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Niederlande - Teurer aber fertig: Amsterdams neue Metrolinie

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Doppelt so teuer, längere Bauzeit als geplant - aber anders als der Berliner Hauptstadtflughafen immerhin fertig: die neue Amsterdamer Metrostrecke. Der Bau war nicht leicht.

Auf Hochtouren läuft der Testbetrieb der neuen Amsterdamer Metrostrecke. Ab 22. Juli sollen hier täglich 120.000 Passagiere zwischen dem Norden und dem Süden der Stadt hin und her fahren. Zehn Kilometer ist sie lang, sie hat acht Stationen, von denen drei über der Erde und fünf unter der Erde liegen. Eifrig üben derzeit die Metrofahrer. "Man muss sich wirklich erst einmal an die neue Strecke gewöhnen und an die neuen Stationen. Aber es ist wunderschön", schwärmt Meno, der eigentlich gar keine Zeit zum Schwatzen hat. Doch sie sind stolz, die Mitarbeiter der Amsterdamer Verkehrsbetriebe, dass gelungen ist, was immer wieder zu scheitern drohte.

Weil die Innenstadt zu voll ist, hatten die Stadtväter bereits 1996 beschlossen, eine zusätzliche Metrostrecke zu bauen. Das sollte kein Kinderspiel werden, wussten auch die Ingenieure. Denn in der Grachtenstadt lässt sich nicht einfach mal so einen Tunnel bohren. Darum wurde erst 2002 der erste Spatenstich verrichtet. Heute weiß man, der Bau hat sieben Jahre länger gedauert als geplant und war mit 3,1 Milliarden Euro doppelt so teuer. Spötter sehen Ähnlichkeiten zum neuen Berliner Flughafen.

Häuserzeile weggerutscht

Hoite Detmar, der Direktor der Noord-Zuidlijn, will sich auf keine Vergleiche einlassen, gibt aber unumwunden zu: "Die Planung, die 2002 gemacht wurde, war viel zu optimistisch. Wir dachten damals, dass man in sieben bis acht Jahren fertig sein würde. Außerdem hat man die Kosten wirklich zu niedrig eingeschätzt".

Der größte Rückschlag kam 2008, als plötzlich an der Vijzelgracht eine Häuserzeile wegrutsche. Daran erinnern sich Bewohner wie Kees Winkel noch heute: "Erst haben wir uns gewundert, dass die Haustür klemmt und wir nicht mehr reinkonnten. Dann wurde Alarm geschlagen, denn alles sackte runter." Bevor weiter gebaut werden durfte, mussten die Häuser stabilisiert werden. Die neue Metro war umstritten. Doch sie musste gebaut werden. "Amsterdam ist wie ein Freiluftmuseum, immer mehr Leuten wollen diese prächtige Stadt genießen", sagt Kees Winkel und grinst.

Hunderttausende Fundstücke ausgebuddelt

Groß war die Herausforderung auch am Central-Bahnhof. Um den Zugverkehr hier nicht zu stören, setzte man oberirdisch ein riesiges Tunnelstück zusammen und senkte es dann ab, indem unter ihm die Erde nach und nach weggegraben wurde. Davon schwärmt Direktor Hoite Detmar. Und von der Installation der längsten Rolltreppe natürlich. Die ist immerhin 47 Meter lang und führt ganze 28 Meter unter die Erde.

Auch Freunde der Archäologie kommen auf ihre Kosten. 700.000 Objekte, die von Geschichte der Stadt erzählen, wurden bei den Bauarbeiten gefunden. In riesigen Vitrinen entlang der Rolltreppen an der Station "Rokin" werden 10.000 dieser Objekte ausgestellt. Darunter prähistorische Werkzeuge und Krüge, Teller aus vielen Jahrhunderten und jede Menge Tabakpfeifen. Die wurden früher von Seeleuten einfach ins Wasser geschmissen, bevor sie an Bord gingen. Auf den alten Handelsschiffen nämlich war Rauchen strikt verboten. Das Beste allerding sei ein Briefsiegel, sagt Hoite Detmar: "Es trägt das Stadtwappen von Amsterdam. Darum wissen wir nun, dass Amsterdam 75 Jahre älter ist, als ursprünglich gedacht."

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