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Hilferuf aus Lateinamerika - Teurer Kaffee, bettelarme Bauern

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Während multinationale Kaffeeketten Milliardengewinne einfahren, droht Lateinamerikas Kaffeebauern der Absturz in die extreme Armut. Sie rufen um Hilfe.

Arbeiter in Kolumbien tragen Kaffeesäcke.
Arbeiter in Kolumbien tragen Kaffeesäcke.
Quelle: Tobias Käufer

Milliardengewinne für Starbucks, Armut bei den Kaffeebauern in Lateinamerika: Die Hilferufe aus der Region blieben in der Zentrale der weltweit tätigen Kaffeehauskette Starbucks erst einmal nicht ungehört. Die Krise in Mittelamerika könne man nicht ignorieren, teilte Michelle Burns vor wenigen Tagen mit. Und verkündete, dass Starbucks die Kaffeebauern in der Region mit 20 Millionen Euro unterstützen werde.

Eine Geste, mehr nicht, vielleicht aber auch nur die Flucht nach vorn, denn zwischen den riesigen Gewinnen bei Starbucks und der Situation der Kaffeebauern könnten die Unterschiede nicht größer sein. Und marktbeherrschende Unternehmen wie Starbucks, Tchibo oder Nestlé stehen zunehmend in der Kritik.

Kaffeepreise im freien Fall

Arbeiter in Kolumbien machen eine Pause vom Kaffeepflücken.
Kurze Pause vom Kaffeepflücken.
Quelle: Tobias Käufer

Fast zeitgleich schlug der Präsident des kleinen mittelamerikanischen Landes Honduras Alarm. Juan Orlando Hernandez malte ein Schreckensszenario an die Wand: Wegen des niedrigen Kaffeepreises seien rund 90.000 Familien in Gefahr in extreme Armut abzurutschen, sagte der wegen Unregelmäßigkeiten bei der jüngsten Präsidentschaftswahl im eigenen Land nicht unumstrittene Orlando Hernandez. Fast 100.000 in extreme Armut abgleitende Familien bedeuten aber auch: Neue Migrationsströme, sowie der Nährboden für Gewalt und Kriminalität.

Tatsächlich befinden sich die Kaffeepreise seit Jahren im freien Fall. Im November 2016 lag der Kaffeepreis beispielsweise für die Sorte "Arabica kolumbianisch mild" noch bei 177,85 Cent je Pfund, ein Jahr später war der Preis bereits auf 144,09 Cent abgestürzt und zuletzt lag der Preis im September 2018 bei 125,74 Cent. Ein Verlust von mehr als 25 Prozent, einige Sorten erreichen die tiefsten Preise seit zwölf Jahren.

Die Gründe dafür: große Ernten und Spekulationen an den Börsen. Im krassen Gegenzug dazu stehen die Erfolgszahlen von Starbucks. Im Geschäftsjahr 2017 erzielte die Coffee-Shop-Kette einen Reingewinn von rund 2,9 Milliarden US-Dollar, was vor allem daran liegt, dass sie den Kaffee mit allerlei Zutaten wie Soja-Milch oder Karamell teuer verkauft. Das Problem ist aber: Von den Umsätzen mit den veredelten europäischen oder amerikanischen Kaffeeprodukten kommt in den Produktionsgebieten nichts an. Im Gegenteil: Die Kaffeebohne – Grundlage jeder Tasse Kaffee, Café Latte oder Cappuccino – wird immer billiger.

Perspektivlosigkeit lässt Menschen fliehen

Die Warnung des Präsidenten lässt auch eine neue Entwicklung in Honduras in einem anderen Licht erscheinen. Vor wenigen Tagen machte sich erneut eine Karawane von Flüchtlingen auf den Weg in Richtung USA. Rund 2.000 Migranten versammelten sich in San Pedro Sula, einer der gefährlichsten Städte weltweit, um von dort aus zu einem Marsch durch Guatemala und Mexiko Richtung US-Grenze aufzubrechen.

Gespräche zwischen Vertretern Kolumbiens und Honduras finden auf einer Kaffeefinca in Kolumbien statt.
Die Präsidenten Kolumbiens und Honduras' beraten über den Kaffeemarkt.
Quelle: Presidencia

"Die Migranten sind auf der Suche nach einem würdevollen Leben für sich und ihre Familien. Sie fliehen vor Gewalt und Perspektivlosigkeit", sagt Pater Michael Heinz, vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat im Gespräch mit heute.de und fordert Chancengleichheit: "Statt an einer Grenzmauer sollte US-Präsident Donald Trump mit an Frieden und Chancengleichheit bauen. Wenn Menschen in ihrer Heimat kein würdevolles Leben führen können, wird die Karawane der Migranten weiterziehen. Ohne gleiche Lebenschancen hat unsere Welt keine Zukunft."

Um das zu ändern, starteten vor ein paar Tagen die Verbände der Kaffeebauern in 30 Ländern aus Lateinamerika, Asien und Afrika eine gemeinsame Kampagne. Sie schrieben die Kaffeekonzerne direkt an. Die auf dem Markt gültigen Preise seien nicht einmal mehr ausreichend, um die Produktionskosten zu decken, geschweige denn, um für die Kaffeebauernfamilien nachhaltige Gewinne zu erwirtschaften. Der Brief solle ein erster Schritt sein, um eine Diskussion einzuläuten, schrieben die Produktionsländer. Andernfalls drohe in den Herkunftsländern des Kaffees eine soziale Katastrophe.

Gespräch mit dem Aktivisten Rodrigo Abejo

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