationen über den Kurznachrichtendienst zu schicken. Wie einem Besucher auf seiner Twitter-Seite dürfte auch dem Auto- und Raumfahrt-Pionier Elon Musk so schnell nicht langweilig werden. Er muss nun alle Energie in Tesla stecken, wenn der Aufstieg zum Massenhersteller tatsächlich gelingen soll.

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